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Stromberg ist "Unisex-Kino"

Christoph Maria Herbst im Cineplex Stromberg ist "Unisex-Kino"

Der Große Saal des Cineplex war restlos ausverkauft: Hunderte Fans wollten Papa Stromberg Christoph Maria Herbst und Ernie Heisterkamp alias Bjarne Mädel live ­erleben. Lesen Sie ein ­Interview und einen ­Bericht vom Besuch.

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Das Cineplex nachts um halb ein: Christoph Maria Herbst alias Bernd Stromberg (von links), Bjarne Mädel alias Ernie Heisterkamp, Regisseur Arne Feldhusen und Schaupieler Prashant Prabhakar.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. OP: Herr Herbst, wir treffen uns jetzt zum zweiten Mal, weil ich nach dem ersten Interview-Termin mit Ihnen versehentlich die Tondatei gelöscht habe. In Strombergs Welt wäre ich jetzt wahrscheinlich der Bürotrottel. Was müsste ich befürchten?
Christoph Maria Herbst: Ich glaube, Sie hätten ab jetzt viel Freizeit.

OP: Ich wäre raus?
Herbst: Nicht gleich, vorher hätte Stromberg noch einen frauenfeindlichen Spruch für Sie parat. Irgendwas mit Frauen und Technik. Seien Sie also froh, dass Ihnen das mit mir und nicht mit Bernd passiert ist.

OP: Aber ist Stromberg nicht im Grunde seines Herzens ein sehr einsamer und auch emotionaler Charakter?
Herbst : Ja, ich glaube schon. Aber trotzdem ist Stromberg immer noch eine Komödie. Ich glaube, dass es in Deutschland mittlerweile möglich ist, eine Figur zu zeigen, die zwar unisono als Arschloch bezeichnet wird, mit der man sich aber trotzdem freut, wenn ihr mal etwas gelingt. Ich glaube, wir haben mit Stromberg eine Kluft geschlossen, weil solche Figuren im deutschen Fernsehen, wo doch alles sehr glattgebügelt ist, eigentlich nicht existieren.

OP: Wer glauben Sie, ist der typische Stromberg-Zuschauer?
Herbst: Stromberg ist im Grunde generationenübergreifend. Jugendliche zitieren gerne seine Sprüche. Zum Beispiel, dass man den Arsch nie höher hängen sollte, als man scheißen kann. Oder einen meiner Lieblingssätze: „Die Frau ist nicht gleich clever, nur weil sie scheiße aussieht.“ Und dann gibt es die älteren Herrschaften, die sich selbst in Stromberg wiedererkennen und denken, „Oh Gott, genauso bin ich zu meinen Angestellten ja auch“.

OP: Stromberg wird also durchaus ernst genommen?
Herbst: Auf jeden Fall. Wenn ich so etwas lese, dann bekomme ich auf meine alten Tage sogar noch ein Sendungsbewusstsein. Dann denke ich, dass wir fast ein bisschen aufklärerisch tätig sind, denn wir erzählen viel über Menschen und Hierarchien. Das ist auch ein Grund, warum wir mehr Fans als Zuschauer haben. Denn viele sagen, sie können sich das nicht auch noch ansehen, sie erleben das ja selbst den ganzen Tag.

„Eine Figur, nach der man sich die Finger leckt“

OP: Ich würde tippen, dass der Stromberg-Zuschauer auf jeden Fall mehrheitlich männlich ist?
Herbst: Zumindest sind wir am Anfang nicht so richtig an die Frauen rangekommen. Das hat sich aber geändert. Wir tragen diesem Umstand mit dem Kinofilm natürlich auch Rechnung, denn es ist schon ein Frauenfilm geworden. Wir sind emotional, wir werden romantisch, es spielen Kinder mit. Ich glaube, Stromberg ist ein Unisex-Kino.

OP: Hätten Sie am Anfang der Serie gedacht, dass sie so einen Erfolg haben würden?
Herbst: Nein, und ich hatte ehrlich gesagt gehofft, dass genau das nicht passiert. Ich wollte mir doch nicht ewig eine Halbglatze rasieren und mir diesen Kinderschänderbart stehen lassen. Doch zum Glück gab es dann doch noch eine zweite Staffel. Auch damals gab es schon Unterschriftensammlungen der Fans. Dann gab es eine dritte, vierte, fünfte und dann
besticht uns der Fan erneut mit einer Million Euro, damit wir bitte noch einen Kinofilm machen. Das ist schon unfassbar. Stromberg ist einfach eine Figur, nach der man sich als Schauspieler die Finger leckt. Ich bin sehr froh, dass ich damals für die Rolle doch noch ­zugesagt habe.

