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Täglich grüßendes Murmeltier "light"

Theater: Premiere "Zärtlicher als das Leben" Täglich grüßendes Murmeltier "light"

Mit "Zärtlicher als das Leben" hat german stage service drei Filmklassiker auf die Bühne des G-Werks gebracht. Aber die Premiere am Samstag konnte längst nicht in allen Teilen überzeugen.

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Phil (Moritz Pliquet) und das Murmeltier (Simon Meienreis) erwachen immer wieder am selben Tag.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Die Leidenschaft für das Kino war der Grund für das Experiment, das die Theatergruppe german stage service am Samstagabend startete. Das kam gleich zu Anfang des Theaterabends zum Ausdruck: In einem langen Monolog erklärte eine männliche Stimme aus dem Off, warum uns Kinofilme so faszinieren. „Kino ist das Beste gegen Depressionen“, erklärte die Stimme. In Filmen gehe es immer nur um wenige Motive, um Einsamkeit, Angst, Wut, Liebe und immer drücke sich eine Sehnsucht nach Sinn aus. So weit, so gut.

Dann erzählte die Stimme den Inhalt von Francois Truffauts Filmklassiker „Die Frau von nebenan“ nach. Im Mittelpunkt steht die tragische Liebe eines verheirateten Mannes zu einer attraktiven Frau, die im Nebenhaus einzieht. Während die Stimme aus dem Lautsprecher sprach, werkelte eine junge Frau (Lisa Schettel) hinter der Bühne im Halbdunkeln herum. Umzugskisten waren zu sehen, eine Leiter, ein Fenster. Auch als der Monolog aus dem Off endete, räumte sie weiter in den Kisten herum. Wie im Film schaute sie häufig aus dem Fenster zum Haus des Nachbarn, sie rauchte, sie trank, aber sie sagte kein einziges Wort. So ging das etwa zehn Minuten lang, dann war die erste Filminszenierung schon zu Ende (Regie: Dieter Krockauer).

Etwas besser gelang das zweite Stück, das sich auf den bekannten Film „Täglich grüßt das Murmeltier“ von Harold Ramis bezog. Die Geschichte dreht sich um den jungen Reporter Phil, der immer wieder am selben Tag erwacht und in einer Zeitschleife gefangen ist. Er soll aus der Provinz über ein Murmeltier berichten, das das Wetter voraussagen kann. Sehr überzeugend und mit viel Engagement spielte Moritz Pliquet den armen Phil, der immer wieder denselben Tag erleben muss. Regisseur Simon Meienreis hat hier eine ganz witzige Inszenierung geschaffen, die aber nicht an das Original heranreicht. Er hat ein paar nette Ideen umgesetzt, wie etwa den Auftritt des gemütlichen Murmeltiers (Simon Meienreis selbst), das spärlich bekleidet auf einem Bierkasten hockt und dem Reporter zuschaut. Ein hübscher Gag war auch der „Abspann“ zu dem Stück, der auf einer Tapetenrolle ständig den Titel des Films wiederholte.

Ohne Filmkenntnis ist Handlung nicht zu verstehen

Das dritte Stück des Abends bezog sich auf „Wild at heart“ von David Lynch. Rolf Michenfelder hat den Film als Ein-Mann-Stück inszeniert und spielte auch selbst die einzige Rolle. Dabei beschränkte er sich vor allem darauf, den Zuschauern die tragische Liebesgeschichte von Sailor und Lula zu erzählen. Er versuchte zwar, Hintergrund und Atmosphäre des Films in angedeuteten Szenen lebendig werden zu lassen, aber es war dennoch vor allem eine Nacherzählung. So blieb das Ganze ziemlich blass und wirkte trotz der guten darstellerischen Leistung von Michenfelder nicht wirklich mitreißend. Hinzu kam, dass man der komplizierten Handlung nur schwer folgen konnte. Wer den Film nicht kannte, hatte ganz schlechte Karten.

Am Schluss gab es dann langen, aber nicht allzu begeisterten Beifall für die Regisseure, die Darstellerinnen und Darsteller.

Eine weitere Aufführung von „Zärtlicher als das Leben“, Teil 1 bis 3, gibt es am 17. Oktober im G-Werk. Die Teile 4 bis 6 und 7 bis 9 folgen mit jeweils drei Aufführungen im November und Dezember. Jedes Mal werden drei andere Filme von jeweils anderen Schauspielern und Regisseuren inszeniert.

von Bettina Preussner

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