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Spritziges Theater mit Musicaleinlagen

Theater Spritziges Theater mit Musicaleinlagen

Nach zweieinhalb äußerst vergnüglichen Stunden kreativ umgesetzter, mit Musik und Tanz angereicherter Theaterunterhaltung honorierte das Publikum mit über fünfminütigem Applaus die Leistung des Ensembles.

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Pastor Riesling (Herbert Mettken) erfährt mit Erleichterung von den Hausbewohnerinnen, dass es sich bei dem Institut nicht um ein Bordell, sondern um ein Musikinternat für alleinstehende junge Mädchen und ledige Mütter handelt. Gelegenheit für die ersten beiden Einlagen der Tänzerinnen der Musical-Company der Marburger Tanzschule StepIn.

Quelle: Manfred Schubert

Wetter. Anregen ließen sich Ingrid Hintze und Sabine Kaiser bei ihrer ersten gemeinsamen Regie von den beiden Verfilmungen des 1944 entstandenen Curt Goetz-Stückes „Das Haus in Montevideo“, insbesondere von der zweiten mit Heinz Rühmann. Somit musste die herrlich altbacken anzusehende zwölfköpfige Kinderschar des äußerst tugendhaften und strengen Oberlehrers Professor Traugott Hermann Nägler nicht nur spielen, sondern auch singen. Mit „Das Wandern ist des Müllers Lust“ auf den Lippen marschierten sie eingangs durch das 180-köpfige Publikum der ausverkauften Premiere am Freitagabend und dann auf die Bühne, wo sie das Lied mit einer Kochgeschirr-Percussion fortsetzten.

Für weitere musikalische Einlagen bekam der Theaterverein Wetter professionelle Unterstützung. Für die vom Autor vorgesehene Arie „Mein Herr Marquis“ aus der Fledermaus wurde die Marburger Sängerin Ulla Keller gewonnen, die in einer Traumszene die verstorbene Sängerin Maria Machado alias Josefine Nägler verkörpert. Zudem singt sie im Finale „Habanera“ aus der Oper Carmen – beide Male gab es kräftigen Szenenapplaus.

Ebenso für die Musical-Company der Marburger Tanzschule StepIn, an der Keller Gesang unterrichtet. Sie trat zweimal singend und tanzend auf, unter anderem mit „Bei mir biste scheen“ und zum „Boogie woogie bugle boy“ steppend.

Die Einlagen fügten sich bestens in das Geschehen der geistreichen Boulevardkomödie ein, die sich vor einer von Bühnenbauer Harald Günther und seinem Team einfallsreich konstruierten Bühne auf dem Klosterberg abspielt. Mit wenig Aufwand ließen sich flugs scheunentorartig zwei Flügel aufklappen und so das Wohnzimmer des Professors durch das Haus in Montevideo ersetzen. Nicht nur die Kinder agierten mit viel Spielfreude – alle Rollen waren adäquat besetzt. Köstlich waren die Dialoge zwischen den beiden Hauptakteuren, dem übermoralisch-steifen Professor Nägler (Rüdiger Clasani) und seinem wesentlich milder urteilenden Freund Pastor Riesling (Herbert Mettken), der versuchte, ihn auf ein menschliches Maß herabzuholen. Dieses wie auch ein gesundes Verhältnis zur Ökonomie verkörperte überzeugend Ehefrau Marianne Nägler (Sandra Erkel). Die 16-jährige Maria Thierfelder spielte als Tochter und potenzielle Vermögenserbin Atlanta ihre erste große Rolle in Wetter, ihren in Gegenwart des Schwiegervaters in spe stets sehr nervösen Verlobten gab der 30-jährige René Römershäuser aus Oberrosphe auf sehr liebenswerte und überzeugende Weise.

Insgesamt fiel auf, dass es keine Schwächen in der Dialogführung gab, alle Texte saßen nahezu perfekt, und zwei, drei kleinere technische Pannen fielen kaum auf und wurden, beispielsweise von der Musical-Company beim zu späten Einsetzen der Musik bestens ausgebügelt.

So schmälerte nichts das Vergnügen an diesem Theaterabend, außer vielleicht das kühle Wetter. Viele Besucher hatten sich dicke Decken mitgebracht.

Auf das Mitbringen von Regenschirmen kann man übrigens verzichten, der Theaterverein hält genügend Regencapes bereit.

Weitere Vorstellungen: 1. und 2. Juli, 21 Uhr. Kartenvorverkauf bei Bücherklause Ruhl und unter www.theaterverein-wetter.de im Internet.

von Manfred Schubert

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