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"Sie können stolz sein"

Prinz Asfa-Wossen Asserate "Sie können stolz sein"

In seinem Buch „Draußen nur Kännchen“ präsentierte er „deutsche Fundstücke“, nun hat sich Dr. Asfa-Wossen Prinz Asserate deutschen Tugenden gewidmet. Wer hätte gedacht, dass dazu auch Humor und Anmut gehören.

Marburg. Seit mehr als 40 Jahren lebt er inzwischen in Deutschland. Ein „alter Frankfurter“ sei er schon, sagt er von sich selbst. Geboren aber wurde der Unternehmensberater und Buchautor in Addis Abeba - als Prinz der kaiserlichen Familie Äthiopiens. Die deutsche Sprache lernte er bereits durch seine Erzieherin und später an der Deutschen Schule in Addis Abeba. Zum Studium kam er dann nach Tübingen, nach Cambridge und nach Frankfurt - wo er blieb, nachdem die Revolution in seiner Heimat eine Rückkehr dorthin unmöglich machte.

Warum er, ein „Prinz aus dem Hause David“ nach Deutschland kam und blieb, warum man hier eben draußen nur Kännchen bestellen kann und wie es um unsere Manieren bestellt ist, darüber hat er bereits geschrieben. Und er brilliert dabei nicht nur als ein Mann mit großem Wissen und vielen Interessen, er offenbart vor allem auch seine offenkundige Zuneigung zu seiner Wahlheimat.

Ein Gast der Lesung in der Buchhandlung Lehmanns (ehemals Elwert) am vergangenen Donnerstag stellte prompt fest, Asserates Buch sei eine „Liebeserklärung“ an Deutschland.

Eine solche ergeht auch an Marburg: Er freue sich, wieder in dieser „schönen, altehrwürdigen Stadt“ zu sein. Einige Gesichter hat er von seinem letzten Besuch wiedererkannt. Die Damen werden mit einem formvollendeten Handkuss begrüßt - nicht umsonst hat der Prinz ein Buch über Manieren geschrieben.

Er sei übrigens heute nicht mehr so pessimistisch, wie er es bei diesem Buch gewesen ist, sagt er später.

Nachdem er viel an Schulen und Universitäten unterwegs sei, kommt er zu dem Schluss, dass diese Generation manierlicher sei als seine eigene. Aber die Deutschen und humorvoll oder gar anmutig?

Für seine Lesung hat er sich gerade diese zwei Tugenden ausgesucht, von denen die Deutschen selbst nicht recht glauben wollen, dass sie sie besitzen. Vom Apostel Paulus über Goethe bis zu Loriot reicht die Liste der Beispiele und Zitate, mit denen er den kulturellen Phänomenen auf den Grund geht. Ordnungsliebe, „Treu und Redlichkeit“ oder Fleiß - es sei ihm nicht auf Vollständigkeit oder eine systematische Darstellung gegangen, erklärte Asfa-Wossen Asserate.

Er sieht sein Buch als einen „subjektiven Streifzug durch die deutsche Kultur und Geschichte“. Und auf die können die Deutschen stolz sein, denn die Geschichte sei nicht nur auf 12 Jahre reduziert, stellt Asserate fest.

von Nadja Schwarzwäller

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