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Kabarett für den „Marburger Mob“

Sebastian Pufpaff im KFZ Kabarett für den „Marburger Mob“

Charmant ist er. Und er kann sich aufregen bis die Backen glühen. Sebastian Pufpaff sorgte im KFZ wieder für Lachtränen.

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Sebastian Pufpaff in Politikerpose: Im Kulturladen KFZ stellte er „Alles auf Anfang“.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Sebastian Pufpaff mag Niveau – schließlich ist er sogar Nouveau von der politischen Einstellung her. Und Pufpaff mag Marburg. Wenn ihm eine Fee einen Wunsch schenken würde, würde er Marburg wählen, bekundet Pufpaff bei der Begrüßung seines Publikums und erinnert sich an seine Freundin während seiner Studienzeit, die in Marburg lebte. Und so kommt Pufpaff auch heute noch gerne in die Universitätsstadt. Bereits zum zweiten Mal zeigt er im KFZ sein aktuelles Programm „Alles auf Anfang“ und fordert, man solle sich einfach mal „nullen“ und den Kopf frei machen.

Manch einer der 350 Zuschauer würde wohl im Laufe des Abends einen 48-jährigen „Aussteiger“ aus den vorderen Reihen gerne quasi auf Werkseinstellung setzen. Der reizt die Möglichkeit, von Sebastian Pufpaff ins Programm integriert zu werden, aus – schnell beschweren sich vor allem die hinteren Reihen, die kein Wort verstehen. Pufpaff reagiert auf den „Marburger Mob“ und unterbricht den Redefreudigen kurzerhand. Erst charmant: „Bei meiner Aufmerksamkeitsspanne bin ich nach 30 Sekunden raus“ – später deutlicher. Immerhin ist ein Ziel des Abends geschafft: „Ich will die Gruppe wieder zusammenbringen“.

Pufpaff trägt wie immer ­einen schicken Anzug und die Haare­ gegelt. Nicht umsonst gilt er weithin als der am besten ­gekleidete Kabarettist. Und er kann sehr charmant sein, wenn er sein Publikum umgarnt. Es sei schlau, sagt er, denn es habe sich ja gegen den bequemen Abend vor dem Fernseher entschieden. Aber die Lobhudelei ist unnötig, denn Sebastian Pufpaffs Mischung aus politischem Kabarett und Comedy kommt einfach gut an.

Witz ist pointiert, mal subtil, mal böse

Aber auch einen Bühnenprofi kann man überraschen. Etwa als er nach den Haustieren der Zuschauer fragt und ziemlich erstaunt ist über die Antwort „Huhn“, die er mehrmals herrlich quietschend wiederholt. Er kann aber auch anders. Er kann sich richtig echauffieren und die lachenden Zuschauer­ anschreien: „Ruhig jetzt!“ – denn vor lauter Lachen können die ihm kaum noch folgen.

Sein Witz ist pointiert, mal subtil und mal auch böse. „Wenn die Polkappen schmelzen, haben 
die in Afrika wenigstens mal was zu trinken“, meint er zur Klimaerwärmung. „Sie können die Welt nicht retten, aber sie können sie verändern mit Kleinigkeiten“, erklärt der 40-Jährige und wird zwischendurch auch mal ernst. Etwa in der Zugabe, als er aufruft, im September bei der Bundestagswahl wählen zu gehen und sich vorher aber mit den Wahlprogrammen der verschiedenen Parteien wirklich auseinanderzusetzen.

Gerade im bisweilen schlüpfrigen Comedy-Teil wirken manche Themen auf den ersten Blick oberflächlich. Doch dann besticht Pufpaff mit seiner klaren Haltung, die er in Humor packt. Er fordert, dass sich die Menschen frei von Vorurteilen machen und nicht nur an sich selbst denken sollen. Eine Grundregel gibt er mit auf den Weg: „Es gibt Arschlöcher und Nicht-Arschlöcher“, ansonsten habe jeder die gleiche Chance verdient.

Kabarettist und Publikum verstehen sich. Auch wenn sich Pufpaff angesichts der ­politischen Entwicklungen zum Schluss wünscht, sich mal wie im Film „Men in Black“ „blitzdingsen“ zu lassen.

von Mareike Bader

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