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Sechs plus sechs macht ein Programm

Comedy Sechs plus sechs macht ein Programm

Man addiere sechs Künstler und sechs Auftrittsorte und heraus kommt ein Programm. Jeweils fünf Comedians traten am Mittwoch im fliegenden Wechsel auf.

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Sie wechselten die Bühnen der sechs Veranstaltungsorte in rascher Folge: (von links) David Anschütz, Roberto Capitoni und Thomas Nicolai.Foto: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Egal, ob man Fan des Knubbel oder der Waggonhalle ist, eher Lust auf Tapas oder Mexikanisch hatte - man musste nur eine Eintrittskarte für „sein“ Lokal kaufen und bekam am Mittwoch bei der „Komischen Nacht“ dort dann gleich fünf Comedians serviert. Hans Gerzlich, C. Heiland, Horst Fyrguth, Roberto Capitoni, David Anschütz und Thomas Nicolai gaben sich buchstäblich die Klinke in die Hand und wurden nach ihren jeweils 25-minüten Auftritten an den nächsten Ort des Geschehens gebracht.

Knubbel und Waggonhalle, „Tapas & Co.“ und „Mexicali“, das „5 Jahreszeiten“ und das Restaurant „Stümpelstal“ in Michelbach boten die Bühnen für die erste „Komische Nacht“ in Marburg, die in anderen Städten von Bielefeld bis Bremerhaven bereits sehr erfolgreich läuft.

Am Tag zuvor hatte der Comedy-Marathon in Cloppenburg und Kassel Premiere gefeiert - wobei Kassel offenbar wenig einladend auf die beteiligten Künstler gewirkt haben muss. Er und seine Kollegen wollten nach der Fahrt zum Hotel selbiges gar nicht mehr verlassen, berichtete David Anschütz.

Vom Anblick Marburgs hingegen seien alle begeistert gewesen. Dieses Schloss da oben - wie interessant. Da habe er unbedingt hin gewollt. Auf halbem Weg den Berg hinaus beschloss er dann aber, dass es So interessant nun doch nicht sei und er lieber einen Kaffee trinken geht.

Natürlich gab es nicht nur Nettigkeiten zur Gastgeberstadt zu hören. Wie es sich für einen ordentlichen Comedy-Abend gehört, wurde auch ausgeteilt. „Humor hier in Marburg - auch mal was ganz Neues“, stichelte C. Heiland beispielsweise.

Das Konzept animiert die Künstler natürlich auch, sowohl die verschiedenen Veranstaltungsorte als auch sich gegenseitig auf die Schippe zu nehmen. Er sei gerade im Knubbel gewesen - da möchte er nicht nochmal hin, lästerte beispielsweise Thomas Nicolai, als er im „5 Jahreszeiten“ aufschlug. Man habe das Gefühl, es wachse einem eine Jutehose. Und Horst Fyrguth stellte im „Mexicali“ fest, wie gern er direkt nach Roberto Capitoni, dem „kleinen Italiener“ auftrete - da wirke man gleich viel größer.

Angesichts des Empfangs, den ihm das Publikum bereitete, fragte er nach, ob er in einen mexikanischen Schwulenclub gelandet sei. Capitoni hatte zuvor um „Horst, ich will ein Kind von Dir“-Rufe gebeten. David Anschütz wusste beim Betreten des „Tapas & Co“. hingegen sofort, wie und wo der Hase läuft. „Thomas Nicolai war vor mir da, oder?“ Der hatte die weiblichen Fans angestiftet, sofort den Namen des Kollegen zu schreien.

In einer anderen Stadt sei einer der Künstler völlig irritiert gewesen, als die ersten Minuten keinerlei Reaktion aus dem Publikum kam und die erste Reihe danach geschlossen zur Toilette marschierte. So macht man sich gegenseitig noch mehr Spaß, wenn man eh schon welchen hat.

Aber was heißt hier Spaß. „Guck Dir das ganz genau an hier - das ist Arbeit“, erklärte C. Heiland einer Lehrerin. Noch dazu total erniedrigende Arbeit - „man muss den Leuten beim Essen zugucken“. Bei Hans Gerzlich lautet das aktuelle Programm passenderweise sogar „So kann ich nicht arbeiten“ - stimmig, wenn man „Wirtschaftskabarettist und Bürocomedian“ ist.

An diesem Abend lernten die Zuschauer dann auch noch, warum „Titanic“ rückwärts gedreht ein Öko-Thriller wäre und dass man sein Übergewicht mit der Klimaerwärmung vergleichen kann: „Ich streite nicht ab, dass es sie gibt, aber ich weiß nicht, was ich dagegen tun soll“.

Von Nadja Schwarzwäller

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