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Tanzen und Schunkeln auf Berliner Art

„Ohrbooten“ spielten im KFZ Tanzen und Schunkeln auf Berliner Art

Bei „Rock im Park“ oder dem Hurricane-Festival rocken sie die Massen. Im KFZ zeigten die „Ohrbooten“, dass ihre Musikmischung auch im kleineren Rahmen perfekt funktioniert.

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Mit Wortwitz und Kreativität sorgten die „Ohrbooten“, hier Sänger Benjamin Pavlidis, für Tanzstimmung im KFZ.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Das Wort „Gyp-Hop“ ziert das Tourplakat der „Ohrbooten“. Doch fragt man Mathias Jechlitschka, Gitarrist und Sänger der Band, was es mit dieser Musikrichtung denn letztlich auf sich hat, hört man folgendes:

„Keine Ahnung. Das ist ein Überbegriff für alles, was geil ist. Wir spielen einfach, worauf wir Bock haben.“ Die vier Berliner Jungs wollen sich keine künstlerischen Ketten anlegen lassen. „Wir machen einfach unser Ding, und das ist eine Mischung aus vielen Stilen“, meint Keyboarder Christoph Spangenberg.

„Tanz mal drüber nach“ ist das fünfte Studioalbum der Band, und einmal mehr besticht das Quartett vor allem durch Kreativität und Wortwitz in seinen Texten. Dabei darf es gerne mal abstrus und albern sein. Es bleibt nämlich fraglich, ob man tatsächlich an all den Orten mit dem Tanzen anfangen soll, die die „Ohrbooten“ im Titelsong des Albums „Tanz drüber nach“ vorgeben.

Doch auch Textpassagen wie „Ohne Frauen wäre das Leben doch spärlich und halb so gefährlich“ aus dem älteren Song wie „An alle Ladies“, eine Hommage an die Damen der Schöpfung, wissen zu begeistern.

„Eigentlich gehe ich noch mehr ab“

Gerade den anwesenden Frauen, von denen sich viele direkt vor der Bühne platziert haben, scheint der Text gut einzulaufen. Es wird gehüpft, getrampelt und gesprungen. Das KFZ bebt und wankt regelrecht unter den Füßen der 220 Konzertgänger.

Am Keyboard und Drumpad tobt sich Spangenberg aus und präsentiert sich tanzwütig. „Das war noch gar nichts. Ich bin ziemlich am Kränkeln. Eigentlich gehe ich noch mehr ab“, erklärt er vollmundig und breit grinsend. Spangenberg ist es, der mit einem breiten Spektrum an Sounds für Abwechslung sorgt. So fragt man sich zeitweise, wie viele Instrumente er in Drumpad und Keyboard tatsächlich versteckt hat.

Mal bezirzt das Quartett das Publikum mit langsamem Reggae, mal mit fetzigem Rock. Doch egal ob bei den Songs Reggae, Rock oder Rap dominiert, tanzbar ist jedes Lied. In eine musikalische Schublade will sich die Band nicht stopfen lassen.

Um dies deutlich zu machen, steigt Jechlitschka in die luftigen Höhen der Pseudo-Philosophie hinauf und offenbart das Gebot der „Ohrbooten“: „Musik ist nicht wegen ihrem Stil geil, sondern sie ist wegen ihrer Geilheit geil.“ Es gebe ja auch coole Schlagersongs.

Ein Umstand, dem die Band bei der Zugabe Rechnung trägt. Ganz traditionell trällert Jechlitschka gemeinsam mit dem Publikum ein altes Berliner Volkslied. Jeder Zuschauer hakt sich bei seinen Nachbarn ein, und es wird geschunkelt – „Musikantenstadl“ auf Berliner Art.

von Benjamin Kaiser

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