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Solveigs Lied fasziniert das Publikum

Marburger Schlossfestspiele: „Peer Gynt“ Solveigs Lied fasziniert das Publikum

Mit zwei ausverkauften Vorstellungen von „Peer Gynt“ starteten am Wochenende die vierten Marburger Schlossfestspiele. Im Mittelpunkt steht Norwegen.

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Peer Gynt (Maximilian Popp) verführt Ingrid (Lisa Parise) und verlässt sie gleich wieder.

Quelle: Enke Eisenberg

Marburg. Die Faszination des Fürstensaals ist Regisseurin Enke Eisenberg bei ihrer Arbeit deutlich anzumerken. Sie zeigt eine für die Schlossfestspiele konzipierte, stark gestraffte Fassung von Henrik Ibsens norwegischem Klassiker „Peer Gynt“ mit der Schauspielmusik von Edvard Grieg. Der Fokus liegt auf Peer Gynts Verhältnis zu den Frauen – seine Reisen spielen keine große Rolle.

Wie im vergangenen Jahr, lässt sie auch bei „Peer Gynt“ den Saal in seiner kompletten Breite bespielen. An den Rändern und in den Ecken läuft das Geschehen im Hintergrund weiter, während etwa Peer Gynt (Maximilian Popp) seiner Solveig (Mathilde Salmi Marjavara) nachläuft. Der Knopfgießer (Kevin Dickmann) sitzt wie ein Tennisrichter auf einer Stuhlleiter, beobachtet das Geschehen und kommentiert es über ein Megaphon.

Ibsens (Anti-)Held ist immer auf der Suche nach Größerem und auf der Flucht vor sich selbst. Das Publikum sieht wie Ingrid (Lisa Parise) mit ihrem Bräutigam aus dem Hochzeitsportal kommt – um kurz danach von Peer Gynt erst verführt und dann verlassen zu werden.

Mit zwei ausverkauften Vorstellungen von „Peer Gynt“ starteten die vierten Marburger Schlossfestspiele.

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Das Ambiente des Fürstensaals, die wenigen Requisiten und die moderne Kleidung der Schauspieler, spiegeln Ibsens Intentionen wider. Denn der Kern des 1876 uraufgeführten Bühnenwerks passt zur damaligen Gesellschaft wie zur heutigen. Für Ibsen stand der halbe Sünder Gynt für die Oberflächlichkeit im 19. Jahrhundert. Er findet erst zu sich und zur Ruhe, als er Solveigs Liebe annimmt und zulässt. Diese Liebesbeziehung steht im Mittelpunkt von Enke Eisenbergs Inszenierung. Diese Fokussierung ist in sich stimmig und passt wunderbar zu den Schlossfestspielen.

Auch dieses Jahr hat das Team ein hervorragendes Ensemble zusammengestellt. Maximilian Popp verkörpert den Freigeist Peer Gynt mit viel Leidenschaft und Energie. Schwungvoll rast er mit seiner Mutter Aase (Monika Herzing) bei ihrer letzten gemeinsamen Phantasiereise im Einkaufswagen durch den Fürstensaal. Popp muss recht viel laufen, in dem von der Sonne aufheizten Fürstensaal eine sicherlich schweißtreibende Angelegenheit, die ihm aber ansonsten kaum anzumerken ist.

Seine große Liebe Solveig wird von der norwegischen Sopranistin Mathilde Salmi Marjavara verkörpert, die das Publikum ebenso in ihren Bann zieht, wie Solveig Peer Gynt. Sie ist eine zarte Person, wirkt in ihrem weiten weißen Kleid und mit ihren hellblonden Haaren fast zerbrechlich. Umso erstaunlicher ist dann ihr kräftiger, warmer Sopran. Marjavara ist zum ersten Mal in Deutschland, hat erst vor wenigen Wochen ihr Studium an der Opera Acadamey Oslo absolviert. Weil sie noch kein Deutsch kann, spricht und singt sie in dem Stück norwegisch – und das funktioniert, gibt dieser „Peer Gynt“-Version eine eigene, besondere Note.

Theater mit Musik – aber keine Oper

Einen ganz eigenen Klang hat auch das Kammerensemble, bestehend aus Flügel, Cello, Saxophon und E-Gitarre. Die Musik klingt an manchen Stellen etwas zu laut und übertönt den achtköpfigen Frauenchor. Aber die Instrumentalisierung passt zur Inszenierung. Der musikalische Leiter André Hammerschmied spielt geschickt mit den Klangfarben der einzelnen Instrumente, setzt sie mit Bedacht ein. So wird etwa Griegs „Morgendämmerung“ nur von Cello und Klavier gespielt.

Eine Oper ist „Peer Gynt“ aber nicht. Henrik Ibsen beauftragte schon während der Entstehung den norwegischen Komponisten Edvard Grieg damit, für sein Stück eine passende Schauspielmusik zu schreiben. Diese Musik fasste Grieg später zu zwei Suiten zusammen, die heute zu den populärsten Werken der Orchesterliteratur gehören. Dass nun Theater mit Musik und keine Oper aufgeführt wird, stört aber in keinster Weise. Denn neben das von Mathilde Salmi Marjavara traumhaft schön gesungene „Solveigs Lied“ würde keine noch so farbenprächtige Arie passen.

  • „Peer Gynt“ ist von Donnerstag bis Samstag, 23. bis 25. Juli, jeweils um 20 Uhr im Fürstensaal zu sehen. Karten gibt es unter anderem in den OP-Geschäftsstellen im Schlossbergcenter und im Franz-Tuczek-Weg 1 sowie im Internet unter www.musicaeuropa.de.

von Mareike Bader

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