OP : Sie haben gezögert?
Herbst: Zunächst ja. Ich war ja derjenige, der immer gesagt hat, „Bürocomedy, wer will das denn sehen?“ Und auch Ralf Husmann, unser Autor und Produzent, fand zunächst alle Strombergs, die er gecastet hatte, schlecht. Ich hab ihm dann vorgeschlagen, er solle mich doch noch einmal einladen. Als wir das gemeinsam ausprobiert haben, hat es auf Anhieb so viel Spaß gemacht, dass ich dachte, ich bin ja doch nicht so ein Antitalent. Das erzählt übrigens auch sehr viel über mich. Man muss mich immer erst ein bisschen treten, denn ich bin in der Regel vorsichtig. Nach dem Motto, was ich nicht mache, das kann auch nicht durchfallen.

OP: Wie viel Stromberg stammt von Ihnen? Haben Sie den Charakter mitentwickelt?
Herbst: Eigentlich gar nicht. Wenn, dann nur durch mein Spiel. Alles, was ich mir vorher ausgedacht habe, wie er gehen könnte, welche Macken und ­Eigenarten er haben könnte, war am Ende eine riesige Hirnwichse. Stromberg lebt ja auch durch die anderen Figuren.

„Ich werde ein Leben nach Stromberg haben“

OP: Die Rolle Ihres Lebens?
Herbst: Ich bete zu Gott, dass es nicht meine Paraderolle ist und schon gar nicht mein Vermächtnis. Ich werde ein Leben nach Stromberg haben.

OP: Der Film ist auch das Ende der Serie. Sehen Sie das auch mit einem weinenden Auge?
Herbst: Mit anderthalb weinenden Augen. Ich sage auf keinen Fall leichtfertig Ade. Am letzten Drehtag lagen wir uns flennend wie die Schlosshunde in den Armen.

OP: Am Ende haben Sie sogar Außenminister Frank-Walter Steinmeier für eine kleine Rolle gewonnen. Wie kam es dazu?
Herbst: Wir hatten Sigmar Gabriel angefragt, doch er musste aus Termingründen absagen, und Steinmeier wollte es dann gleich machen. Der kann sich natürlich freuen, denn kurz danach ist er Außenminister geworden. Stromberg war für ihn ein echter Karrierekick.

Interview: Nora Lysk

Cieneplex Marburg, 21.Februar 2014 - Christoph Maria Herbst

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Machen weiter, wenn ihr uns mit Geld zwingt

Marburg. „Ich bin morgen Abend bei ,Wetten, dass...‘“, ruft Christoph Maria Herbst – ohne „Kinderschänderbart“ und mit kurz geschorenen Haaren – den jubelnden „Stromberg“-Fans im ausverkauften Großen Saal des Cineplex zu. „Drückt mir die Daumen, dass ich vor dreieinhalb Millionen Zuschauern nicht auf dem Sofa einschlafe.“

Herbst ist abgekämpft, aber man merkt es ihm nicht an. Am frühen Morgen war er noch in Zürich. Über Freiburg und Gießen haben Herbst, Bjarne Mädel alias Ernie Heisterkamp und Regisseur Arne Feldhusen den Weg nach Marburg gefunden. Und Prashant Prabhakar, der „Quoteninder“, war schon vorher da, hat einige Miss-Gewinnerinnen eingeladen, und ging danach im Mexikali feiern. 

Neun solcher Tour-Tage haben „der Bruce Willis der Quartalsberichte“ und das Team noch vor sich. Es muss geworben werden für eine schrille Komödie mit einer enormen Gag-Dichte, die es trotz großer Konkurrenz aus Hollywood vom Start weg auf Platz eins der deutschen ­Kinocharts geschafft hat.

Es ist weit nach Mitternacht, und doch nehmen sie sich Zeit für die Fans. Immerhin haben die eine Million Euro gesammelt, damit Produzent und Autor Ralf Husmann noch einen Film dreht. „Außerdem“, sagt Herbst im Gespräch mit der OP,  „werden wir auf einer Welle der Zuneigung getragen.“ Da spürt man keine Müdigkeit.

Zwar beteuert Herbst auf Fragen immer wieder, dass er mit Stromberg absolut nichts zu tun hat. Auf der Bühne des Cineplex aber weiß er, was von ihm erwartet wird. Stromberg pur: „Macht euch schon mal frei, ich komme gleich“, ruft er ins Publikum. „Stromberg“, das macht er klar, sei auserzählt, „aber wenn ihr uns mit Geld zwingt, machen wir natürlich weiter“. Nein, entgegnet er auf eine Frage, so krank könne man gar nicht sein, dass man die Texte improvisiere. Dafür gebe es Kranke wie den Autor Ralf Husmann, der denke sich so etwas aus.
Bjarne Mädel ist froh, nach zehn Jahren Abstand von der Rolle zu bekommen. Er drehe jetzt neue Folgen „Mord mit Aussicht“, wolle aber künftig „mehr Kino machen, jawohl“, sagt er im treuesten Ernie-Ton.

von Uwe Baduin

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