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Publikum feiert Laienmusiker stürmisch

Stadtallendorfer Kulturtage Publikum feiert Laienmusiker stürmisch

Das Collegium musicum Stadtallendorf bot bei den 25. Kunst- und Kulturtagen ein mitreißendes Konzert, das den Zuhörern noch lange im Gedächtnis bleiben dürfte.

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Solist beim Klarinettenkonzert in A-Dur von Mozart war Hajo Willimzcik. Links ist der Geiger Georgi Kalaidjiev, der musikalische Leiter des Collegium musicum, zu sehen.

Quelle: Manfred Schubert

Stadtallendorf. Begeisterter Applaus und Bravo-Rufe erklangen am Sonntagabend mehr als einmal in der Stadtallendorfer Stadthalle. Am Ende gab es stehende Ovationen von den 300 Besuchern, die das beeindruckende Konzert des Collegium musicum Stadtallendorf miterlebt hatten. Und natürlich eine Zugabe.

Noch einmal spielte das normalerweise 20-köpfige Streichorchester, dass sich für die besonderen Werke an diesem Abend um die Bläser des Philharmonischen Orchesters der Stadt Gießen sowie einige Aushilfen auf insgesamt 45 Musiker verstärkt hatte, den ersten Satz aus Ludwig van Beethovens 5. Sinfonie mit dem berühmten Schicksalsmotiv. Präzise, mitreißend und kraftvoll, eben so, wie man sich die Umsetzung dieses Teiles eines der bekanntesten Werke der Musikliteratur vorstellt.

Mitreißendes Allegro betont Dramatik

Auch der zweite Satz wurde von weichen Streichern und brillanten Trompeten unter der dezenten Führung des musikalischen Leiters Georgi Kalaidjiev mit gut ausgearbeiteter Dynamik präsentiert. Eine besondere Herausforderung war es, das Stück ohne Dirigenten zu spielen. Von der ersten Geige aus, bei Gelegenheit mit dem Bogen, meist nur per Augenkontakt zeigte Kalaidjiev die Einsätze an, umso beeindruckender war es, da diese exakt saßen.

In der Steigerung zum mitreißenden Allegro des dritten Satzes kam die Dramatik des Werkes voll zur Geltung, der schöne Dialog zwischen Streichern und Bläsern gegen Schluss vollendete ein, auch dank der guten Akustik der Stadthalle, erhebendes Klangerlebnis.

Mit diesem gewichtigen Hauptwerk des Konzertabends hatte sich das Collegium musicum eine nicht gerade niedrige Messlatte zur Eröffnung des musikalischen Teils der 25. Stadtallendorfer Kunst- und Kulturtage aufgelegt. Aber auch der erste Teil des über zweistündigen Programms war nicht nur anspruchsvoll, sondern erfreute mit seiner gelungenen Umsetzung das Auditorium.

Hervorragende Zusammenspiel

Beim Eröffnungsstück, dem Andante aus Pjotr Iljitsch Tschaikowskis einzigem Violinkonzert (D-Dur op. 35), übernahm Georgi Kalaidjiev die Rolle des Solisten. Sehr gefühlvoll und warm ließ er seine Geige zu diesem bewegenden Auftakt erklingen.

Im Gegensatz zu diesem etwas wehmütigen Werk der Romantik stand das folgende Konzert in A-Dur KV 622 für Klarinette und Orchester von Wolfgang Amadeus Mozart. Heiter jubilierte die Klarinette des Solisten Hajo Willimzcik von der Staatskapelle Schwerin im ersten Satz, nach dem langsamen Mittelteil folgte das tänzerische Rondo, bei dem das hervorragende Zusammenspiel zwischen Klarinette und Orchester voll zur Geltung kam. Der stürmische Beifall wurde mit einer Zugabe belohnt, die aus einem traditionellen ungarischen Csardas mit dem Titel Grastuno Bal, übersetzt „Pferdehaar“, bestand, der stark an Klezmer-Musik erinnerte.

Angemerkt sei an dieser Stelle eine weitere Besonderheit des Orchesters: Die jüngsten Musiker des Collegium musicum Stadtallendorf sind 16, zwei aber schon 83 Jahre alt.

von Manfred Schubert

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