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Stadttheater geht auf Nummer sicher

Gießener Spielzeit: „La Traviata“ Stadttheater geht auf Nummer sicher

Große Stimmen, feine ­Musik und starke Bilder: Das Stadttheater Gießen startete mit „La Traviata“ in die Spielzeit.

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Die Inszenierung von „La Traviata“ beeindruckt mit starken Bildern.

Quelle: Rolf K. Wegst

Gießen. Diesmal geht das Stadttheater Gießen zur Spielzeiteröffnung des Musiktheaters ganz auf Nummer sicher. Anders als im letzten Jahr, als die Gießener Version von „Eugen Onegin“ das Premierenpublikum extrem polarisierte, stand am Samstag eine grundsolide Inszenierung von „La Traviata“ auf dem Spielplan.

Große Stimmen, feine Musik und schöne Bilder: Am Ende gab es kräftigen Applaus für Regisseur Wolfram J. Starczewskis Idee von Giuseppe Verdis Melodram unter der musikalischen Leitung von Michael Hofstetter. Opernfreunden bietet sie Musikgenuss auf hohem Niveau.

Und genau das ist der Schlüssel zu dieser bodenständigen Inszenierung: Starczewski rückt das musikalische Personal in den Fokus. Um technische Spielereien wie Videos macht der Regisseur einen Bogen, ebenso wie um jedwede Form von Historismus.

Wer nach Attributen etwa des 19. Jahrhunderts sucht, wird nicht fündig. Im Gegenteil: Die Bühnenoptik, für die Lukas Noll verantwortlich zeichnet, kommt zeitlos daher. In Sachen Kostüme setzt Noll auf gehobene Abend- und Alltagskleidung.

Hohe Erwartungen werden erfüllt

Doch das Meisterstück des Chefausstatters des Stadttheaters ist wieder mal die Bühne: Angelegt als eine Art Guckkasten fokussiert Noll kaum auf Gegenständlichkeit sondern auf die Strukturierung des Raums mit Elementen wie Spiegeln, Podesten oder Trennwänden. Der Effekt ist beachtlich, denn diese Strukturen konturieren die Handlung. Kurz, auf konzeptioneller und visueller Ebene bietet Starczewski Verdi ganz nah, wodurch dem Bühnenpersonal immense Bedeutung zukommt.

Das Ensemble erfüllt die hohen Erwartungen ausnahmslos mit Bravour, allen voran Dorothea Maria Marx als Violetta Valéry, die am Ende vom Premierenpublikum mit Bravo-Rufen gefeiert wurde. Kein Wunder, denn das Ensemblemitglied der Staatsoper Hannover bezaubert mit einem glockenhellen und glasklar artikulierten Sopran, der zutiefst berührt. Auch Guiseppe Talamo als Alfredo Germont und damit Geliebter der „vom Weg abgekommenen“ Violetta und Alexander Hajek als Vater Giorgio Germont begeistern mit ihren Stimmen und erhielten Extra-Applaus.

Großen Eindruck macht daneben wieder einmal der Chor unter der Leitung von Jan Hoffmann, der mit beachtlicher artikulatorischer Präzision ein ums andere Mal Gänsehaut über Zuschauerrücken jagt und viel Platz auf der Bühne bekommt.

Und auch instrumental bleibt kein Wunsch offen, denn am Pult steht mit Hofstetter ein erfahrender Verdi-Fachmann, unter dessen Leitung das Philharmonische Orchester mit großer Klarheit und packender Dynamik zu Werke geht. Das Fazit: Starczewski, Hofstetter und die ihren bieten dem Publikum Musikgenuss vom Feinsten in einer beeindruckenden Kulisse.

  • Wer die Premiere verpasst hat und die Oper im italienischen Original mit deutschen Übertiteln selbst sehen möchte: Weitere Vorstellungen sind am 16. September, 3. und 30. Oktober, 4. November, 3. und 25. Dezember, 13. Januar 2017, 11. Februar und 8. April jeweils um 19.30 Uhr sowie am 5. März um 15 Uhr allesamt im Großen Haus. Weitergehende Informationen auch im Internet unter www.stadttheater-giessen.de.

von Stephan Scholz

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