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Star-Trompeter musiziert als Erster unter Gleichen

Ludwig Güttler Star-Trompeter musiziert als Erster unter Gleichen

Kein anderer Klassik-Weltstar hat so oft in Marburg und Umgebung musiziert wie der Trompeter Ludwig Güttler. Auch diesmal waren schon lange vor dem Konzert keine Karten mehr zu bekommen.

Marburg. Samstagnachmittag, Viertel vor fünf: Die Menschenschlange vor dem Hauptportal der Elisabethkirche reicht zurück bis zum Firmaneiplatz. Alle, die Einlass begehren, haben bereits Karten. Sie müssen sich dennoch in Geduld üben, was wegen der Minusgrade und des eiskalten Windes, der um die Kirchenmauern pfeift, schwer fällt. Denn der Konzertveranstalter hat nur einen einzigen Kartenkontrolleur eingesetzt, der gleichzeitig als Platzanweiser fungiert. Aber wer Ludwig Güttler hören will, nimmt das gern in Kauf.

Der Dresdner Star-Trompeter hat in Marburg und Umgebung eine riesige Fangemeinde. Seit den 80er Jahren ist er dort regelmäßig zu Gast - sei’s in der Stiftskirche Wetter, beim Marburger Konzertverein oder in der Elisabethkirche. Und jedes Mal vermelden die Veranstalter: ausverkauft! Mehr als 500 Musikfreunde füllten auch diesmal Marburgs größte Kirche, um den zielstrebig auf die 70 zusteuernden Meister zu hören.

Dabei stand er am Samstag gar nicht im Mittelpunkt, sondern musizierte mit den sechs Musikern des 1976 von ihm gegründeten Leipziger Bach-Collegiums als Primus inter pares - als Erster unter Gleichen. Das wurde deutlich bereits in Gottfried Fingers C-Dur-Sonate, wo Güttlers nach wie vor mühelos strahlender und unverwechselbarer Trompetenklang ideal harmonierte mit dem elegischen Ton, den Bernd Schober aus seiner Oboe hervorzauberte.

Exzellentes Zusammenspiel

Der Solo-Oboist der Staatskapelle Dresden und des Bayreuther Festspielorchesters ließ auch im weiteren Programm immer wieder aufhorchen: im feinsinnig aufeinander abgestimmten Zusammenspiel mit dem Leipziger Gewandhaus-Flötisten Karl-Heinz Passin, Gründungsmitglied des Bach-Collegiums, aber auch mit betörend singenden Soli - so in Antonio Vivaldis von der Sonne Italiens durchglühtem g-Moll-Concerto, in Johann Christian Bachs Mozart vorwegnehmendem A-Dur-Quintett und im C-Dur-Concerto von Georg Philipp Telemann, wo erneut Güttler auf der hohen Trompete brillierte.

Im Werk eines anonymen Komponisten ließ Güttler das von ihm neu entwickelte Corno da caccia (Jagdhorn) erklingen und bewies trotz kleiner Anlaufschwierigkeiten: Er ist noch immer die unangefochtene Nummer eins auf diesem Instrument, das das weiche Timbre des Waldhorns mit dem kernigen Klang der Trompete verbindet.

Passin widmete sich gemeinsam mit dem Geiger Roland Straumer, Konzertmeister der Staatskapelle Dresden, und dem Solocellisten des MDR-Sinfonieorchesters Michael Pfaender kammermusikalisch diskret und spannungsvoll akzentuiert zugleich dem Fantasiereichtum von Telemanns erstem „Pariser Quartett“ und Johann Sebastian Bachs G-Dur-Triosonate.

In allen Werken konnten sich die fünf Solisten hundertprozentig verlassen auf das Bassfundament des Continuo-Duos mit dem Gewandhaus-Kontrabassisten Slawomir Rozlach und dem Cembalisten Friedrich Kircheis, der Güttler sonst auf der Orgel der ideale Partner ist. Die Güttler-Fangemeinde dankte mit herzlichem Applaus und freute sich über zwei Zugaben des gesamten Ensembles.

von Michael Arndt

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