Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
So viele Bücher, so wenig Zeit

Frankfurter Buchmesse So viele Bücher, so wenig Zeit

Am Mittwoch öffnete die Frankfurter Buchmesse ­ihre Türen für Fachbesucher. Auch lokale Verlage waren vertreten. Die OP hat sich umgesehen.

Voriger Artikel
Gefahren, Geheimnisse und Pullerpausen
Nächster Artikel
Viele Facetten der Einsamkeit

Auf der Frankfurter Buchmesse 2016 sind auch der Marburger Schüren-Verlag durch Annette Schüren und der Verlag der Francke-Buchhandlung durch Sven Gerhardt vertreten.

Quelle: Ruth Korte

Frankfurt. Wer die Frankfurter Buchmesse besuchen will, muss sich auf verstärkte Taschenkontrollen am Eingang einstellen. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden in diesem Jahr aufgrund möglicher Anschläge deutlich verschärft. Auch rund um das Messegelände zeigt die Polizei auffällige Präsenz. Immer wieder begegnet man beim Schlendern durch die nie enden wollenden Bücherregale Polizeistreifen.

Unter den fast 6700 Ausstellern aus 111 Ländern sind auch zwei Marburger Verlage vertreten. „Die Buchmesse ist extrem wichtig für uns“, sagt Annette Schüren vom Schüren-Verlag. „Hier bekommen wir die Entwicklungen in der Branche mit, werden auf neue Bücher aufmerksam und treffen Geschäftspartner und Herausgeber, die wir sonst selten sehen.“

Finanzieller Aufwand durch Gebühren und Personal

Dass im Vergleich zu den Vorjahren so wenige Marburger Verlage an der Messe teilnehmen, kann sie gut verstehen: „Die Standgebühren sind in den letzten Jahren stark gestiegen.“ Viele vor allem kleinere Verlage stellen sich die Frage, ob sich eine Teilnahme an der Buchmesse überhaupt noch lohne. „Die Branche bekommt viel Gegenwind“, so Schüren. Aktuell bereitet den Kollegen die Entscheidung des Bundesgerichtshofs Bauchschmerzen, nach dem die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) die Verleger nicht mehr an den Ausschüttungen beteiligen darf. Dies gilt auch rückwirkend, sodass die VG Wort nun gezwungen ist, die Verlagsanteile der Jahre 2012 bis 2015 wieder zurückzufordern. Viele Verlage müssen deshalb große Summen zurückzahlen. Da bleibt wenig Geld für die Standgebühr übrig.

„Es sind ja nicht nur die Gebühren, sondern auch das Personal, das man stellen muss“, erläutert Sven Gerhardt vom Verlag der Francke-Buchhandlung, die auf der Frankfurter Buchmesse das erste Mal seit über sechs Jahren an einem Gemeinschaftsstand der evangelischen Buchhändler vertreten ist. Mit im Gepäck: Neben Irma Jouberts neuem Roman „Sehnsuchtsland“ der Bestseller „Das Café zwischen Himmel und Erde“, ein Buch über ein Café, in dem Besucher über einen Internetzugang Gott genau eine Frage stellen können, die sofort beantwortet wird. Schüren hat unter anderem eine Enzyklopädie der Beatlesfilme „I saw a film today, oh boy“ und ein Buch über Steven Spielberg, der dieses Jahr 70 Jahre alt wird, und seine Filme dabei.

Literaturpreisträger gibt sich arrogant

Unter den Besuchern der Messe befanden sich am Mittwoch Fachbesucher aus aller Welt, wie etwa Jacob Maagaard (42), ein Verleger aus Dänemark, der mit seinen Kollegen angereist ist. „Wir haben einige Biografien gefunden, die für unseren Verlag interessant wären.“ Bohdan Lukas (29) aus einem tschechischen Verlag interessiert sich vor allem für Bücher über Kunst und die sogenannten „weichen Wissenschaften“. Tamara (23), Alexandra (21) und Benita (21) (kleines linkes Bild von links) studieren Buchwissenschaften in Mainz und sind hier, um in den vielen neuen Büchern zu stöbern und Verlage kennenzulernen.

Neben Büchern werden den Messebesuchern auch viele Veranstaltungen geboten. Einen Einblick davon, wie sich manche Autoren präsentieren, bekam die OP bei einem Interview mit dem Gewinner des Deutschen Buchpreis 2016 Bodo Kirchhoff. Im Gespräch mit der hr-Moderatorin Selma Üsük (kleines Bild) gab dieser sich sehr arrogant. Er machte sich über viele ihrer Fragen lustig, schaute sie während des Interviews kaum an und tätschelte ihr zum Abschied, statt ihr die Hand zu reichen, das Gesicht. Kooperativer zeigte er sich hingegen im Gespräch mit „Zeit“-Journalistin Iris Radisch.

Er berichtete, dass sein Buch „Widerfahrnis“, ein Roadmovie über zwei ältere Menschen, die in einer Nacht- und Nebelaktion nach Sizilien aufbrechen, sich dort verlieben, deren Glück aber durch das Schicksal einer Flüchtlingsfamilie durchkreuzt wird, auf eine persönliche Erfahrung zurückzuführen sei. So sei er im vergangenen Jahr selber nach Sizilien gereist und dort Flüchtlingen begegnet. „Ich bin in eine Situation geraten, die ich selbst als Mensch nicht lösen konnte, die ich aber als Schriftsteller versuchen kann, zu lösen“, so Kirchhoff. Er versuche für etwas, das häufig nur sehr abstrakt dargestellt werde („Flüchtlinge werden häufig nur auf eine Zahl reduziert“), einfache Worte zu finden, die die Menschen verstehen.“

von Ruth Korte

Voriger Artikel
Nächster Artikel
"Es wird mehr gelesen als je zuvor"

Seit Mittwochmorgen hat die 68. Frankfurter Buchmesse ­geöffnet, zunächst nur für Fachpublikum. Doch wer greift heute eigentlich noch nach einem Buch? Wie und was wird gelesen? Die OP hat sich umgehört.

mehr

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr