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Spannung mit Tiefgang

Friedrich Ani beendete Marburger Krimifestival Spannung mit Tiefgang

Friedrich Ani geht es in seinen Krimis vor allem um Menschen und ihre Hintergründe. Und so präsentiert der Starautor in der Waggonhalle auch seinen neuen Roman klar und geradlinig.

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Im Anschluss der Lesung nahm sich Friedrich Ani viel Zeit, um Bücher zu signieren und mit seinen Gästen in der Gaststätte Rotkehlchen zu plaudern.

Quelle: Selina Boucsein

Marburg. Wie oft Friedrich Ani schon in Marburg war, weiß er selbst nicht mehr. Da muss das Publikum aushelfen. „Mindestens zum vierten Mal“, ruft ein Besucher in der Waggonhalle, wo er zum Abschluss des Krimifestivals seinen neuen Roman vorstellt.

Fast alle Plätze sind belegt. Der „mehrfach ausgezeichnete Krimi-Autor“, wie Alexandra Klusmann, Organisatorin der Lesung, ihn vorstellt, ist beliebt. Im Raum wird es still, als Ani auf dem Podest Platz nimmt. Nur ein entferntes Rauschen ist immer dann zu hören, wenn ein Zug vorbeifährt.

Nach den Buchreihen um seinen wohl beliebtesten Kommissar Tabor Süden und den mit jeweils drei Romanen bedachten Ermittlern Polonius Fischer und Jonas Vogel führt Ani mit „Der namenlose Tag“ einen neuen Protagonisten ein. Eine Stunde lang bringt der 56-Jährige seinen Zuhörern den ehemaligen Kommissar Jakob Franck näher: Franck ist erst zwei Monate pensioniert, als ihn ein alter Fall in Gestalt eines Besuchers vor seiner Tür einholt.

Selbstmord: ausgeschlossen

Vor 20 Jahren hatte er einer Frau mitteilen müssen, dass sich ihre 17-jährige Tochter Esther das Leben genommen hat. In einem Park fand man ihre Leiche – an einem Baum erhängt. Die Mutter konnte sich von diesem Leid nicht erholen und wählte nur ein Jahr später selbst den Freitod.

Auch jetzt noch glaubt Ludwig Winther, der Vater des toten Mädchens, nicht an einen Selbstmord. „Sie hatte ein heiteres Gemüt und ein glückliches Zuhause und gute Noten“, sagt er. So jemand bringe sich nicht einfach im Park um. Winther beauftragt Franck, den Mörder des Mädchens zu finden.

Anis Stimme hallt durch den Raum, sie ist rau und heiser. Bei den Stellen um Ludwig Winther, der den Tod Esthers schildert, klingt seine Stimme gebrochen. Die Machtlosigkeit eines Vaters, der seiner Tochter nicht mehr helfen kann, wird deutlich.

Gebannt lauschen die zahlreichen Gäste seinen Worten. Das ist auch gut so, denn wer der Lesung folgen möchte, muss aufmerksam sein. Immer wieder springt Ani in seiner Erzählung durch Raum und Zeit, blättert vor und zurück. Das mag zum Teil auch daran liegen, dass Franck selbst ständig in Erinnerungen längst vergangener Zeiten versinkt.

Alexandra Klusmann verabschiedet

„Ich versuche, den Kriminalroman zu erden“, erklärt der Schriftsteller zum Schluss. Jede Menge Leichen, viel Blut und Gewalt, wilde Verfolgungsjagden – wer darauf steht, wird bei Romanen von Friedrich Ani enttäuscht. „Mich interessieren vor allem die Hintergründe. Warum zum Beispiel lügt eine Person? Und so schau ich in Kammern hinein, auf die zappelnden Personen und beschreibe ihr Ringen um die Wahrheit.“

Anis Lesung rundete das 13. Marburger Krimifestival gelungen ab. Fast wie immer wird das 14. Marburger Krimifestival im Herbst nächsten Jahres stattfinden. Aber eben nur fast – denn Alexandra Klusmann wird fehlen. Klusmann organisierte das Festival seit seiner „Geburt“ im Jahr 2002. Wegen beruflicher Veränderungen legt sie die Verantwortung in die Hände ihrer langjährigen Kollegin Mariella Terzo von Terzo PR.

Terzo wird in bewährter Form mit Manfred Paulsen von der Buchhandlung Roter Stern das Krimifestival weiterführen. Klusmann wurde mit allerlei Geschenken und zahlreichen Tränen verabschiedet.

  • Friedrich Ani: „Der namenlose Tag“, Suhrkamp Verlag, 299 Seiten, 19,95 Euro.

von Selina Boucsein

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