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Star-Orgelbauer beliefert Fernost

Firma Woehl Star-Orgelbauer beliefert Fernost

Die Orgeln von Orgelbauer Gerald Woehl und seinem Team stehen überall in der Welt verteilt. Nun gibt es auch eine Konzertsaalorgel in Südkorea.

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Der Marburger Orgelbauer Claudius May-Woehl bläst zum Testen einen Ton aus einer Labialpfeife.

Quelle: Yannic Bakhtari

Marburg. Claudius May-Woehl bläst in eine Labialpfeife (Lippenpfeife) und zeigt eine Zungenpfeife. „Vorne an der Öffnung kann man reinblasen, und der Luftstrom bringt ein kleines Blättchen, die Zunge eben, zum Schwingen. Das zeigt dann den Ton. Eigentlich gar nicht so kompliziert. In der fertigen Orgel bläst natürlich keiner mehr in die Pfeifen, da kommt die Luftzufuhr über Blasebälge“, erklärt May-Woehl.

Heutzutage erfolgt dies elektrisch, doch früher gab es noch einen eigenen Beruf dafür, nämlich den des Bälgetreters oder auch Kalkants. Für große Orgeln brauchte es da schon mal fünf Kalkanten. Das Prinzip der Zungenpfeifen sei auch nicht so schwer, weil sie „im Prinzip wie Oboen, Klarinetten und Saxophone funktionieren“, sagt May-Woehl.

Orgel wird in vier 
Schiffs-Container verpackt

2500 Pfeifen, darunter Prospekt-Pfeifen (sichtbare) und Innenpfeifen, sowie natürlich der Orgel-Rohbau im Wert von 45.000 Euro verteilen sich auf insgesamt vier Schiffs-Container. Drei Container haben am 4. August ihre 34-tägige Reise über den Hamburger Hafen nach Ostasien schon angetreten. In einem vierten Container werden noch die Innenpfeifen verschickt, die sich derzeit in der Anfertigung befinden.

Doch wie kam es dazu, dass eine Marburger Orgel in Fernost nachgefragt wird? Viele Südkoreaner lernen das Orgelspiel in Deutschland und Frankreich, den wichtigsten Ländern für Orgeln. So wurde auch die Südkoreanerin in der Bundesrepublik zur Organistin ausgebildet, die den Bauauftrag für die Woehl-Orgel gab. Das neue Orgel-Zuhause ist in Incheon, der Hafen- und Industriestadt an der Nordwestküste Südkoreas und drittgrößten Stadt des Landes.

Doch warum ausgerechnet eine Woehl-Orgel, wenn es doch zwar nicht so viele, aber auch andere Orgelbauer gibt? Ganz einfach: Die Organistin gewann in Bad Homburg einen Preis – auf einer Woehl-Orgel. Da sei es für sie klar gewesen, sich ein verwandtes Instrument aus derselben Orgelbau-Werkstatt ins eigene Land zu holen.

Am Anfang stehen
 immer Zeichnungen

Zudem genießen die Marburger ein besonderes Renommee, hat Werkstatt-Chef und Firmen-Gründer Gerald Woehl es doch geschafft, den Begriff „Woehl-Schule“ zu prägen – trotz fehlender Werbung. Modern und minimalistisch im Prospekt mit vielen, sichtbaren Pfeifen sind das Aushängeschild von Woehls Instrumenten.

Am Anfang einer neuen Orgel stehen immer Zeichnungen, auch technische. Das Design wird besprochen und alles auf den späteren Standort des Instruments abgestimmt. Bei der koreanischen Orgel hat das zwei Monate in Anspruch genommen. Erst dann beginnt der eigentliche Bau, der bei der Fernost-Orgel länger als ein halbes Jahr dauert: Jeder der aktuell zehn Mitarbeiter widmet sich seinem Spezialgebiet.

Abschließend kommen Überprüfungen und in jenem Fall zwei bis drei Monate „klangliche Arbeiten vor Ort“, wie Woehl erklärte. Doch verschnaufen könne man nicht, es werden sowieso immer drei Orgel-Projekte gleichzeitig betreut.

von Yannic Bakhtari

 
Das Orgel-Register wird vor dem Einbau überprüft. Foto: Yannic Bakhtari
 
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