Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Solist begeistert von Laienorchester

Junge Marburger Philharmonie Solist begeistert von Laienorchester

Fußball oder Klassik – ­diese Frage stellte sich 
am Sonntag beim Konzert der Jungen Marburger Philharmonie. Mehrere hundert Besucher wurden mit wunderbarer Musik und einem fantastischen Solisten belohnt.

Voriger Artikel
Ein fröhliches Sommerkonzert
Nächster Artikel
„Es geht mir um jedes Wort“

Die Junge Marburger Philharmonie begeisterte das Publikum beim Semesterabschlusskonzert in der Lutherischen Pfarrkirche.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Ein Sinfoniekonzert während des Achtelfinales von Deutschland bei der Fußball-EM – es war im Vorfeld spannend, ob und wenn ja, wie gut sich die Lutherische Pfarrkirche zum Semesterabschlusskonzert der Jungen Marburger Philharmonie (JMP) füllen würde. Doch skeptische Stimmen verstummten mit Blick auf die fast ausverkaufte Kirche schnell – und die Zuhörer wurden mit ­einem ­fantastischen Konzert auf höchstem Niveau belohnt.

Das lag auch am Solisten Michael Preuß, der mit seinem brillanten Spiel bei Dvoráks Cellokonzert in h-Moll, op. 104, begeisterte. „Da ist für das Cello alles drin und als Spieler kommt man da natürlich auch an seine Grenzen. Aber es ist einfach das beste Cello-Stück“, schwärmte Preuß im Gespräch mit der OP. Tänzerisch, leicht und energisch zugleich ließ der 31-jährige Cellist seine Finger über das gesamte Griffbrett wandern.

Die JMP präsentierte sich als ebenbürtiger Partner. Mit ihrem ausgewogenen, warmen und kraftvollen Klang in der Reprise des ersten Satzes sorgten die Laienmusiker für Gänsehaut­gefühl. Die Holz- und Blech­bläser traten immer wieder sicher hervor. „Ihnen gebührt Riesen-Respekt. Das Stück ist sehr schwer für das Orchester. Es war sehr angenehm, mit den Musikern zu spielen und sie haben es auch so schön ausmusiziert. Es war ganz toll“, lobte der Cellist die Musiker. Begeistert war er auch von der Akustik in der Lutherischen Pfarrkirche: „Es ist ein toller Raum – nicht zu hallig. Es macht Spaß hier.“

Feierliche und gefühlvolle „Frühlingssinfonie“

Das Publikum war sichtlich begeistert und konnte zwischen den Sätzen nicht mit Applaus warten. Einige Besucher stellten sich an die Pfeiler, um einen besseren Blick auf den energisch spielenden Cellisten zu haben. Am Ende des Cellokonzertes wurden Orchester und Cellist mit kräftigem, umjubelten Applaus und einzelnen Bravo-Rufen gefeiert. Als Zugabe spielte Michael Preuß dann vor der Pause ganz allein die Sarabande aus Bachs Cello Suite Nr. 1.

Es ist ein fantastisches Stück, das mit den wundervollen Melodiebögen einerseits zur traumhaft schönen Ouvertüre zu Mussorgskis Oper „Chowanschtschina“ passte, mit den prächtigen Tutti-Passagen aber auch einen Kontrast dazu bildete. Mit einer kräftigen Fanfare der Blechbläser wurde die 1. Sinfonie von Robert Schumann, op. 38, eröffnet. Feierlich und gefühlvoll interpretierte die JMP das als „Frühlingssinfonie“ bekannte Werk.

Der junge Marburger Dirigent Lukas Rommelspacher führte das Orchester sicher mit genauen und bedachten Anweisungen. Gerade bei den anschwellenden Crescendi-Passagen animierte er seine Musiker, um sie dann an die ruhigeren, gefühlvollen Momente zu erinnern. Auch in Schumanns Werk kam der kraftvolle Klang des Orchesters in den Tutti-Passagen grandios zur Geltung. Beschwingt, frisch und eingängig ging es im dritten Satz bis zur fulminanten Steigerung zum Finale. Das begeisterte Publikum bedankte sich mit stürmischem Applaus, der nicht enden wollte.

Wer das Konzert verpasst hat, kann beim Klassik-Open-Air-Konzert auf der Schlossbühne während des Stadtfestes „3 TM“ am 8. Juli das Programm noch einmal hören. Bei dem Konzert wird der Cellist Michael Preuß wieder als Solist dabei sein.

von Mareike Bader

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr