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Junge Musiker in prächtiger Spiellaune

Studenten-Sinfonie-Orchester Junge Musiker in prächtiger Spiellaune

Als Solisten für das Semesterabschlusskonzert im Audimax hatten das SSO und sein Dirigent Ulrich Manfred Metzger den Konzertmeister des Frankfurter Opernorchesters, Ingo de Haas, gewonnen.

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Ingo de Haas, Konzertmeister des Frankfurter Opernorchesters, begeisterte als Solist beim Semesterabschlusskonzert des SSO unter der Leitung von Ulrich Manfred Metzger.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Zu Beginn widmete sich das SSO dem ersten sinfonischen Meisterwerk Peter Tschaikowskys: In seiner nach klassischem Sonaten-Prinzip geformten Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia“ hat sich der knapp 30-jährige Komponist auf den Kern des Shakespeare-Dramas konzentriert: Die in dunklen Registern der Holzbläser erklingende, an russische Kirchenmusik gemahnende Einleitung charakterisiert die helfende Güte Pater Lorenzos, das energische Allegro-Hauptthema beschreibt die Fehde der verfeindeten Veroneser Adelshäuser und die schwärmerische Kantilene des weit geschwungenen Seitenthemas steht für die zwar tragisch endende, aber dennoch unsterbliche Liebe Romeos und Julias.

Ulrich Manfred Metzger inszenierte dies am Pult des SSO, das seinem Chef mit glühender Hingabe folgte, zu einem Drama voll brennender Leidenschaft. Premiere hatte diese Wiedergabe am Freitag beim Stadtfest-Open-Air gefeiert (die OP berichtete); die dadurch gewonnene Vertrautheit mit dem Werk wirkte sich positiv auf die Aufführung am Dienstag im Audimax aus, wo, um nur einige Orchestermitglieder zu nennen, die Holzbläser und später die Streicher völlig entspannt zunächst lyrisch strömend, später hymnisch das herrliche Liebesthema aussingen durften.

SSO-Konzertmeister zwei Mal solistisch gefordert

Mit Ingo de Haas, dem Konzertmeister des Frankfurter Opernorchesters, hatten das SSO und Metzger den idealen Interpreten für Igor Strawinskys D-Dur-Violinkonzert gewonnen. Das 1931 im neoklassizistischen Stil komponierte Werk zeigt, wie der Exil-Russe Strawinsky sich fast schon parodistisch mit Denkweisen und Formen der Barockmusik auseinandersetzt – etwa dem Concerto-grosso-Prinzip.

Entsprechend kommen auch die Orchestermusiker solistisch zu Ehren, besonders eindringlich im finalen Capriccio, wo Ingo de Haas und der Konzertmeister des SSO Simon Schwarz ein langes Duett mit imitierendem Stimmenverlauf sangen. De Haas überzeugte in den Ecksätzen mit einer rhythmisch überaus präzisen und gleichzeitig von virtuoser Spiellaune geprägten Wiedergabe. Die beiden Aria-Mittelsätze musizierte er mit betörend sonorem Ton. Den Beifall, der ihm am Ende aus dem Auditorium entgegenbrandete, reichte de Haas mit einer sympathischen Geste an das SSO weiter.

Simon Schwarz war noch einmal solistisch gefordert: in der auch in anderen Arrangements populär gewordenen „Romanze“ aus der „Gadfly“-Suite von Dimitri Schostakowitsch. Mit samtigen Ton sang er die schwärmerische Kantilene, von sanften Hornklängen begleitet. Auch der Stimmführer der Cellisten erhielt ein wirkungsvolles Solo: Lars Pescara widmete sich eindringlich dem leidenschaftlichen Gesang des „Nocturne“.

25 Minuten Zugabe

Schostakowitsch hat seinen Soundtrack zum Film „Gadfly“ (Die Hornisse) 1955 komponiert. Was in den zwölf Stücken, die zu einer Konzertsuite zusammengefasst worden sind, zu hören ist, erinnert jedoch über weite Strecken eher an Musik der Spätromantik – mit Anklängen zum Beispiel an Tschaikowsky. Und dass die Handlung des Films während des Risorgimento, des italienischen Freiheitskampfes gegen die verhassten österreichischen Besatzer, spielt, fängt Schostakowitsch ebenfalls ein – etwa in dem turbulenten „Volksfest“ mit seinen Tarantella-Elementen, in dem das SSO mit seinem Faible für lautstark zugespitzte Filmmusik ganz in seinem Element war.

Wie es beim SSO Tradition ist, stammte auch die Zugabe aus der Welt des Kinos. Doch nach dem „Star-Trek“-Potpourri applaudierten die 600 Zuhörer derart heftig weiter, dass das SSO und Metzger noch einen draufsetzten: Bei „Pirates of the Carribean“ (Fluch der Karibik) ging dann so richtig die Post ab. Fast 25 Minuten Zugaben nach einem 90-minütigen Konzert – das gab es beim SSO lange nicht.

  • Das Semesterabschlusskonzert wird am Samstag im Audimax wiederholt. Beginn ist dann bereits um 18 Uhr.

von Michael Arndt

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