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Taschentücher für den Oscar-Anwärter

Neu im Kino: Les Misérables Taschentücher für den Oscar-Anwärter

Taschentücher und Ohrenstöpsel sind bei dem Filmmusical „Les Misérables“ angesagt. Regisseur Tom Hooper liefert eine tränenreiche Kinoversion mit vielen Stars, die selber singen.

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Üppige Kulissen und eine tolle Ausstattung prägen den Musicalfilm „Les Misérables“. Das Foto zeigt eine Szene mit Helena Bonham Carter.Foto: Universal

Marburg. Der Erfolgsdruck für das Filmmusical „Les Misérables“ ist enorm: Seine Vorlage – das Theatermusical der Franzosen Claude-Michel Schönberg und Alain Boublil – wurde seit der Londoner Premiere 1985 von über 60 Millionen Menschen in 43 Ländern gesehen. Das Drama um Liebe, Rache, Verrat und Vergebung im nachrevolutionären Frankreich des 19. Jahrhunderts gewann zig Preise. Allein auf dem New Yorker Broadway wurde der Klassiker nach dem Erfolgsroman „Die Elenden“ von Victor Hugo mehr als 16 Jahre lang aufgeführt.

Für seine Verfilmung konnte Oscar-Preisträger Tom Hooper („The King‘s Speech“) mit Anne Hathaway, Hugh Jackman und Russell Crowe zwar hochkarätige Stars gewinnen, doch das allein ist noch lange keine Garantie. Der britische Regisseur ging ein Risiko ein: die Schauspieler mussten alle Lieder live singen. Nur Lippen bewegen mit Playback, wie es bei Filmmusicals üblich ist, war tabu.

Mit Hathaway in der Rolle der bitterarmen und schwerkranken jungen Mutter Fantine landete Hooper einen Volltreffer. Abgemagert und mit kurz geschorenen Haaren singt sich die 30-Jährige die Kehle aus dem Hals. Bei dem Lied „I Dreamed a Dream“ bleibt keine Auge trocken. Ihre Tränen seien echt gewesen, versicherte Hathaway kürzlich bei der Berlinale-Premiere. Das Schicksal der entlassenen Fabrikarbeiterin, die sich für den Lebensunterhalt ihres Kindes prostituieren muss, habe ihr buchstäblich das Herz zerrissen. Es brachte ihr auch schon viele Preise ein, etwa den Golden Globe und den britischen Bafta als beste Nebendarstellerin.

Mit acht Oscar-Nominierungen – darunter für Hathaway, Jackman und in der Topsparte „Bester Film“ – kann „Les Misérables“ bereits auftrumpfen. Doch Hollywoods Kritiker bremsen die Begeisterung mit teilweise harschen Worten. Nach dem „künstlich-üppigen Les Miz“ sehne sie sich nach den Guillotinen, frotzelte etwa die Kritikerin des US-Filmblattes „Entertainment Weekly“. Zu schwülstig und schlecht gesungen, befanden andere.

Tatsächlich sollte es Russell Crowe unbedingt bei Sprechrollen belassen. Als Sänger scheitert der australische Oscar-Preisträger („Gladiator“) in der Rolle des brutalen Justizvollzugsbeamten Javert kläglich. Glücklicherweise gibt sein Landsmann Hugh Jackman in der Hauptrolle des Sträflings Jean Valjean ganz passabel den Ton an. „Das war bei weitem die schwierigste Rolle für mich“, räumte der „Wolverine“-Star in Berlin ein.

Valjeans Schicksal ist bekannt: Weil er ein Stück Brot gestohlen hat, wird er zu 19 Jahren harter Zwangsarbeit verurteilt. Der Ex-Sträfling wandelt sich zum geläuterten Mann. Nach Fantines Tod zieht er deren kleine Tochter Cosette auf. Von Javert verfolgt ist er ständig auf der Flucht. Als sich die junge Cosette (Amanda Seyfried) in Paris in den hitzig-revolutionären Studenten Marius (Eddie Redmayne) verliebt, gerät Valjean wieder ins Visier seines Erzfeindes.

Redmayne („My Week with Marilyn“), ein begnadeter Sänger, gestand dem „San Francisco Chronicle“, dass er und seine Kollegen vor jedem Gesangsauftritt total nervös waren. Wie „Verrückte“ hätten sie beim Einsingen ausgesehen. „Es gibt nichts Lustigeres, als Wolverine und Gladiator bei Stimmübungen zuzusehen“, witzelte der Brite über die Dreharbeiten.

Komische Momente sind in dem fast drei Stunden langen Drama knapp bemessen. Für die wenigen Lacher in „Les Misérables“ sind Helena Bonham-Carter und Sacha Baron Cohen als durchtriebene Wirtsleute zuständig. Ansonsten drückt Hooper erbarmungslos auf die Tränendrüse. Das Orchester fährt er bis zum Anschlag hoch. Die Kamera zoomt nah auf die Darsteller ran. Mit rasanten Fahrten und schnellen Schnitten peppt er den Klassiker zum Action-Love-Drama auf.

Bei der Berlinale besann sich Hooper dann wieder auf Altbewährtes. Als Botschaft seines Musicals zitierte der Regisseur den 1885 gestorbenen Schriftsteller Victor Hugo: „Geliebt zu haben oder geliebt zu werden, das ist das Wichtigste im Leben.“

„Les Misérables“ startet heute im Cineplex

von Barbara Munker

Meinungen der Zuschauer der OP-Sektmatinee

Zuschauermeinungen:

„Ein wirklich toller Film mit imposanten Bildern und einer beeindruckenden Atmosphäre. Ein opulentes Kinospektakel!“

Sandra Rabung (24) aus Marburg

„Habe zwar selten so viel geweint im Kino, aber die Zeit verging wie im Flug und es riss einen durch Höhen und Tiefen – wunderbar.“Caro Harms aus Marburg

„Einfach absolute Spitzenklasse. Man müsste danach stehend applaudieren.“

Petra Kunze-Bruckhoff (54) aus Lohra

„Solcher Stoff sollte definitiv öfter verfilmt werden. Ein toller Film.“

Peter Wippermann aus Marburg

„Großes Kino.“Andrea Wunder (49) aus Lahntal

„Victor Hugo wäre begeistert.“

Petra Jäger (49) aus Wetter

„Beste Musicalverfilmung aller Zeiten.“

Sebastian Wolff (37) aus Wetter

„Zum Weinen schön.“

Gudrun Roy aus Frankenberg

„Ein episches Meisterwerk. Fesselnd und ergreifend bis zur letzten Minute.“

Angelika Sobottka (55) aus Schwalmstadt

„Tja, klasse Film. So mag selbst ich Musicals.“Jochen Wahlers aus Marburg

„Ein Film, der einen umhaut. Tolle Stimmen, tolle Inszenierung. Fantastisch.“

Thomas Mühlbauer (38) aus Marburg

„Ergreifend – ich habe noch niemals im Kino geweint.“Marlis Schadtke aus Fronhausen

„Großartiges Spektakel.“

Inge Dritthardt (63) aus Kirchhain

„Lange nicht so einen tollen Film gesehen.“Jens Sagel (27) aus Stadtallendorf

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