Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Standing Ovations für großen Künstler

Konstantin Wecker Standing Ovations für großen Künstler

Was für ein tolles Konzert: Fast drei Stunden Musik, ein kluger Mix aus poetischen und politischen Liedern, acht Zugaben und minutenlange Standing Ovations. 1000 Fans feierten Konstantin Wecker.

Voriger Artikel
Ein Traum für kleine Mädchen
Nächster Artikel
Tatsachen, Luftpumpen und Schwerter

Geliebter Komponist,
Dichter, Liedermacher: Konstantin Wecker.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Konstantin Wecker hat treue Fans. Und sie lieben ihn, den Mann mit den vielen Talenten. Anders ist der Applaus, der gleich zu beginn durch die seit Wochen ausverkaufte Marburger Stadthalle brandet, gar nicht zu erklären.Jedes Lied wird frenetisch beklatsch - und am Ende hält es keinen mehr auf den Sitzen.

Fast drei Stunden lang steht Wecker auf der Bühne. Ironisch besingt er „Das Lächeln meiner Kanzlerin“, präsentiert Songs aus den 70ern, „aus einer Zeit, als meine Lieder noch im Radio gespielt wurden“, er singt von Liebe und Genuss, von den Gefahren durch die neuen Nazis, der Gier der Milliardäre. „Vor 40 Jahren bin ich angetreten, die Welt mit meinen Liedern zu verändern. Wenn ich mir die Welt heute so anschaue: Ich war’s nicht.“

Seit mehr als 40 Jahren steht er auf der Bühne und träumt von einer Utopie, von einer friedlichen, gerechten Welt. Er singt eigene Songs, vertonte Gedichte von Bertolt Brecht und Georg Kreisler, Lieder von Jacques Brel. „Je älter ich werde, desto zurückhaltender verhalten sich die Musen“, hat Konstantin Wecker kürzlich in einem Interview gesagt. Dann kann er so alt eigentlich nicht sein, denn das, was er am Samstag in Marburg bot, war ganz und gar nicht das Abbild eines alternden Stars.

65 Jahre alt ist Konstantin Wecker im Sommer geworden. 41 Alben hat er veröffentlicht, 16 Musicals hat er vertont, die Musik zu 41 Filmen geschrieben, 23 Bücher veröffentlicht und in 50 Filmen mitgespielt - von peinlichen Sexfilmchen als junger Mann bis zum hochgelobten Spielfilm „Wer früher stirbt ist länger tot“ aus dem Jahr 2006.

Es ist ein unglaublich umfangreiches und vielseitiges Lebenswerk. Im Grunde aber ist Konstantin Wecker ein Komponist und Dichter. Im angloamerikanischen Sprachraum nennt man solche Künstler Singer/Songwriter, in Deutschland hat man dafür einen schlichteren Begriff: Liedermacher.

Das Wort strahlt etwas Solides, Handwerkliches aus, trifft sehr gut das, was Wecker seit den friedensbewegten 70er und 80er Jahren macht. Musik ist - neben allem Genie, schließlich eine Sache des Handwerks. Und Wecker ist ein guter „Handwerker“, ein ausgezeichneter Pianist, ein guter Sänger und einfühlsamer Songschreiber. Begleitet wird er in Marburg von drei tollen Musikern: Der zurückhaltende Däne Nils Tuxen ist ein herausragender Pedal-Steel-Gitarrist, der mit allem Musik macht, was Saiten hat. Der junge Percussionist Tim Neuhaus ist ein Könner am Schlagzeug und allem, mit dem man Rhythmen macht. Und Pianist Johannes Barnikel begleitet Wecker schon seit 20 Jahren mit Klavier, Akkordeon oder Trompete. Sie sind längst ein kongeniales Paar. Für Wecker ist Jo Barnickel der Beste an den 88 Tasten. Sie alle sind virtuose Musiker, die souverän mehrere Instrumente spielen und ebenso locker zwischen Stilen Wechsel: Pop, Jazz, Flamenco, Latin, Reggae. Kein Problem für das Quartett auf der Bühne, das auch durch den tosenden Applaus von Minute zu Minute lockerer wird und am Ende grandiose Klangteppiche erzeugt.

Am Ende verneigt sich die Band vor dem Publikum und das Publikum vor Wecker und seinen Begleitern. Es war für alle ein großartiger Abend.

von Uwe Badouin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr