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Standing Ovations für drei Pianisten

Konzertverein Standing Ovations für drei Pianisten

Drei Klavierkonzerte mit drei Pianisten erlebt man nicht alle Tage. Vielseitig, sehr unterschiedlich und technisch äußerst versiert präsentierten sich Alexander und Viktor Urvalov sowie Wolfgang Manz.

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Der russische Pianist Alexander Urvalov eröffnet am Sonntag als einer von drei Pianisten den ­Klavierabend des Konzertvereins.Foto: Michael Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Das Vater-Sohn-Gespann Alexander und Viktor Urvalov ist durch zahlreiche Auftritte im Konzertsaal des Musikwissenschaftlichen Instituts in Marburg wohlbekannt. Hinzu kam für das Konzert am Sonntagabend beim Konzertverein Wolfgang Manz, bei dem Viktor Urvalov an der Hochschule für Musik in Nürnberg studiert.

Drei Pianisten, drei Klavierkonzerte - und der Abend hielt, was er versprochen hatte. Mit flinken Läufen, kraftvollen, melodischen Passagen und viel Gefühl - gerade in den ruhigeren Sätzen - begeisterte der Abend das Publikum, dessen Applaus sich nach jedem Werk steigerte und schlussendlich mit Standing Ovations endete.

Keineswegs unterschlagen darf man dabei das hierzulande kaum bekannte Philharmonische Kammerorchester Wernigerode (PKOW). Obwohl die einzelnen Stimmen dünn besetzt waren - gerade einmal drei Cellisten saßen auf dem Podium - bewies das Orchester unter Dirigent Christian Fitzners engagierter Leitung eine hohe und flexible Spielkultur. Es war erstaunlich, wie kraftvoll und ­vielseitig sich das PKOW präsentierte. Die Musiker passten sich den verschiedenen Stimmungen der Werke ebenso schnell an wie den drei Pianisten.

Die Pianisten hatten sich für den Abend drei wunderschöne Werke ausgesucht. Unter anderem Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1. Nikolai Rubinstein, der große russische Virtuose des 19. Jahrhunderts, lehnte es seinerzeit ab, das Konzert zu spielen. Es sei schlecht, trivial und vulgär. Kaum zu glauben. Heute erfreut sich dieses Konzert großer Beliebtheit - nicht erst seit der Verwendung einer Passage in einer Joghurt-Werbung.

Der 26-jährige Viktor Urvalov meisterte dieses anspruchsvolle Werk hervorragend. Wer einen Blick auf die Klaviatur hatte konnte staunen, wie Viktor Urvalovs lange Finger über die Klaviatur flitzten. Oft aber wirkte der junge Pianist ein wenig zu angestrengt. So klang das Zusammenspiel mit dem Orchester nicht ganz so harmonisch wie zuvor bei seinem Vater Alexander Urvalov oder seinem Lehrer Wolfgang Manz.

Wolfgang Manz interpretierte das Klavierkonzert Nr. 2 von Schostakowitsch mit genau jener Frische und wunderbaren Leichtigkeit, für die das Stück bekannt ist, das Schostakowitsch für seinen Sohn Maxim schrieb. Das Spiel des Ausnahmepianisten Manz war schnell und spritzig, dabei stets klar und deutlich.

In diesem Werk zeigte sich auch die Stärke des PKOW. Die rhythmischen Verschiebungen und Synkopen waren grandios herausgearbeitet. Schade, dass das Orchester und der Dirigent durch den hochstehenden Flügeldeckel so versteckt blieben.

Zu Beginn des Konzertes faszinierte Alexander Urvalov mit dem Klavierkonzert Nr. 2 von Rachmaninow. Locker saß der Pianist am Flügel, spielte scheinbar mühelos wie ein Barpianist. Doch auch dieses Werk hat seine Tücken und ist sehr anstrengend. Mehrmals wischte sich Urvalov den Schweiß von der Stirn. Mit sehr viel Gefühl spielte er den zweiten Satz und zeigte dies auch bei den vielen Duetten mit einzelnen ­Stimmgruppen während des ­gesamten Stücks.

Das Publikum war begeistert und bedankte sich mit langem kräftigen Applaus, dem fast obligatorisch gewordenen Fußgetrampel und schließlich mit Standing Ovations.

Die Zugabe wurde zu einem besonderen Glanzstück. Bei der sechshändigen Romanze von Rachmaninow saßen alle drei Pianisten gemeinsam am Flügel. Auch hier hatten wieder diejenigen Glück, die einen Blick auf die Tasten werfen konnten. Ein schönes Stück, das nach dem wuchtigen, fast brachialem Werk von Tschaikowsky den Abend herrlich abrundete.

Daniel Behle besingt „Die schöne Magelone“

Die von Brahms vertonte „Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter aus der Provence“ steht am Samstag, 15. November, ab 20 Uhr im Audimax auf dem Programm des Konzertvereins. Die 15 Romanzen nach der Fassung von Ludwig Tieck werden dargeboten von dem Tenor Daniel Behle (Foto: Veranstalter), dem Pianisten Sveinung Bjelland und dem Sprecher Hans-Jürgen Schatz. Ihre CD „Die schöne Magelone“ ist soeben erschienen. Behle und Bjelland gaben vor zwei Jahren ihr fantastisches Debüt in Marburg. „Das wird ein Sensationsabend“, so der Konzertverein.

Karten gibt es in den bekannten Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse ab 19 Uhr. Um 19 Uhr beginnt ein kostenloser Einführungsvortrag in einem ausgewiesenen Seminarraum des Audimax.

von Mareike Bader

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