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Theater, Wissenschaft und die Gewalt

Symposium am Landestheater Theater, Wissenschaft und die Gewalt

Gewalt ist ein Thema, mit dem sich viele nicht gerne konfrontiert sehen. Ein dreitägiges Symposium des Hessischen Landestheaters zeigte, dass Gewalt ihren Platz im Alltag hat und thematisierte die Ursachen damit.

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Charles Toulouse und Agnieszka Habraschka in einer Szene der Ensembleproduktion „Wo geht‘s denn hier zum rechten Rand?“. Das Stück und die aktuelle Situation in Deutschland mit dem NSU-Prozess waren Anlass für das Symposium.Foto: Haindl

Marburg. Die Ensembleproduktion „Wo geht‘s denn hier zum rechten Rand?“und auch die aktuelle Situation in Deutschland mit dem NSU-Prozess als Spitze des Eisbergs waren Anlass für das Symposium am Wochenende im Hessischen Landestheater Marburg (HLT). Besonders die Zunahme einer rechtspopulistischen Denkweise in der Mitte der Gesellschaft sei alarmierend, betonte Chefdramaturg Alexander Leiffheidt, der die Tagung gemeinsam mit seiner Kollegin Eva Bormann organisierte. „Gewalt! In der Mitte der Gesellschaft“ war das erste Symposium dieser Art im HLT. „Ich wüsste nicht, dass es so was schon einmal gab“, sagte Leiffheidt.

Auf Initiative des HLT wurde in Zusammenarbeit mit der Philipps-Universität und der Musikschule drei Tage lang Gewalt zum Thema gemacht. Das Symposium sollte aus sozial- und kunstwissenschaftlicher Perspektive das Thema Gewalt in unserer Gesellschaft beleuchten. In Vorträgen, Tischgesprächen und Workshops wurde deutlich, wie konkret und wie alltäglich Gewalt in unserer Gesellschaft ist, auch wenn sie nicht ausgeführt wird. Mit Professor Dr. Andreas Zick, Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld, oder dem Theaterkollektiv Signa gelang es dem HLT kochkarätige Referenten nach Marburg zu holen.

Professor Zick belegte in seinem Vortrag die Alltagsgewalt durch Studien seines Instituts. Er machte deutlich, dass Gewalt kein Randphänomen sei und besonders die Mitte der Gesellschaft dafür immer anfälliger werde.

Wie der Marburger Soziologe Professor Dr. Thomas Bonacker, der kurzfristig für den Münchner Soziologen Professor Dr. Armin Nassehi eingesprungen war, vertrat Zick die Ansicht: „Wenn wir über Gewalt reden, müssen wir auch darüber nachdenken was in der Gesellschaft los ist.“ Nach einer der repräsentativen Umfragen der IKG stimmten etwa 32 Prozent der Befragten der Aussage zu, das Land bräuchte einen Mann an der Spitze, der sich nicht um Parlament und Wahlen schert.

Am Sonntag wurden die Erfahrungen des Wochenendes bei der Podiumsdiskussion zusammengebracht.

An dem Gespräch beteiligten sich der Journalist Andreas Speit, die Berliner Theaterwissenschaftlerin Joy Kristin Kalu, Professor Bonacker und Signa Köstler vom dänischen Theaterkollektiv „Signa“.

Bei der Diskussion zeigte sich wieder die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und den Künstlern aus der Theaterszene, die schon im Vorfeld des Symposiums laut Alexander Leiffhardt zu spüren war.

Und auch wenn Dramaturgen bei Symposien nicht zu Hause seien, zeige aber gerade diese Veranstaltung, dass in einem Symposium auch Dramaturgie stecke, so Leiffhardt.

Gerne hätte er sich mehr Besucher gewünscht, zumindest die Theatervorstellungen am jeweiligen Abend seien sehr gut besucht gewesen. Die Vorstellung von „Der rechte Rand“ am Freitag war sogar ausverkauft. Beim Marburger Publikum bräuchte man einfach mehr Ausdauer, damit sich solche Veranstaltungen rumsprechen könnten. Ob es dafür bei einem weiteren Symposium die Gelegenheit gibt ließ der Chefdramaturg offen. Die Bereitschaft sei grundsätzlich da.

Doch unumstritten sind Gewaltdarstellungen auch auf der Theaterbühne nicht. Signa Köstler musste bei der Podiumsdiskussion ihr Projekt verteidigen. Bei den Performance ihrer Gruppe wird Gewalt sehr real abgebildet, um sie „konkret und unerträglich erlebbar“ zu machen, wie sie betonte.

Damit hatten auch einige Besucher im Publikum Probleme. Immer wieder verteidigte sich die Künstlerin: „Es ist eine Darstellung von Gewalt, auch wenn Elemente echter Gewalt vorkommen. Aber alles ist gespielt.“

von Mareike Bader

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