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Sonnenuntergang im strömenden Regen

Sundown-Musikfestival Sonnenuntergang im strömenden Regen

Eigentlich schien am Ende alles schiefzugehen: Die letzte Band hatte den Flieger verpasst, kam verspätet nach Marburg, und bei ihrer Ankunft setzte strömender Regen ein. Doch daraus wurde ein besonderer Festival-Höhepunkt.

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Oben: Einen Song, „Angel from Montgomery“, spielten Elliott Murphy und seine Band gemeinsam mit Lisa-Marie Fischer. Links: Als Überraschungsgast trat ein weiteres Talent aus der Region auf: die 15-jährige Milena Burck aus Schrecksbach in der Schwalm. Rechts: Auf mehr als 40 Jahre Bühnenerfahrung blickt Liedermacher Werner Lämmerhirt zurück.Fotos: Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Weiter draußen im Hof des Vino Nobile zu spielen, war unmöglich. Ein Teil der ursprünglich etwa 150 Besucher des zweiten Marburger Sundown Music Festivals war bereits ganz geflüchtet, etwa 90 Menschen hatten in Restaurant und Markthalle das Trockene gesucht. Und die Bühnenüberdachung hielt dem Regen auch nicht stand.

Kurzerhand beschlossen Elliott Mur­phy und seine Band, in der kleinen Markthalle aufzutreten - nahezu völlig „unplugged“. Ohne Mikrofone, Elliott Murphy und Olivier Durand mit ihren akustischen Gitarren, Schlagzeuger Alan Fatras mit einer Trommel und einem Becken, die er lediglich mit dem Besen bediente. Nur Laurent Pardo benötigte Verstärker und Box, damit man seinen E-Bass hören konnte.

Der altgediente Singer/Songwriter Elliott Murphy, der viele bekanntere Künstler mit seiner Musik beeinflusst und mit seiner Mischung aus Rock, Folk und Country schon 2012 bei der ersten Sundown-Auflage am Wilhelmsturm mit seinem Duo begeistert hatte, und seine Mitstreiter fanden sofort den Draht zum Publikum. Das klatschte, tänzelte und sang bald mit. Und wollte das hautnahe Erlebnis mit dem Musiker, der zwar im deutschsprachigen Raum nicht so bekannt ist, aber schon mit Weltstars wie Phil Collins und Bruce Springsteen gespielt hat, gerne mit Freunden teilen. Ein Mann griff zum Handy, teilte dem Angerufenen enthusiastisch mit, dass er zwei Meter von Elliott Murphy entfernt stehe, forderte ihn auf, zuzuhören, und schwenkte das Mobiltelefon in Richtung der Musiker.

Gegen Ende des über eineinhalbstündigen innigen Musikerlebnisses gab es noch ein besonderes Schmankerl. Die Marburger Country-Sängerin Lisa-Marie Fischer nahm ihre Gitarre und sang gemeinsam mit der Gruppe „Angel from Montgomery“.

Fischer hatte zuvor ihren Auftritt bei noch angenehm warmem und trockenem Wetter auf der Open-Air-Bühne gestalten können, an dessen Ende der Regen einsetzte und zusammen mit der Bandverspätung zu einer einstündigen Zwangspause führte. Dabei wurde sie von Mark Evitts aus Nashville / Tennessee, der auch Fischers CDs produziert, mit Gitarre, Gesang und Geige begleitet. Die gefühlvollen Songs wie „Lucky Streak“, „Cowboy“ oder „Little Joe“ wurden mit viel Beifall bedacht.

Ganz so erfolgreich wie Fischer ist Milena Burck noch nicht, aber was die 15-Jährige aus Schrecksbach in der Schwalm als Überraschungsgast vortrug, ließ schon mal aufhorchen und auf die weitere Entwicklung des jungen Talents hoffen. Neben „Safe and Sound“ von Taylor Swift sang sie zwei eigenen Lieder und spielte dazu Gitarre beziehungsweise E-Piano.

Ein „Urgestein“ der deutschen Liedermacherszene mit mehr als 40 Jahren Bühnenerfahrung und hervorragender Fingerstyle-Gitarrist ist Werner Lämmerhirt. Er präsentierte als einziger deutsche Texte, seit Ende der neunziger Jahre verwendet er nur noch seine Muttersprache, und vor allem neuere Lieder.

Bei älteren Stücken verhaspelte er sich schon mal und entschuldigte sich, weil er sie so lange nicht gespielt habe. „Lass mich nicht stehen“, „Rückenwind“, „Samba an einem ruhigen Sonntag“ und „Gründe genug“ lauteten einige seiner Titel.

Eröffnet hatte das Festival die Kölner Band „All About 50“ mit Rock- und Blues-Coversongs aus den 50er und 60er Jahren.

von Manfred Schubert

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