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Tanzen ist auch Männersache

Tanzen ist auch Männersache

Bei der Tanzshow „SummerWorX 2015“ in der Waggonhalle räumten Studenten mit überkommenen Geschlechtervorurteilen auf.

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Ihre eigenen Choreographien führten Sportstudierende in der Waggonhalle auf und wurden vom reichlich erschienenen Publikum bejubelt.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Es ist eine Hürde, die jeder Sportstudent, der auf Lehramt an der Philipps-Universität studiert, früher oder später nehmen muss: das Modul „Tanzen“. Insbesondere bei Männern löst diese Pflichtveranstaltung, die die Dozentinnen Bettina Berland und Brigitte Heusinger von Waldegge vom Institut für Sportwissenschaft und Motologie leiten, wenig Vorfreude aus. Dennoch waren die „SummerWorX 2015“, bei denen 55 weibliche und männliche Sportstudierende ihre Choreographien unter dem Thema „Tanzen – reine Frauen-/Männersache“ präsentierten, ein voller Erfolg.

Voll war nämlich die Waggonhalle, wo die Darbietung stattfand. Rund 250 Zuschauer sahen die Show, der Andrang war groß. Viele Besucher hatten versucht, an der Abendkasse noch Karten zu ergattern. Die meisten mussten jedoch unverrichteter Dinge wieder abziehen. Dass viele Zuschauer deshalb keinen Sitzplatz hatten und mit dem Boden vorliebnehmen mussten, tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Nach jeder Choreographie der zwölf Gruppen war die Stimmung auf dem Siedepunkt und der Applaus ohrenbetäubend. Zu sehen gab es insbesondere zeitgenössischen Tanz sowie Ausdruckstanz.

Von den 55 Akteuren waren 31 Männer. Einer davon war der 21-jährige Max Nabrotzky. „Ich bin kein Fan vom Tanzen, und ich hatte schon Bedenken, ob ich meiner Freundin von der Show erzählen soll. Nachher blamiert man sich auf der Bühne. Aber meine Gruppe hat viel Zeit und Schweiß an der Choreographie gelassen, und ich bin glücklich, dass ich mitgemacht habe“, sagte Nabrotzky.

Weiblichkeit und Männlichkeit vereint

Sein Kommilitone und Gruppenpartner Paul Dost stimmte nicht nur zu, sondern setzte sogar noch etwas drauf: „Mir hat der Kurs und auch die Show heute riesigen Spaß gemacht, und ich will das Tanzen möglichst weitermachen.“ Beide Studenten überzeugten bei der Darbietung ihrer sechsköpfigen Gruppe mit anmutigen Bewegungen und machten nicht nur aufgrund ihrer rosafarbenen Shirts und engen Hosen eine gute Figur. „Das Outfit hat schon ein wenig Überwindung gekostet“, lachte Nabrotzky.

Während des Uni-Kurses gaben Berland und Heusinger den Studierenden nur die Theorie und das tänzerische Handwerk an die Hand. Lediglich die 25-jährige Tutorin Brigitte Schmutz stand den 55 Männern und Frauen mit Rat und Tat zur Seite. Die Choreographie-Prüfung hatte bereits vor zwei Wochen stattgefunden, die Zensuren der Studierenden standen zum Zeitpunkt der Aufführung also längst fest.

„Ich denke, dass diese Show nach der Pflicht die Kür ist“, sagte Schmutz. Dabei stand es jedem Studenten frei, an der Show teilzunehmen. Die Dozentinnen haben niemanden gezwungen, seine Choreographien zu präsentieren. Bettina Berland stand die Zufriedenheit und der Stolz nach der Show ins Gesicht geschrieben: „Von den 60 Kursteilnehmern gab es keinen einzigen, der heute nicht aufgetreten ist. Das ist großartig, denn vor allem einige Männer waren von dem Kurs anfangs nicht besonders begeistert.“

Für die beiden Dozentinnen ist Tanzen keinesfalls Frauensache. „Tanzen kann nicht nur anmutig und zart, sondern auch kraftvoll und athletisch sein. Alle Gruppen haben es geschafft, Weiblichkeit und Männlichkeit in ihren Darbietungen zu vereinen“, freute sich Heusinger.

von Benjamin Kaiser

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