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Spanischer Tango in Badelatschen

Marburger Lyrikkompanie Spanischer Tango in Badelatschen

Ein Papagei, der keine harten Eier frisst. Ein Massenmörder und ein Nachtgespenst. Sowie unmusikalische Engländer. Ach, Du lieber Augustin, willkommen bei der Lyrikkompanie!

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Stefan Piskorz als liebestoller Sachse mit emotionaler Ladehemmung.

Quelle: Chr. O. Beckmann

Marburg. Am 1. Dezember 2002 hatte das 20er-Jahre-Programm mit Namen „Mein Papagei frisst keine harten Eier“ Premiere. Wobei einige der Leute, die damals Zuschauer waren, diese Epoche noch miterlebt haben, scherzte Jürgen Helmut Keuchel.

Mehr als eine Dekade später liefert die Marburger Lyrikkompanie eine Neuauflage. Und die Tatsache, dass auch am Samstagabend im ausverkauften Szenario wieder kräftig mitgesungen wurde, ließ die Vermutung zu, dass zumindest einige der sehr textsicheren Premierengäste der Saison 2015 ein wenig älter sein könnten, als sie zugeben würden.

„Coco“, der titelgebende Papagei, ist natürlich wieder mit von der Partie. Ebenso wie Tante Paula, die im Bett liegt und Tomaten isst, Erika (die aus dem Warenhause, Abteilung Himbeerbrause) und der liebe Augustin, bei dem die Frage nach dem Verbleib seiner Haare im Raum steht.

Jürgen Helmut Keuchel, Carsten Beckmann, Peter Rollenske und Stefan Piskorz haben Texte, Gedichte und Lieder aus den 20er-Jahren zu einem Unterhaltungspaket verschnürt. Und beweisen einmal mehr, dass ihnen ihre Auftritte selbst ebenso viel Spaß machen wie ihrem Publikum.

Es wird heftig gefüßelt

„Extrablatt“ tönt es und Carsten Beckmann setzt einen Hut aus Zeitungspapier auf, um Nachrichten aus der „Oberhessischen Zeitung“ von 1920 vorzutragen – von Erkenntnissen über die „moderne Frau“ bis hin zum Leserbrief in Reimform. Das waren noch Zeiten. Begeisterung herrscht unter den Zuschauern vor allem dann, wenn einer aus der Kompanie in eine andere Rolle schlüpft. Gern auch in Frauenkleider.

Großartig, wie Stefan Piskorz sich im Leopardenmini über die Bühne kokettiert und Peter Rollenske spanischen Tango in Adiletten tanzt. Haare an den Beinen werden zum Thema, und dass die vier Herren jede Menge Haare auf den Zähnen haben, wissen die Fans sowieso.

Aber überhaupt – Beinkleider und Schuhe! Es wird gefüßelt. Und gesächselt auch. Man stellt wichtige Fragen. Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist? Ringelnatz und Rilke haben ihren Platz ebenso wie Bertolt Brecht und Ludwig Thoma.

Wenn es zum Schluss dann heißt „Das gibt’s nur einmal, das kommt nie wieder“, ist das aber zum Glück falsch. Zwar musste die zunächst für den 24. Januar kommenden Jahres terminierte 
nächste Vorstellung aus dispositionellen Gründen abgesagt werden. Doch „Harte Eier Reloaded“ bringt die Lyrikkompanie garantiert auch 2016 auf die Bühne.

von Nadja Schwarzwäller

 Kompaniechef Jürgen Helmut Keuchel (von links) teilt die Bühne mit Peter Rollenske Carsten Beckmann und Stefan Piskorz. Foto: Chr. O. Beckmann
 
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