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Seitenbühne trübt den Genuss

Klassik-Open-Air Seitenbühne trübt den Genuss

Ein Abend unter Sternenhimmel im Glanz der italienischen Oper versprach das Gala-Programm des Studentensinfonieorchesters (SSO) am Freitagabend. Doch leider wurde der Klassikgenuss immer wieder gestört.

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Katrina Krumpane, die bereits beim Neujahrskonzert des SSO begeisterte, ließ mit ihrer tollen Stimme auch auf der Freilichtbühne im Schlosspark richtige Operngefühle aufkommen. Ulrich Manfred Metzger dirigierte.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die laute Musik von der Seitenbühne im Schlosspark ist jedes Jahr ein Ärgernis während des traditionellen Klassik-Open-Airs.

Seit dem letzten Auftritt des SSO dort vor zwei Jahren hatte Dirigent Ulrich Manfred Metzger vergeblich versucht, bessere Bedingungen zu schaffen und den Veranstalter dazu zu bewegen, die Seitenbühne während des Klassikkonzertes ruhen zu lassen. Als letzte Maßnahme versuchte Metzger zehn Minuten vor Konzertbeginn die Techniker an der Seitenbühne zu bitten, die Musik leiser zu drehen. Alles ohne Erfolg.

Dabei begann alles so schön. Mit der Ouvertüre aus Rossinis „Cemerentola“ eröffnete das SSO das Konzert und sorgte mit verspielten und bewegten Motiven für die ersten italienischen Momente. Katrina Krumpane, die bereits beim Neujahrskonzert des SSO begeisterte, ließ mit ihrer tollen Stimme auch auf der Freilichtbühne im Schlosspark richtige Operngefühle aufkommen. Als männlichen Solisten hatte das SSO den Marburger Tenor Hubert Schmid verpflichtet, der seit 2003 Mitglied der „Jungen Tenöre“ ist. Beide sangen verschiedene Arien aus bekannten Opern wie Verdis „La Traviata“. Es waren vor allem die ruhigeren Passagen, die vom Lärm der Seitenbühne empfindlich gestört wurden. Beim vierten Satz aus Tschaikowskys vierter Sinfonie durchbrachen der kräftige Bass und die lauten Rufe der Seitenbühne das feine Spiel der Geigen. Bereits vorher störte die laute Musik spürbar die Musiker. „Wir standen zeitweise kurz davor, das Konzert abzubrechen“, so die erste Vorsitzende des SSO, Luise Rost.

Die Leistung, die die Laienmusiker unter diesen Umständen ablieferten, kann ihnen kaum hoch genug angerechnet werden. Denn, auch wenn es ein schönes Konzert war, die etwa 70 Musiker wären eigentlich in der Lage gewesen, noch besser zu spielen.

Die Beeinträchtigung war den Musikern teilweise deutlich anzusehen. Nach dem „Ungarischen Tanz Nr. 5“ von Brahms ließ sich Dirigent Ulrich Manfred Metzger einen Kommentar auf seine Weise nicht nehmen. Bevor er das Zeichen für die Arie „E lucevan le stelle“ aus Puccinis Oper „La Bohème“ gab, hielt er noch einmal inne, legte eine Hand ans linke Ohr, hörte sich den Lärm der Seitenbühne an und schüttelte sich anschließend.

Aber nicht nur die fremde Musik störte die Konzentration der Musiker. Auch Moderator Christopher Din sorgte immer wieder mehr oder weniger unfreiwillig für einen Bruch des geplanten Abends.

Für seine fehlerhafte, teils wirre Moderationen erntete er immer wieder Gelächter aus dem Publikum, das sich steigerte - wie bei der falschen Aussprache von Bizets Bühnenmusik „L’Arlesienne“ zu „El Arlesienne“. Den berühmten Radetzky-Marsch von Johann Stauß (Vater), kündigte er mit den Worten an: „Einige kennen ihn vielleicht aus der Fernsehwerbung“.

Der Höhepunkt war das mitreißende Feuerwerk am Ende des Konzertes zum Präludium des „Te Deum in D-Dur“ von Marc-Antoine Charpentier. Wunderschön waren die Raketen auf die Musik und die wechselnden Abschnitte der Eurovisionsmelodie abgestimmt und sorgten dafür, dass die schönen Momente des Abends dann doch überwiegten.

von Mareike Bader

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