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Sechs Planeten, Dinosaurier und eine Wunderdroge

Leif Randt: „Planet Magnon“ Sechs Planeten, Dinosaurier und eine Wunderdroge

Ein junger Mann posiert auf einem raptorähnlichen Dinosaurier vor Kupferfelsen und blauem Himmel. Wer bei diesem Bild an Jurassic Park denkt, der liegt hier daneben.

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Leif Randt las bei den Wilden Schwänen aus seinem neuesten Roman „Planet Magnon“.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. Die Szene stammt aus dem Roman „Planet Magnon“ von Leif Randt und der saurierreitende Hauptdarsteller heißt nicht Chris Pratt, sondern Marten Eliot. Randt war zu Gast bei den Wilden Schwänen, die während des Theatersommers wieder im ehemaligen Ladenlokal Kratz residieren.

Er las einige Passagen aus dem von Kritikern geliebten Buch vor. Romanheld Eliot taugt kaum zum hitzköpfigen Actionhelden, vielmehr ist er ein kühl erscheinender Denker und damit das Paradebeispiel eines „Dolphins“. Damit sind in dem Science-Fiction-Roman keine Meeressäuger gemeint, sondern eines der Kollektive in Randts fiktivem Sonnensystem, das gleich sechs bewohnbare Planeten beherbergt.

Jeder Planet hat dabei seine eigene Beschaffenheit und wird von den Kollektiven, die man vage als Gemeinschaft gemeinsamer Weltansichten beschreiben könnte, unterschiedlich stark in Anspruch genommen. So gibt es einen Müllplaneten, einen Urlaubsplaneten und einen Naturplaneten mit großzügigen Umweltzonen.

Zuhörerin gibt Rahmen vor

Über diesem komplexen System aus Himmelskörpern und Kollektiven, wacht die „AS“, die „actual sanity“, was sich am ehesten mit „tatsächlicher Vernunft“ übersetzen lässt. Eigentlich ist das nicht viel mehr als ein alles bestimmendes Computersystem.

In dieser sehr rationalen Welt ist Marten Eliot also der ideale Hoffnungsträger der „Dolphins“, die sich in einem zunehmenden Konflikt mit einem anderen Kollektiv sehen – dem der gebrochenen Herzen. Diese Gruppierung stellt so ziemlich das genaue Gegenteil ihrer Widersacher dar: Menschen, die sich dem aus Emotionen geborenen Schmerz ganz bewusst hingeben. In diesem Konflikt spielt schließlich das titelgebende Magnon eine besondere Rolle. Dabei handelt es sich aber, so viel sei verraten, um eine ganz besondere Droge.

Besucherin Laura Seime hatte auf der Lesung ganz präzise Wünsche an den Autor: „Bitte nicht weiter als Seite 80 lesen, da bin ich gerade, oder ganz genau ab Seite 80.“ Leif Randt nahm es mit Humor und hielt die Vorgaben der jungen Studentin auch beinahe ein. „Ich fand die Lesung super, vor allem die Atmosphäre hier ist etwas 
ganz Besonderes,“ freute sich Seime.

Wie viel vom Romanhelden Eliot in dem ebenfalls sehr überlegt wirkenden Leif Randt selbst steckt? „Während des Schreibens nähere ich mich meinen Figuren tatsächlich etwas an, aber ich denke ansonsten sind wir uns nicht so ähnlich. Wenn ich ihn treffen würde, dann wüsste ich aber mit seiner besonderen Art umzugehen, denke ich,“ antwortete der Autor.

  • Leif Randt: „Planet Magnon“, Kiepen
heuer & Witsch, 304 Seiten, 19,99 Euro

von Marcus Hergenhan

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