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Spurensuche im Gestern und Heute

Ausstellung Spurensuche im Gestern und Heute

Was tut ein Hobby-Fotograf, wenn er im Internet fast 100 Jahre alte Deutschland-Fotos entdeckt? Er macht sich auf Spurensuche. Was Wolfgang Henkel gefunden hat, ist in der Ausstellung „Konserve Deutschland“ im Marburger Rathaus zu sehen.

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Wolfgang Henkel erläuterte den Besuchern bei der Eröffnung seiner Ausstellung die Funktionsweise einer alten Zeiss Ikon Ideal, mit der Kurt Hielscher in den 1920er Jahren durch Deutschland zog (oben). In tensiv verglichen Besucher die historischen Aufnahmen von Hielscher mit den heutigen Bildern von Henkel (rechts).Fotos: Privat/Schwarzwäller

Quelle: Wolfgang Henkel

Marburg. Genau 275 Orte hat Wolfgang Henkel in den vergangenen sieben Jahren auf seiner besonderen Mission bereist - von den Alpen hinauf bis an die Küste, von Trier im äußersten Westen bis nach Görlitz im äußersten Osten. Er wollte herausfinden, wie es heute an den Stellen aussieht, die ein Fotograf namens Kurt Hielscher in den 1920er Jahren für ein Buch im Bild festgehalten hat.

Begonnen hat alles direkt vor Ort, in Marburg. Eine alte Aufnahme des Landgrafenschlosses weckte Wolfgang Henkels Interesse und der Hobby-Fotograf, der studierter Mathematiker und Informatiker ist, ging auf Entdeckungsreise.

Es habe einige Zeit gedauert, bis er herausgefunden habe, von wo aus die Aufnahme entstanden sei, erklärte der in Lischeid lebende Fotograf bei der gut besuchten Vernissage am Freitag im Historischen Rathaussaal: Hielscher stieg damals auf den Turm der Lutherischen Pfarrkirche. Dieser Blick ist heute von einem Vogeldraht „versperrt“.

Bei den anderen Bildern, deren Entstehungsorte er im Lauf der Jahre aufgesucht hat, sei er überrascht gewesen, wie viel er von der Aussicht her nahezu unverändert vorgefunden habe, erzählt Wolfgang Henkel. Daher auch der Name der Ausstellung: „Konserve Deutschland“. Nicht nur Kurt Hielscher habe in seinen Aufnahmen aus dem letzten Jahrhundert Ansichten „konserviert“, sondern es sei eben auch in Deutschland gelungen, vieles über die Jahre und Jahrzehnte zu „konservieren“. Und in diesem Zusammenhang sei auch das Wort „konservativ“ ohne die sonst negative Färbung zu sehen.

„Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“, zitierte Karin Stichnothe-Botschafter bei der Eröffnung der Ausstellung Karl Valentin - und wandelte das Zitat mit Blick auf Wolfgang Henkel etwas ab: „Kunst ist schön, macht aber viele Kilometer.“

Auf einer großen Deutschland-Karte können die Besucher ablesen, wo Henkel überall gewesen ist. An den Wänden hängen dann die „Originale“ von Hielscher und die Fotografien von Henkel jeweils in einem Rahmen nebeneinander. Der Blick vom Einödsbach, die Frankfurter Saalgasse, Berlin, Potsdam oder Helgoland - das Wort „Vorbild“ hat in dieser Ausstellung eine ganz besondere Bedeutung.

Die Aufnahmen von Hielscher sind seinen Büchern entnommen und Wolfgang Henkel sagt, dessen Enkel habe das Projekt sehr unterstützt und sich gefreut, dass das Werk seines Großvaters so noch einmal eine kleine Renaissance erlebt. Manchmal habe er den Standort, um die alten Aufnahmen zu „kopieren“, auf Anhieb gefunden, manchmal war es aber auch nicht ganz so einfach. Einmal sei er drei Tage gewandert und habe einen Bauern aufgeschreckt, der dachte, es handele sich bei dem Fremden um einen Mann vom Katasteramt. „In Tübingen habe ich mein Skript liegenlassen und als ich wiederkam, um es zu holen, gelang mir eine viel schönere Aufnahme als zuvor“, erzählt Henkel.

Die Ausstellung ist bis zum 7. September im Erdgeschoss des Marburger Rathauses zu sehen. Geöffnet ist sie montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr und samstags zwischen 13 und 17 Uhr.

von Nadja Schwarzwäller

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