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Ständig ausverkauft: Wissenschaft ganz locker

Marburger Science Slam Ständig ausverkauft: Wissenschaft ganz locker

Ein Herzinfarkt ist nicht lustig - es sei denn, einer der Kandidaten beim Science Slam hat ihn zum Thema seines Vortrags erkoren.

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Blutkörperchen trifft auf Plaque-Gefäß: Der Marburger Medizinstudent Johannes Hinrich von Borstel bereitete die Zuhörer auf ihren ersten Herzinfarkt vor.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Längst hat der „Marburger Science Slam“ Kultstatus. Er würde einen wesentlich größeren Saal als das 202 Zuschauer fassende Theater Am Schwanhof füllen. Das war drei Wochen im Voraus ausverkauft und etwa 100 Interessenten standen auf der Warteliste, berichtete Vize-Intendantin Dr. Christine Tretow, die am Freitagabend als Klischee-Wissenschaftlerin mit Hornbrille und weißem Kittel, unterstützt vom indischen Assistenten „Abhi“ Sawhney und „Brain“ Jonathan Bär durch die dreistündige Wissensschlacht führte.

Dank Tretow hatte das Ganze auch etwas von politischem Kabarett. In ihre Moderation ließ sie spitzzüngige Anmerkungen etwa zur aktuellen Causa Annette Schavan einfließen. Dieser blieben drei Ehrendoktortitel, so dass sie weiterhin bei Elitepartner.de nach geeigneten Gefährten suchen dürfe.

Aber auch der später von der siebenköpfigen Publikumsjury zum Sieger gekürte Medizintechniker Dr. Peter Westerhoff, Bronzemedaillengewinner des Deutschland-Slams 2012, stellte in seiner witzig bebilderten Powerpoint-Präsentation aktuelle Bezüge zu Fotos des Papstes und Politikern her. Er marschierte zur Hymne „Football is coming home“ auf die Bühne, sein T-Shirt kennzeichnete ihn als Anhänger von Werder Bremen, zwischendurch hielt er auch einen Fußball mit akzeptabler Beinarbeit in der Luft.

In seinem Vortrag erläuterte er „Instrumentierte Implantate“, die die auf künstliche Gelenke einwirkenden Kräfte direkt im Patienten messen. Sechsmal die Höchstwertung zehn und einmal neun Punkte gab es dafür.

Die ersten Ränge belegten gestandene Slammer, wobei der Zweitplatzierte Dr. Michael Deveaux vom Institut für Kernphysik in Frankfurt, für seinen Vortrag „Antimaterie beim Arzt“ nur vier Punkte weniger erhielt als der Sieger. Auf Platz drei kam Sebastian Bartoschek, der den Beweis antrat, das Elvis lebt.

Die Marburger Medizinstudenten Johannes Hinrich von Borstel und Alexander Falb, beide erstmals bei einem Slam dabei, schlugen sich wacker. Von Borstel hatte als Thema „Biochemische Phänomene im Stadium der Verliebtheit“ gewählt und kam auf Rang vier. Sein Kommilitone bereitete das Publikum auf den ersten Herzinfarkt vor: „Vor allem: lassen sie sich nicht verrückt machen.“

Außerdem traten der Hamburger Politikwissenschaftler Jens Wiesner und der Gießener Anatom, Chemiker, Molekularbiologe und Imker Dr. Jörg Klug an.

Für den nächsten „Science Slam“ am 17. Mai können sich noch Kandidaten beim Landestheater anmelden: www.theater-marburg.de

von Manfred Schubert

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