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Selbstmord-Quartett auf Selbsthilfetrip

Neu im Kino: A Long Way Down Selbstmord-Quartett auf Selbsthilfetrip

Pascal Chaumeil bringt Nick Hornbys schwarze Komödie „A Long Way Down“ mit Pierce Brosnan ab morgen auf die Leinwand. Tolle Schauspieler, fader Film.

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Zusammen soll es besser werden: Jess Chrichton (von links), der ehemalige Talkmaster Martin Sharp, Maureen und J.J. haben einen Pakt geschlossen.Foto: DCM Filmverleih

Quelle: DCM Filmverleih

Marburg. Nick-Hornby-Fans haben schon lange darauf gewartet. Nach den erfolgreichen Romanverfilmungen „High Fidelity“ (2002) und „About A Boy“ (2002) kommt jetzt erneut ein Bestseller des britischen Kultautors in die Kinos. Die schwarz-humorige Selbstmord-Komödie „A Long Way Down“ (Ein weiter Weg runter) brilliert mit einem hochkarätigen Schauspielerteam, enttäuscht aber in der Umsetzung. Statt trockenem, lakonischen Humor gibt es leichtfüßigen Witz, statt böser Ironie pure Ausgelassenheit. Daran kann auch James Bond a.D. Pierce Brosnan mit seinen wunderbaren Leinwandkollegen nichts ändern.

Brosnan, privat nachdenklich und sozial engagiert, spielt den ausrangierten Talkmaster und Frauenhelden, der sich nach dem Zusammenbruch seiner Glitzerwelt das Leben nehmen will. Als er in der Silversternacht mit einer letzten Zigarre in der Hand sprungbereit auf einem Londoner Hochhaus steht, gesellen sich nach und nach drei Gleichgesinnte zu ihm. „Entschuldigung, brauchen Sie noch lange?“, will die allein stehende Mutter Maureen (Toni Collette) wissen, die am Leben mit ihrem schwerstbehinderten Sohn zerbrochen ist.

Auch die manisch-depressive Politikertochter Jess (Imogen Poots) und der angeblich krebskranke Pizzaboy JJ (Aaron Paul) drängen auf den guten Startplatz. In letzter Sekunde jedoch beschließen die vier höchst unterschiedlichen Todeskandidaten, ihr Vorhaben noch einmal bis zum Valentinstag auszusetzen: In den verbleibenden sechs Wochen wollen sie versuchen, sich gegenseitig aus dem Schlamassel zu helfen. Nach einem beispiellosen Medienwirbel um ihr Projekt und einem postkartenkitschigen Urlaub in der Südsee endet alles - na, wo wohl? - in Friede, Freude, Liebesbraus.

Die vier Lebensmüden spielen ihre Rollen mit viel Bravour. Jeden Augenblick ist dem seltsamen Quartett auf der Leinwand anzumerken, dass es auch ohne Kamera viel Spaß miteinander hatte. „Da hat auf Anhieb die Chemie gestimmt, wir brauchten nicht lange rumzureden“, erzählt Brosnan. Vor allem die Golden-Globe-Gewinnerin Toni Collette („Little Miss Sunshine“), mit ihrer ätherischen Naivität schon wie aus der Welt gefallen, und Shooting-Star Imogen Poots („Jane Eyre“) als himmelhoch-jauchzendes-zu-Tode-betrübtes Energiebündel sorgen für anrührende Momente.

Aber Regisseur Pascal Chaumeil („Der Auftragslover“) und Drehbuchautor Jack Thorne schaffen es nicht, den richtigen Ton für ihr ernstes Thema zu finden. Zu oft gleitet die Geschichte einfach in eine seichte Klamotte ab. Kritiker hatten Hornby schon beim Buch vorgeworfen, zu leichthändig mit den Themen Depression und Selbstmord umzugehen. Der Film macht das noch um ein Vielfaches schlimmer. Aber vielleicht gibt es auch einfach Themen, die sich der Aufbereitung als Komödie entziehen.

Der Film läuft im Cineplex.

von Nada Weigelt

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