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Tausend Fans lachen Tränen

Jürgen von der Lippe Tausend Fans lachen Tränen

Mit Hawaiihemd, Witzen unter der Gürtellinie 
und Stimmen von Peter Maffay bis Udo Lindenberg sorgte Jürgen von der Lippe am Dienstagabend für Lachtränen bei seinen Fans.

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Nie ohne seine geliebten Hawaiihemden: Jürgen von der Lippe begeisterte seine Fans im Erwin-­Piscator-Haus mit Witz, Charme und Musik.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Er will Standing Ovations und er bekommt sie. Gleich am Anfang nach nur fünf Minuten. Mit einem Trick. Er bittet sein Publikum zur „gruppentherapeutischen Übung“, die mit dem Smartphone festgehalten wird. Alle müssen aufstehen – er hat es geschafft. Eigentlich könnte der Altmeister der deutschen Komik jetzt gehen. Tut er natürlich nicht.

Der 68-jährige Komiker wird vom Marburger Publikum mit kräftigem Applaus und Jubel empfangen. So kann er sich am Ende den Applausmarathon ersparen. Nach zwei Zugaben ist schnell Schluss, aber da ist es auch schon kurz vor 23 Uhr. Jürgen von der Lippe setzt seine Prioritäten.

Das tut er auch bei seinem neuen Programm „Wie soll ich sagen ...?“. Der Titel erscheint ungewöhnlich für den ehemaligen Deutschlehrer, der für seine Sprachgewandtheit bekannt ist. Dem Thema Sprache widmet er sich auch gleich am Anfang. Doch ein „Abend rund um die Sprache“, wie er eingangs verspricht, wird es nicht wirklich.

Knapp unter der Gürtellinie

Wenn sich Jürgen von der Lippe über Heidi Klums ständige Verwendung des Plusquamperfekts echauffiert, zieht das nunmal nicht so. Aber wenn er erklärt, dass er nicht auf Frauen steht, „bei denen der Augapfel mehr wiegt als der Arsch“ – dann lacht der ganze Saal. Und so erfüllt Lippe ganz seinen Job als Dienstleister, er hat ja sowieso ein Helfersyndrom, und gibt dem Publikum was es will: Witze bisweilen knapp unter der Gürtellinie.

Ob es die Witze an sich sind oder einzelnes schallendes Gelächter aus dem Saal, das Publikum lacht Tränen – teils schon vor der eigentlichen Pointe. Und zwischendrin lernt das Publikum auch noch etwas, etwa dass „Blowin‘ in the wind“ in der Tradition des Briefromanes stehe – der Deutschlehrer steckt noch in ihm.

Seit 36 Jahren ist Jürgen von der Lippe im Fernsehen zu ­sehen, so lang ist er übrigens auch mit seiner Frau verheiratet, wie er mehrmals während der Show erzählt. Aus ihrem gemeinsamen Leben gibt er einige Anekdoten preis.

Ob wirklich immer alles­ stimmt, sei dahingestellt. Unterhaltsam ist es alle-
 mal, wenn er von seinem problematischen Leben als humorvoller Mann erzählt, der beim Auftrag, Reizwäsche zu kaufen, mit einem knallroten Elefanten-Tanga zurückkommt – für sich natürlich. Kleine Alltagsszenen werden bei ihm zur ganz großen Comedynummer, auch vermeintlich ernste Themen wie die eigene Beerdigung: „Das müssen Sie vorher planen. Hinterher ist es zu spät“.

Zuschauer werden eingebunden

Große Spielshows wie „Donnerlippchen“ oder „Geld oder Liebe“ moderiert Jürgen von der Lippe schon eine Weile nicht mehr. Dass ihm das aber immer noch Spaß macht, zeigen die beiden Einlagen mit je zwei Pärchen aus dem Publikum. Das hat zwar zwischendurch seine Längen, ist aber trotzdem herrlich unterhaltsam. Aus der Ankündigung, es werde sich keiner blamieren wird allerdings nichts. Denn Lippe überrumpelt die ersten Kandidaten gleich mit fiesen Zungenbrechern und kommentiert die Versprecher mit einem lapidaren: „Ist doch lustig.“ Charmant ist er ja, der gebürtige Westfale.

Geht es im ersten Spiel noch um semantische Schwierigkeiten, dreht sich beim zweiten Spiel alles rund um die Musik. Und da wird Jürgen von der Lippe, der zuvor noch behauptet, dabei noch immer gewonnen zu haben, von Kandidat Wolfgang geschlagen. Der futtert den glutenfreien Zwieback einfach schneller weg und kann dann noch „Hänschen Klein“ pfeiffen, während seine Frau und seine Tochter schon vom ersten Bissen an kichern.

Musik muss bei Jürgen von der Lippe auch sein, damit hat 1976 bei den „Gebrüdern Blattschuss“ schließlich alles angefangen. Und hier ist auch Platz für seine Parodien, für die er so bekannt ist. Zum Ende gibt es sogar ein Terzett mit Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer­ und selbstverständlich Peter Maffay. Mit Howard Carpendale hat er sogar eine neue Stimme in seinem Repertoire. Das Publikum muss natürlich mitsingen.

Wer die Show verpasst hat, bekommt am 21. März 2017 noch einmal die Gelegenheit, Jürgen von der Lippe live zu erleben. Man sollte sich schnell die Karten besorgen. Wie in vielen anderen deutschen Städten wird auch für Marburg wegen der hohen Nachfrage ein Zusatztermin angeboten.

Vielleicht hat Jürgen von der Lippe dann auch mal Zeit, die Stadt anzusehen. Schließlich sind Aufzüge für ihn ein magischer Ort. Auf dem Weg in die Oberstadt kann er perfekt neues Material für seine Geschichten sammeln.

von Mareike Bader

 
 
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