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Ein Abend der festlichen Barockmusik

Startrompeter Ludwig Güttler Ein Abend der festlichen Barockmusik

„Festliches Barock“ stand in der Elisabethkirche auf dem Programm. Startrompeter Ludwig Güttler und das Leipziger Bach-Collegium entführten 330 Zuhörer in diese Epoche.

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Startrompeter Ludwig Güttler (links) gastierte mit dem Leipziger Bach-Collegium in der Marburger Elisabethkirche.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Das erfolgreiche ­Ensemble mit dem Startrompeter Ludwig Güttler an der Spitze konzentrierte sich bei dem Konzert vor allem auf Werke des 17. und 18. Jahrhunderts. Dabei stellten die Musiker die historischen Spielweisen der heute­ ­gebräuchlichen Instrumente heraus und näherten sich damit in ihrer Technik der Epoche des Barocks an.

Die Gestaltung des Programms spiegelte die musikalische Vielfalt dieser Epoche wider.­ ­Neben bekannten barocken Komponisten wie Georg Philipp ­Telemann, Antonio Vivaldi oder Johann ­Sebastian Bach, fand sich darin auch Johann Christian Bach, der als Sohn Johann Sebastians eigentlich ein Vertreter der Vorklassik ist.

Das Ensemble begann mit Gottfried Fingers „Sonate Nr.1 C-Dur für Trompete, Oboe und Basso continuo“. Das im Andante enthaltene charakteristische Wechselspiel setzten Ludwig Güttler an der Trompete und Frank Sonnabend an der Oboe beispielhaft um.

Die ausdifferenzierten Impulse der Trompete übernahm die Oboe gleichermaßen und spielte die Töne gezielt aus. Der Basso continuo, gespielt von Friedrich Kircheis am Cembalo und Slawomir Rozlach am Kontrabass, unterstützte die Melodiestimmen konstant und gab das Tempo bestimmt aber nicht durchdringend an.

Exakte Abstimmung von Flöte und Oboe

Im ruhigen Adagio bewies Frank Sonnabend sein Gespür für die historische Spielpraxis und spielte mit kleinen dynamischen Steigerungen auf den längeren Tönen. Im Grave-Allegro zeigte sich das harmonische Zusammenspiel des Ensembles, in dem sich das Trompetenspiel sanft gegenüber der Oboe zurücknimmt. Die komplexen Phrasierungen in den Melodiestimmen stechen dort heraus, fügen sich dennoch in den ­Gesamtklang ein.

Mit Georg Philipp Telemanns „Quartett e-Moll für Flöte, Violine, Violoncello und Basso continuo“ hörte das Publikum eine­ andere Facette des Leipziger Bach-Collegiums. Im verspielten „Gay“ stellte die Violine, gespielt von Roland Straumer, den Tanzcharakter des Stückes heraus und rückte so den Programmtitel „festliches Barock“ gelungen in den Vordergrund. Den melodischen Wiederholungen verliehen Straumer und Karl-Heinz Passin an der Flöte Spannung, die sich kontinuierlich steigerte und die Hörer mitnahm.

Beim von Johann Christian­ Bach komponierten „Quintett A-Dur op. 11 Nr. 5 für Flöte, Oboe, Violine, Violoncello und basso continuo“ bewiesen Flöte­ und Oboe ihre exakte Abstimmung. Die hervortretenden ­Melodien im (bewegten) Allegretto fügten sich fließend in das Spiel des Ensembles ein. Anschwellende Klänge der Oboe und der Flöte lösten sich in punktuelle Echos im Piano auf und sorgten so für ein ausgewogenes Klangerlebnis.

Die Wiederentdeckung eines Instruments

Karl-Heinz Passin zeigte seine Qualität im Spielen komplexer Läufe, die trotz Stakkato-Spielweise einen sanften Klang erzeugten. Das Tempo di Menuetto wies auch dort ein exzellent gespieltes Bläsermotiv auf. Die Musiker betonten jeden neuen melodischen Ansatz kraftvoller und bewiesen damit erneut ihre intensive Auseinandersetzung mit historischen Spielpraktiken.

Das letzte Stück des Abends, Johann Joachim Quantz‘ „Concerto Es-Dur für Corno da caccia, Oboe, Violine und Basso continuo“ konnte mit einem außergewöhnlichen Instrument überzeugen. Das Corno da caccia (Jagdhorn) hat durch Ludwig Güttler seinen Weg zurück in die Konzertsäle gefunden.

Der inzwischen 74-Jährige stellte den Facettenreichtum des Instrumentes vor und verlieh dem Ensemble durch seine Durchschlagskraft wieder einen anderen, ungewöhnlichen Klang. Der zunächst sehr dominant wirkende Effekt des Corno da caccia wurde durch subito-piano-Sequenzen, also „plötzlich ruhige“ Passagen durchbrochen und passte sich damit an die Klänge des Ensembles stimmig an.

Das Publikum der Elisabethkirche zeigte sich von der virtuosen Leistung Ludwig Güttlers und des von ihm gegründeten Leipziger Bach-Collegiums begeistert und verabschiedete das Ensemble nach zwei Zugaben mit viel Applaus und stehende Ovationen.

von Luisa Göhler

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