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Tänzer loten die Tiefen des menschlichen Seins aus

The Horta Project am Stadttheater Gießen Tänzer loten die Tiefen des menschlichen Seins aus

Freunde des modernen Tanztheaters aufgehorcht. Mit Unterstützung des „Tanzfonds ERBE“ der Kulturstiftung des Bundes bringt das Stadttheater Gießen derzeit zwei Stücke des vielfach ausgezeichneten portugiesischen Choreographen Rui Horta auf die Bühne.

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Zwischen Kunst und Dokumentation

„The Horta Project“ betört mit einer sehr eindringlichen Bildersprache auf höchstem tänzerischem Niveau. Foto: Rolf K. Wegst

Quelle: rolf k. wegst

Gießen. In dem Tanzabend „The Horta Project - Soap Recreation“ lässt er die beiden Stücke „Ordinary Events“ von 1991 und „Khôra“ von 1996 mit der Gießener Tanzcompagnie wieder aufleben.

Horta selbst bringt seine beiden Choreographien, die er ursprünglich für das „S.O.A.P Dance Theatre Frankfurt“ entwickelte, ins Große Haus. Ab 1990 hatte der Portugiese die Company an Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm aufgebaut und mit seinem tänzerischen Zugang für Furore gesorgt. Kein Wunder. Denn mit einer sehr eindringlichen Bildersprache gelingt es Horta auch in Gießen, zu tiefsten Tiefen menschlichen Seins vorzustoßen. So steht im Fokus von „Ordinary Events“ in etwa die Beziehung des Individuums zum Ganzen, während „Khôra“ nach den Begrenzungen dieses Individuums fragt.

Die „Events“ machen mit rund 20 Minuten Dauer den kürzeren Teil des Abends aus. Horta persönlich hat das stark reduzierte Bühnenbild, das im Grunde genommen nur aus drei großen Teppichen und wenigen Stühlen besteht, geschaffen. Es ist in ein dämmeriges Licht getaucht, und im Verbund mit den teils sehr wuchtigen Klängen von „Les Tambours du Bronx“ entsteht eine Atmosphäre, die der minimalistischen Erscheinung menschlicher Träume bemerkenswert nahe kommt. Es ist ein furioser Auftakt, der mit der rund 70-minütigen Choreographie „Khôra“ seine glänzende Fortsetzung findet.

Erneut hat Horta einen Raum geschaffen, der wiederum auf ein hohes Maß an traumhafter Abstraktion in dämmerigem Licht setzt. Die nackte Rampe und kleine Aquarien mit Eiswürfeln. Viel mehr Ausstattung gibt es nicht - außer einer Rolle Klebeband. Großartige tänzerische Leistungen, Bühnenbild und Kostüme gehen eine höchst gelungene Verbindung ein. Ein heißer Tipp für Freunde des Tanztheaters.

Weitere Aufführungen: 21. März, 3. April, 9. Mai und 8. Juni jeweils im 19.30 Uhr im Großen Haus.

von Stefan Scholz

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