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Wie die Beatles – nur eben ganz anders

„The Hirsch Effekt“ Wie die Beatles – nur eben ganz anders

Wie ein Gewitter brechen die ersten Sekunden des Eröffnungssongs über die 120 Fans herein. Doch schon nach den sechseinhalb Minuten von „Lifnej“, so der Titel, wird im KFZ deutlich, dass dieser Abend nicht nur eine Richtung kennt.

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„The Hirsch Effekt“ spielten im KFZ.

Quelle: Kiryll Kulakowski/Kerstin Hoffbauer

Marburg. So heftig „The Hirsch Effekt“ zunächst ihre Instrumente bis zum Äußersten reizen, so aggressiv da geshoutet und gegrowlt wird, so klar und hymnisch kreiert die Band dann ­einen Chorus mit Mitsingfaktor. „Einmal noch! Gib dich mit mir hin!“ Ein Song wie die Band selbst: kaum greifbar und doch – oder deshalb – so faszinierend.

„Wir machen Rockmusik. Aber wir klingen nicht wie die Beatles“, hat Sänger Nils Witt­rock einmal gesagt. Stimmt. Mit „klingt wie“ kommt man bei „The Hirsch Effekt“ nicht weit. Schublade auf, Band rein, Schublade zu – das funktioniert nicht. Die Schublade, in die das Metal-Trio passt, muss erst erfunden werden. Eine Schublade, aus der wahre Soundmonster kriechen, schrecklich schön in ihrer komplexen Ästhetik.

Dass die Hannoveraner Meister ihres Fachs sind, beweisen sie nicht nur mit knallhartem Geknüppel, sondern gerade bei den leisen Tönen. Bei „Ligaphob“ etwa wird es still, nachdenklich, melancholisch. Im nächsten Moment fliegt einem der schräge Song „Laxamentum” um die Ohren und läutet den Endspurt ein, der zeigt: Die Band hat den Kosmos der eigenen Gefühlswelt mit dem Album „Eskapist“ verlassen, kritisiert Rechtspopulisten und Wegseher. „Warum kommt es mir so vor, als ob die halbe Welt einfach Schafe zählt?“ heißt es im großartigen Song „Berceuse“. Klar ist: „The Hirsch Effekt“ sind wütend. Und so gut wie nie.

von Holger Schmidt

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