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Stargeiger im Möbelgeschäft

Michel Gershwin spielte im Güterbahnhof 12 Stargeiger im Möbelgeschäft

In einem außergewöhn­lichen Ambiente gastierte der weltberühmte Geiger Michel Gershwin mit ­einem Streichquartett: Am Samstagabend spielte er im Möbelgeschäft ­Güterbahnhof 12.

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Das Michel-Gershwin-Quartett spielte im Güterbahnhof 12.

Quelle: Nigar Ghasimi

Marburg. Zwischen bunten Mobiles, Wanduhren und Porzellanschweinchen lauschte das zahlreich erschienene Publikum inmitten der Designermöbel der Musik. Michel Gershwin, ein Nachfahre des berühmten Komponisten George Gershwin und Namensgeber des international konzertierenden Gershwin-Quartetts, spielte an diesem Abend die erste Geige.

Komplettiert wurde das Quartett von der Geigerin Natalia Raithel, der Marburger Bratschistin Svetlana Urintsova sowie dem Cellisten Un Lee, einem Schüler der renommierten Cellistin Natalia Gutmann. Das Konzert kam durch das Engagement der Marburger Musikschullehrerin Svetlana Urintsova zustande.

Von Mozarts bekannten „Drei Divertimenti“ über Antonin Dvoraks „Quartet No. 6“ und Franz Schuberts „Quartett No. 2“, das der Komponist selbst als einziges seiner Werke noch aufgeführt erleben durfte, bis hin zu den Duetten Charles-Auguste de Beriots wurden dem Publikum „Meisterwerke für Streicher“ in höchster Qualität geboten.

Genussvoller, humoriger Vortrag

Bereits im dritten Satz von Mozarts Divertimenti, mit dem das Quartett begann, wurden die Zuhörer mit dem einleitenden und immer wiederkehrenden Staccato mitgerissen: Man sah Köpfe, die im Rhythmus nickten, Füße, die im Takt den Boden berührten. Spätestens mit diesem lebhaften dritten Satz war die Verbindung zwischen Streichern und Publikum geschaffen. „Das Publikum war fantastisch“, sagte Gershwin nach dem Konzert. „Dadurch war eine sehr starke Energie im Raum.“

Eine starke Energie war auch zu spüren, als Gershwin und Natalia Raithel ein Duett in Dur des berüchtigten belgischen Geigers und Komponisten Charles-Auguste de Beriot, einem Konkurrenten Paganinis, spielten. Das ohnehin schon begeisterte Publikum, wurde nun noch mehr in Staunen versetzt, als die beiden Geiger mit hochexpressiver Energie zu spielen begannen.

Die ungarischen Tänze des Komponisten Brahms wurden nicht nur genussvoll, sondern auch mit viel Humor von den Musikern vorgetragen. Die sichtbare Freude, die sie selbst beim Spiel hatten, floss mit jedem Bogenstrich auch auf die Zuschauer über. Vor allem die Modulationen machten die kreative Raffinesse der Künstler deutlich.

Dvoráks Quartett in F-Dur brachte Übersee nach Marburg. Inspiriert von seinen Amerika-Reisen komponierte er dieses Quartett, in dem das ein oder andere amerikanische Motiv herauszuhören ist. Geschrieben hat er es in einer tschechischen Siedlung in Iowa, wo der Komponist sich der Vielfalt der erdverbundenen, folkloristischen aber auch filigranen Töne widmete.

Besonders das Wechselspiel zwischen den hohen Pizzicati der beiden Geigen und den spannungsgeladenen, vollen Bögen des Cello verschaffte eine große Tiefe, in die sich die Zuschauer ergaben. Am Ende dieses Satzes hätte man eine Stecknadel fallen gehört. Ein inspiriertes, glückliches und gut gelauntes Publikum verließ den Güterbahnhof 12.

Michel Gershwin konzertierte am Sonntagvormittag mit seinem Quartett außerdem im Konzertsaal der Musikschule Marburg. Zudem gab der Stargeiger von Freitag bis Montag einen komplett ausgebuchten Meisterkurs für Schülerinnen und Schüler der Musikschule.

von Nigar Ghasimi

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