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Musiker erzählen von Flüssen, Eulen und Alligatoren

Semana Latina Musiker erzählen von Flüssen, Eulen und Alligatoren

Ein besonderes Konzert eröffnete die von den Kulturkürzungen betroffene Semana Latina.

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Das Trio „Viola da Samba“ stellte seine neue CD vor.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Das Trio „Viola da Samba“ setzte ein spannendes Projekt um – die Verbindung von Renaissance-Madrigalen der iberischen Halbinsel mit brasilianischem Samba und Bossa Nova und Abstechern in traditionelle indianische Musik vom Amazonas. Dabei nutzten die drei Musiker historische Instrumente. Der aus Brasilien stammende Marburger Musiker, Komponist und Arrangeur Jean Kleeb hat entdeckt, dass sich das Clavichord mit seinen variablen Gestaltungsmöglichkeiten durchaus für modernen Jazz und Bossa Nova eignet.

Fernando Marín spielt eine Viola da Gamba mit Naturdarmsaiten, die einen reinen Klang erzeugen. Das Repertoire der Sopranistin Nadine Balbeisi umfasst vor allem Musik zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert, aber auch andere Musikstile versteht sie zum Genuss der Zuhörer umzusetzen.
Mit dem Eröffnungskonzert der Semana Latina 2017, deren Mitorganisator Kleeb ist, stellte das Trio seine gerade veröffentlichte CD „De rio a Rio“ vor. Der Titel bezieht sich darauf, dass die Spuren der Renaissance vom spanischen Fluss Tajo bis hin zu den Sambas von Rio de Janeiro verfolgt werden.

Protest mit „Gekürzten Bagatellen“

Die 40 Zuhörer im Konzertsaal der Musikschule Marburg ließen sich von der ungewöhnlichen Mischung alter und neuer Musik, zum Teil rein instrumental, zum Teil Lieder mit der wunderbar sanften, warmen Stimme Balbeisis, bezaubern. Brasilianische Folklore und iberische Renaissancemusik gingen eine harmonische Verbindung ein. Viel Applaus erhielt Balbeisi für ein Wiegenlied vom Amazonas, das von Murucututu, einer großen Eule und der Mutter des Schlafes erzählt. Am Ende erklatschten sich die begeisterten Zuhörer eine Zugabe. Mit „Ah, se eu vou“ erklang eine fröhliche Samba von Lula Queiroga.

Ein kleines Zwischenspiel hatte das Trio zu Beginn des zweiten Konzertteils eingeschoben. Mit „Gekürzte Bagatellen“ formulierte es in Art einer musikalischen Performance, bei der unter anderem CDs in einen Eimer mit der Aufschrift „Am Krekel“ (dort kann man Rest- und Sperrmüll abgeben) geworfen wurden. Damit protestierten die Musiker gegen die Kürzung des Kulturetats der Stadt Marburg um zwölf Prozent. Der Zuschuss für die Semana Latina in diesem Jahr war gleich komplett gestrichen worden.

von Manfred Schubert

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