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Science-Fiction aus der Lagerhalle

Science-Fiction-Produktion aus Niederweimar Science-Fiction aus der Lagerhalle

Star Trek und Raumschiff Enterprise waren gestern. Die deutsche Science-Fic‑tion-Antwort kommt aus einer Lagerhalle in Niederweimar. Hier hat Jack Moik 15 Jahre lang an der wohl aufwendigsten deutschen Science-Fiction-Produktion gearbeitet.

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Konzentration pur – die Modelle für den Film wurden in Handarbeit erstellt.

Quelle: Privatfoto

Niederweimar. Zehn Jahre lang hat Jack Moik das Haar lang getragen. Es einfach abzuschneiden – ausgeschlossen. Denn zehn Jahre lang stand Jack Moik für seinen Science-Fiction-Film Nydenion in der Hauptrolle vor der Kamera – von der ersten Szene bis zur letzten mit Langhaarfrisur. Ganz so, wie es das Drehbuch vorsieht.

Beschweren würde sich der heute 44-Jährige darüber nicht. Immerhin hat er das Drehbuch selbst geschrieben, die Kulissen für seinen Film eigenhändig gebaut, die Regie selbst geführt. 15 Jahre hat der Dreh der Produktion gedauert. 15 Jahre, in denen das Budget knapp, die Arbeitsstunden ungezählt und die Motivation ungebrochen blieb. „Dieser Film ist eine Hommage an die Science-Fiction-Filme der 70er und 80er Jahre. Das ist ein Würdigung all der großen Filme, die unsere Kindheit verschönert haben“, erklärt Moik.

Auch auf der Berlinale wurde der Film gezeigt. Im Publikum: Presse, Filmeinkäufer und der Regisseur selbst, Jack Moik. Aufgeregt, angespannt, andächtig. „Man begibt sich bei einer Filmvorführung immer in die Arena. Da muss man auch mal Kritik vertragen“, erklärt Moik. Immer dann, wenn der Abspann läuft, immer dann würde Jack Moik am liebsten die ganz persönliche Geschichte hinter „Nydenion“ erzählen.

Es ist die Geschichte eines Filmteams, das in einer 800 Quadratmeter großen Halle in Niederweimar aus Styropor, Holz und Gips seine ganz persönlichen Vorstellungen einer Science-Fiction-Welt erschuf. Jede Kulisse, jedes noch so kleine Detail baute die 10-köpfige Crew in Eigenregie. Das Budget wurde in Baumärkten und für die Hallenmiete ausgegeben. Die oberste Devise lautete: Selbermachen. Egal ob schauspielern, Kostüme schneidern oder Kulissen bauen.

Mittlerweile ist die Halle in Niederweimar leer geräumt. Nichts erinnert mehr daran, dass hier an einer der aufwendigsten deutschen Science-Fiction-Produktionen gearbeitet wurde. Einige der Modelle hat Jack Moik behalten – auch wenn seine wertvollste Erinnerung an die Drehzeit gerade einmal zwölf Zentimeter im Durchmesser misst. Es ist der Film auf DVD, der in Kürze erscheint. Ein Lebenswerk? „Nein. Das würde bedeuten, dass nichts mehr folgen würde“, empört sich Moik.

Nach 15 Jahren als Weltenerschaffer, Komponist und Schauspieler schaut Jack Moik optimistisch in die Zukunft. Neue Projekte haben den Platz von Nydenion eingenommen. Aber wenn doch mal ein wenig Zeit übrig bleibt, dann fährt Moik gemeinsam mit seiner Frau in seine alte Heimat. „Ich schätze die Ruhe hier in Marburg. Sich mal entspannen, sich nicht drängeln lasse – es ist so, wie es sein sollte,“ erklärt der Science-Fiction-Fan.

von Marie Lisa Schulz

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