Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Tatsachen, Luftpumpen und Schwerter

Kabarett mit Rolf Miller Tatsachen, Luftpumpen und Schwerter

Sich lustig machen auf Kosten eines Witzes? Unbedingt. Spaß auf die Seite, Schluss mit der Müllverschmutzung: Rolf Miller präsentiert „Tatsachen“. Und das „einwandfrei“.

Voriger Artikel
Standing Ovations für großen Künstler
Nächster Artikel
Fünf Wissenschaftler ziehen in die Schlacht

Einwandfreie Unterhaltung: Er stolpert von einem gedanklichen Schlagloch ins nächste und nimmt genüsslich den ein oder anderen Fettnapf mit – Rolf Miller.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Er sitzt auf einem Stuhl auf der Bühne. Ab und zu trinkt er einen Schluck Wasser aus der Flasche. Ansonsten tut er nichts außer zu reden. Worauf es dabei ankommt ist aber weniger das, was er sagt, als vielmehr der Moment, wenn er nichts sagt. Rolf Miller verleiht dem Wort „Kunstpause“ eine völlig neue Bedeutung. In der Pause liegt nämlich die Kunst. Oder wie die Jury des Deutschen Kleinkunstpreises es formulierte: „Hinter der Pause lauert die Pointe“.

Seine Philosophien halbgar zu nennen, wäre eine maßlose Übertreibung. Er stolpert virtuos von einem gedanklichen Schlagloch ins nächste, nimmt genüsslich den ein oder anderen Fettnapf mit und gibt seinen Senf noch überall obendrauf. Das alles in breitem Odenwälder Dialekt. „Nordbayrischer Westfranke“ ist Rolf Miller nämlich nach eigenem Bekunden. Und da spricht man „Obama“ eben mit Doppel-B und Doppel-M aus.

Egal ob es um Frauen geht, die zu wahr sind, um schön zu sein oder um zweigleisige Schwerter - bei Miller werden geflügelte Worte zu wehrlosen Tontauben. Peng, die nächste. Die Figur, die der Kabarettist auf der Bühne gibt, hat „nix gegen ein Vorurteil“ und weiß, dass „ein gewisser Funke immer am wahren Ding“ ist. „Das ist die Figur, die geht auf den Punkt“, sagte Miller in einem Interview mit der ARD. Dass der Punkt selten am Ende eines vollständigen Satzes steht, ist das Stilmittel des Kabarettisten, das er in perfektem Timing beherrscht.

„Zipfelgsichter“, „Aschtronaute“ und „Luftbumbe“ - je nach Ausprägung eine „leere“ oder „ferngesteuerte“, das sind natürlich die anderen. Vom Survival-Experten Rüdiger Nehberg, „der steht frühs auf und überlebt gleich nach dem Frühstück“, bis hin zu Vizekanzler „Westerdingen“. Dieses Wort ist übrigens universell bei Miller: Ding. Zu verwenden in Eigennamen und - gegebenenfalls durch die Silbe „do“ (da) ergänzt - in Begriffen wie „Brandenburger Ding“, „Nebelschlussding“ oder „Nordpolschmelzdingdo“ ebenso.

Themen wie Klimawandel, Eurokrise und Bildungspolitik stehen ranggleich neben dem Versuch, einen Reinhold-Messner-Witz zu erzählen und den Erlebnissen von Achim und Jürgen. Da geht es um einen Seitensprung am Bahndamm und die Begegnung mit einem Audi A6. Unter anderem.

„No life, no fun“, lautet das Motto, „trau keinem Aktenkoffer“ die Maxime. „Eine Frau wo schweigt - nicht unterbrechen“, weiß Rolf Miller. Auch dass Beziehungsprobleme sich aufs Privatleben auswirken können, Lehrer sein „wie studieren“ ist und im Sommer immer Klima herrscht, erklärt er dem Publikum gern.

„Sie waren sehr gut und ich war auch da“, lautete Millers Fazit nach gut anderthalb Stunden Programm. Wer es nicht verstanden hat, der habe es im Großen und Ganzen kapiert, erklärte er in der Zugabe. Und er verriet, dass er seine Ideen hauptsächlich aus Fußballer-Interviews bekomme. Beispiel gefällig? „Die Breite an der Spitze ist enger geworden“ (Berti Vogts). Kein Wunder, dass man sich dann beschwert, Jauch und Lanz wären doch keine Politiker oder nach Fukushima seien auf einen Schlag alle gegen Erdbeben gewesen.

Die Zuschauer in der voll besetzten Stadthalle hatten hingegen keinen Grund, sich zu beschweren. Wie Rolf Miller es sagen würde: Einwandfrei!

von Nadja Schwarzwäller

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr