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Sie wusste schon vom Supermarkt-Kokain

Marburgerin schreibt Drogen-Krimikomödie Sie wusste schon vom Supermarkt-Kokain

Das Leben schreibt oft die besten Geschichten. Die Marburger Autorin Eva Finkenstädt ist von der Realität eingeholt worden. Ihr jüngster Roman handelt von einer versehentlichen Drogenlieferung in einen Supermarkt.  War da nicht etwas in dieser Woche mit Bananenkisten im Discounter?

Marburg. Eigentlich wollte sich Eva Finkenstädt noch etwas Zeit lassen, um ihre Krimikomödie „Gold in Tüten“ auf den Markt zu bringen. Doch dann musste alles ganz schnell gehen. Der Grund: In Berlin wurden am Dienstag in Aldi-Filialen 140 Kilogramm Kokain aus Kolumbien in Bananenkisten entdeckt. Die Drogenhändler waren wohl an logistischen Problemen gescheitert, die „Bananen“ am falschen Ort gelandet.

Das Witzige daran ist: Eva Finkenstädt behandelt in „Gold in Tüten“ genau so eine Geschichte. Im Sommer des vergangenen Jahres machte die 59-Jährige Urlaub im krisengeschüttelten Griechenland. Dort hörte sie eine unglaubliche Geschichte: In einem kleinen Geschäft in Thessaloniki waren jede Menge Apfelsinenkisten aufgetaucht, die mit Kokain aus Kolumbien gefüllt waren. Eigentlich sollten sie nach Neapel geliefert werden. Aber diese Drogenhändler sind wohl auch an logistischen Problemen gescheitert.

Als E-Book ist das Buch schon erhältlich

Was aus den Drogen und den Drogenhändlern in Griechenland geworden ist, weiß Eva Finkenstädt nicht. Aber sie hatte die Idee zu ihrer Krimikomödie. Ein halbes Jahr hat sie an dem Roman gearbeitet und ihre Fans um Hilfe gebeten. „Ich habe ein Facebook-Event daraus gemacht, meine Leser und deren Ideen in die Geschichte eingebunden“, sagte sie der OP. Anfang Dezember war das Buch weitgehend fertig, die Schlussredaktion begann.

Und dann ging alles ganz schnell: Der Kokain-Fund in den Berliner Aldi-Filialen trieb sie an. Sie hat eine Nacht hart gearbeitet und das Buch am Mittwoch über Amazon auf dessen Kindle-Tablets freigegeben. „Nur da geht es so schnell“, sagt sie. Im Handel wird das Buch in etwa zwei Wochen erscheinen - über Books on Demand.

„Gold in Tüten“ ist der dritte Roman der Autorin. Nach historischen Marburger Stoffen in „Das Herdfeuer, der Weg“, der Mitte der 90er Jahre erschien, und „Das Erbe der Füchsin“, der im vergangenen Jahr auf den Markt kam, wagt sie sich nun an ein neues Genre. Die Komödie ist leicht lesbar und sehr unterhaltend geschrieben.

In "Gold in Tüten" melden die Marktmitarbeiter den Koks-Fund nicht

Die in dem kleinen Dorf Haine bei Frankenberg aufgewachsene und seit 1982 in Marburg lebende Autorin versteht es geschickt, ihre Charaktere aufzubauen. Und sie kann Dialoge schreiben.

Das Komödienpersonal ist filmreif: Die zwei jungen Azubis Daniel und Mahmut entdecken die Drogenpäckchen in den Apfelsinenkisten mit dem Aufdruck Columbian Gold. Doch anders als die Aldi-Mitarbeiter melden die beiden Gangster-Anfänger es nicht der Polizei, sondern versuchen die Ware selbst an den Mann zu bringen. Es gibt einen knallharten Mafiapaten namens Luciano in Neapel, der schon allein um der Mafia-Ehre wissen will, wo das Zeug geblieben ist, um sich zu rächen. Es gibt zwei schwule Geldeintreiber mit den Spitznamen Siegfried und Roy, einen Bordellchef und eine Praktikantin namens Janina, Marke „blondes Gift“ und einige ziemlich trottelige Gestalten. Die Geschichte ist sehr witzig, man kann sie sich gut als schrille Filmklamotte vorstellen.

Verortet ist sie nicht, doch hat die Autorin Marburg vor Augen gehabt, als sie ihre Komödie verfasst hat, die in Teilen in einem neu eröffneten Erotik-Center spielt.

von Uwe Badouin

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