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Sinnsuche mit großer Krisenkiste

„betreff:theater“ spielte in der Waggonhalle Sinnsuche mit großer Krisenkiste

„Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends“ lautet der Titel der mittlerweile 17. Produktion der studentischen Gruppe.

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Der Chor setzt den Protagonisten des Stücks „Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends“ zu.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. Wie sicher sind wir unserer Selbst? Wo stehen wir mit unseren Möglichkeiten, unseren Zielen und unserer Einschätzung darüber, ob es gerade alles in allem ganz okay oder schon nicht mehr so okay ist?

Diesen Fragen ging der Kölner Autor und Musiker Peter Licht in seinem Prosatext „Die Geschichte meiner Einschätzung zu Beginn des dritten Jahrtausends“ nach, der von den Regisseuren David Brehm und Maik Dessauer erstmals in ein Theaterstück umgewandelt wurde. Am Samstag war in der Waggonhalle Premiere.

Die Handlung hat der Autor tausend Jahre in die Zukunft verlegt. Dort bekommt ein anonymes „Ich“, das so ambivalent ist, dass es von drei gleich gekleideten Schauspielern – Maik Kristen, Maria Werner und Olufemi Atibioke – dargestellt wird, eben diese großen Fragen nach der eigenen Situation gestellt.

Alles wird relativiert

Von Beginn an tut sich dieses Ich schwer mit einer konkreten Einschätzung, schon bei der simplen Frage nach der finanziellen Situation meint es nur: „Die Natur meines Geldes war ein wenig unterhalb der Mitte von unten, also Geld war schon irgendwie da, also vor allem das Thema Geld.“

Grundsätzlich gilt bei allen Fragen, die das Ich über sich und seine Situation zu beantworten versucht, dass die Einschätzung zunehmend von gut nach weniger gut relativiert wird, bis etwa das eben noch eigentlich fast makellose Sofa vollkommen in sich zusammenfällt.

Darüber hinaus wird das Ich regelmäßig von einem „Chor“ drangsaliert oder hinterfragt: acht Silber-Schwarz kostümierte Geister lassen auch mal eine schwarze Krisenkiste über den drei unglückseligen Facetten des Ichs baumeln.

Selbst bei der ehemaligen Freundin des Ichs, vergleichsweise spezifisch dargestellt von Sina Scherzant, wird die zunehmende Verdunkelung der Sichtweise auf diese Erinnerung an sie deutlich. Beide putzen gemeinsam die Zähne, dreimal mit gleichem Text, doch zunehmend wird die Stimmung kälter. Nach allem Grübeln, in Frage stellen, in Zweifel ziehen, ja Zerdenken der eigenen Situation und des eigenen Selbst, steht am Ende des Ganzen: „Es geht mir gut!“ Ganz ohne Relativierung.

Ensemble wurde neu zusammengestellt

Für die Inszenierung gab es großen Applaus und anschließend ausgiebig Gelegenheit, die Darstellerinnen und Darsteller kennenzulernen. „Es hat mir sehr gut gefallen, vor allem der Chor war echt überzeugend“, meinte Yesim Sahin. „Ich weiß ja, dass diese Gruppe oft gute Sachen liefert, aber so virtuos hätte ich es mir dann doch nicht vorgestellt“, ergänzte Alexander Grebe.

Allzu viel Vorbereitungszeit hatte die seit dem Sommer größtenteils neu besetzte Truppe dabei nicht. „Wir haben seit etwa Mitte Oktober zwei Mal die Woche geprobt, und ich bin wirklich sehr zufrieden damit, wie gut die Gruppe in der jetzigen Konstellation zusammen gearbeitet hat“, freute sich Regisseur Maik Dessauer.

  • Das Stück ist noch diesen Donnerstag, 21., und Freitag, 22. Januar, jeweils ab 20 Uhr in der Waggonhalle zu sehen.

von Marcus Hergenhan

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