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Szenen einer Ehe – zweiter Teil

OP-Buchtipp: „Gegenspiel“ Szenen einer Ehe – zweiter Teil

Ein Paar in einer verspäteten Midlife-Crisis. In seinem Buch „Fliehkräfte“ gab Stephan Thome vor zwei Jahren dem Mann das Wort. Nun ist die Frau an der Reihe.

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Der in Biedenkopf aufgewachsene Autor Stephan Thome hat seinen dritten Roman veröffentlicht: In „Gegenspiel“ setzt er die Beziehungsgeschichte aus „Fliehkräfte“ fort.

Quelle: Arno Burgi

Zwei Bücher hat der in Biedenkopf aufgewachsene Autor Stephan Thome (42) bisher geschrieben, beide sorgten für größere Aufmerksamkeit. In seinem vielgelobten Debütroman „Grenzgang“ schilderte er vor dem Hintergrund des Biedenkopfer Traditionsfestes das Scheitern von Lebensentwürfen, das Versanden hochfliegender Pläne im banalen Provinzalltag.

Mit seinem großartigen Debütroman gelang ihm 2009 aus dem Stand der Sprung auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Zudem erhielt er den Aspekte-Literaturpreis. Auch in seinem zweiten Buch „Fliehkräfte“, das es 2012 auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises schaffte, sezierte er ebenso nüchtern wie erbarmungslos Wohlstandsbiografien zwischen Anspruch und Versagen.

Streit führt fast zum Autounfall

Nach 20 Jahren befindet sich die Ehe zwischen dem Hochschullehrer Hartmut und der Portugiesin Maria in der Krise. Auf einer Reise nach Portugal versucht Hartmut, Klarheit über sich und sein Leben zu finden: Soll er einfach so weitermachen oder im vorgerückten Alter noch einmal einen Neustart wagen?

Erzählte „Fliehkräfte“ die Geschichte dieser Ehe aus männlicher Sicht, so liefert Thome in seinem neuen Buch „Gegenspiel“ nun den weiblichen Part. Maria nimmt die Beziehungskrise zum Anlass, ihr Leben zu überdenken. Auslöser ist ein Streit mit Hartmut während einer Autofahrt, der fast zu einem schweren Unfall führt. Die Ehe ist an einen Punkt angelangt, der zur Entscheidung drängt.

Seit Maria an einem Berliner Theater eine Arbeit aufgenommen hat, führt das Paar nur mehr eine Wochenendbeziehung. Hartmut bleibt frustriert im Rheinland zurück. Seine Hochschultätigkeit macht ihm schon lange keine Freude mehr, die einzige Tochter ist flügge geworden. Mit Ende 50 gerät der Philosophiedozent in eine verspätete Midlife-Crisis. Wie konnte es so weit kommen?

Portugiesin in Berliner Straßenschlachten

Wie schon in „Fliehkräfte“ entwickelt Thome die Geschichte in zahlreichen Rückblenden. Er erzählt von Marias Jugend in den 1970er Jahren in Lissabon, einer Stadt, die einer ehrgeizigen und neugierigen jungen Frau nur wenig zu bieten hatte.

Maria geht nach West-Berlin und findet im heruntergekommenen Stadtteil Kreuzberg „eine Enklave, an der die Zeit vorbeilief“. Dort im Schatten der Mauer wird die junge Katholikin Teil der autonomen Szene, die sich wüste Straßenschlachten liefert, sich im antibürgerlichen Stil gefällt, vor allem aber durch schlechte Manieren auffällt.

Maria verliebt sich in den Theatermacher Falk, einen ebenso übellaunigen wie erfolglosen Menschen, ohne von ihm gleichermaßen zurückgeliebt zu werden. Der Boden ist bereitet für Hartmut. Mit dem aufstrebenden Wissenschaftler geht Maria nach Nordrhein-Westfalen, führt an seiner Seite ein unspektakuläres Leben als Ehefrau und Mutter. Ihre Träume hat sie erst einmal begraben. Mit Ende 40 sinniert Maria darüber, „wie viel Zeit im Leben sie mit Tagträumen vertan hat, mit Täuschungsmanövern, deren erstes Opfer sie selbst war“.

Roman überzeugt nicht ganz – vielleicht gewollt

Kompromisse, Umwege und Sackgassen bestimmen ihr Leben wie das der meisten Protagonisten von Stephan Thome, der letztlich immer die eine Frage stellt: Was ist ein gelungenes Leben? Dies lotet er in zahlreichen Dialogen und Paar-Szenen aus. In banalen Alltagssituationen zeigt er die Missverständnisse, die Sprachlosigkeit, das schleichende Scheitern in Beziehungen.

Dass der Roman trotzdem nicht ganz überzeugt, liegt an der Farblosigkeit und Banalität seiner Figuren. Thome lässt sie zudem Plattitüden wie diese sagen: „Ich hasse jede Idee, schon bevor ich sie habe.“ Das verkopfte Umsichselberkreisen im eigenen Mief auf über 400 Seiten endet schnell in Langeweile. Aber vielleicht ist gerade dies vom Autor auch gewollt.

  • Stephan Thome: „Gegenspiel“, Suhrkamp Verlag, 464 Seiten, 22,95 Euro.

von Sibylle Peine

 
Lesungen

Stephan Thome wird seinen neuen Roman im Landkreis Marburg-Biedenkopf vorstellen:

  • Am Mittwoch, 28. Januar, liest Stephan Thome in seiner Heimatstadt Biedenkopf: Seinen neuen Roman stellt er ab 19 Uhr im Rathaussaal vor.
  • Am Donnerstag, 29. Januar, liest er ab 20 Uhr in der Buchhandlung Elwert-Lehmanns.
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