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Stimmenzauber mit klarem Klang

Junge Kantorei Stimmenzauber mit klarem Klang

Am vierten Advent bereicherte die Junge Kantorei das vorweihnachtliche Musikprogramm in ­Marburg. 300 Besucher lauschten fasziniert Chor, Orchester und Solisten, um sie am Ende mit viel Applaus zu feiern.

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Dirigent Jonathan Hofmann brillierte mit der Jungen Kantorei in der Kirche St. Peter und Paul.

Quelle: Helmut Rottmann

Marburg. Ein ausgewählt schönes Programm hatten die etwa 80 Choristen der Jungen Kantorei und die knapp 20 Instrumentalisten des Barockorchesters der Jungen Kantorei unter dem Dirigat von Jonathan Hofmann einstudiert: Zwei Magnifikats von Vivaldi und Zelenka umrahmten zwei im Zentrum stehende Kantaten zum vierten Advent von Bach und Homilius.

Chor und Orchester hatten Kraft und Elan – vom Anfang bis Ende, ohne dabei die besinnlichen Momente zu vernachlässigen. Gleich bei Vivaldis „Magnifikat“ präsentierte sich der Chor mit schönen Stimmen in ausgewogenem Klang, mit Gefühl für weiche Tongebung, für bruchloses An- und Abschwellen der Lautstärke, mit klaren Modulationen und chromatischen Abstufungen, mit guter Aussprache, deutlicher Textvermittlung und empfindsamer Textausdeutung. Kleine rhythmische Schwankungen im Unisono und Unebenheiten beim Einsatz trübten auch in späteren Werken kaum den positiven Gesamteindruck.

Die Kantaten von Bach und Homilius, beide betörend schöne Werke, klangen frisch in ausgewogener Choralhomophonie. Zelenkas abschließendes „Magnifikat“ erzeugte ein Wechselbad der Gefühle mit Gänsehauteffekt: Dem druckvollen Auftakt folgte der Stimmenzauber des Chores und der Vokalsolisten zum fein strukturierten, transparenten Orchesterklang mit exzellenten Soli, um in ein begeisterndes „Amen“ zu münden – mit fugiertem Verlauf und mit ungewöhnlicher Strahlkraft der Stimmen und der Trompeten.

Barockorchester bietet klasse Vorstellung

Die vier Vokalsolisten sangen mit frischen Stimmen, mit Leidenschaft und großem Einfühlungsvermögen, insbesondere im Duett. Vanessa Diny gefiel – bis auf einen kurzen Blackout – mit schlankem und reinem Sopran. Vanessa Katz überzeugte mit ausgewogenen, weich und geschmeidig klingenden Alt und mit einfühlsamen Momenten im Dialog mit der zauberhaft gespielten Solovioline. Der Tenor Steffen Schwendner punktete mit heller, klarer Stimme und sicherer Textausdeutung. Timon Führs runder und warm fließender Bass mit Durchsetzungskraft und dezentem Timbre begeisterte.

Klasse war das Barockorchesters der Jungen Kantorei. Es musizierte mit feinem Ton, mit Geschmeidigkeit in Tempi und Dynamik, bereicherte den Stimmenzauber des Chors mit transparentem Orchesterklang. Es spielte klug, mit Elan und Esprit, besonders die Solistinnen der Oboe und der Violine.

Der 29-jährige Jonathan Hofmann, der seit gut einem Jahr die Junge Kantorei aus Frankfurt, Heidelberg und Marburg führt, dirigierte weich, flüssig, leicht federnd, umsichtig und präzise. Unter ihm hat der Chor fast alles richtig gemacht. Nur einen Fehler sollte die Junge Kantorei nicht wiederholen: Das Marburger Publikum gut zehn Jahre auf das nächste Konzert warten lassen.

von Helmut Rottmann

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