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Starke Texte, schwache Stimme

Funny van Dannen im KFZ Starke Texte, schwache Stimme

Mit seinem 14. Album im Gepäck machte der 58-jährige Liedermacher im KFZ Halt und sang vor 250 Zuschauern alte und neue Songs.

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Liedermacher Funny van Dannen spielte vor 250 Zuschauern im KFZ.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Für Nicht-Kenner seines Gesamtwerks hat Funny van Dannen, der an der deutsch-niederländischen Grenze aufwuchs, mit „Come on“ tatsächlich etwas zu bieten – textlichen Ideenreichtum. Das wird beim Song „Latente Homosexualität“ deutlich.

Van Dannen, der einst selbst vor dem Sprung in den Profifußball stand, polemisiert mit Augenzwinkern gegen Machotum in der vermeintlichen Männerdomäne. Laut ihm seien Fußballmannschaften eine Art „Vorhang“, hinter dem sich Männer begrapschen und betatschen.

Ähnlich erfrischend ist auch die Personifizierung des Autos des Wahl-Berliners bei „Nuttenauto“ – ein Song von 2005. Viele Zuhörer singen begeistert mit. So wirft van Dannens fahrbarer Untersatz ihm vor: „Du brauchst mich ja nur zum Getränke holen / Das füllt mich einfach nicht aus.“ Wenn das Gefährt eigenmächtig auf dem „Straßenstrich“ hält und sich „Fremden zu einer Spritztour“ anbietet, zeugt das von van Dannens einstiger Kreativität.

Wenige Überraschungen

Doch von der ist auf „Come on“ nur selten etwas zu spüren. Der Großteil der Songtexte wartet selten mit Überraschungen auf und serviert kaum Aha-Erlebnisse. Vor allem der Versuch, beim Song „Wir Deutschen“ den angeblich kleinkarierten, spießbürgerlichen und unterschwellig nationalistischen Charakter­ der deutschen Mentalität zu entlarven, bleibt blass und wirkt erzwungen.

Auch die Melodien, die van Dannen zweifellos vorzüglich auf seiner Akustikgitarre beherrscht, wirken über die gesamte Spieldauer von fast zwei Stunden äußerst eintönig, unterscheiden sich selten von ­älteren Songs. Doch anscheinend funktioniert die alte Leier immer noch prächtig. Die 250 Zuschauer sind entzückt. Nur wenn der Wahl-Berliner die Mundharmonika auspackt und sich als Multiinstrumentalist offenbart, kommt Abwechslung und Farbe ins Musikspiel. Das passiert allerdings zu selten.

Dass van Dannen ein Meister des dissonanten Gesangs ist, ist keine Neuigkeit. Das erinnert bisweilen an den Entertainer Helge Schneider. Doch van Dannen hat weder dessen improvisatorisches Unterhaltungstalent, noch Schneiders musikalische Brillanz. Über ­seine stimmlichen Mängel versucht er mit dem Song „Schön singen“ hinwegzutäuschen. Denn angeblich beneide ihn ­jeder Mitmensch um seine großartige Stimme.

Derartige Selbstironie ist zu begrüßen, wird von den Fans mit Gejohle honoriert und zieht die Sympathien unbestreitbar auf van Dannens Seite. Aller­dings maskiert sie nicht die ­wenig beeindruckende Stimme.

Eine musikalische Evolution ist „Come on“ also nicht. Vieles ist vorhersehbar – vor allem die Witze. Nach 14 Alben scheinen dem 58-Jährigen die Ideen auszugehen und zu oft verkommt der satirische Anspruch zum ­ulkigen und urigen Zelebrieren begrenzter Fantasie.

von Benjamin Kaiser

 
 
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