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Schwungvoll geht es ins neue Jahr

Konzert Schwungvoll geht es ins neue Jahr

Seit Wochen war das Neujahrskonzert des Studentensinfonieorchesters (SSO) in der Stadthalle ausverkauft. Schwungvoll führten die Laienmusiker ihr Publikum ins neue Jahr.

Marburg. Es ist schon bemerkenswert was die jungen Musiker mit ihrem Dirigenten Ulrich Manfred Metzger in ihrer Freizeit auf die Beine stellen. Seit 21 Jahren steht das SSO für anspruchsvolle Konzertmusik und diesem Ruf wurde man auch beim Neujahrskonzert wieder einmal gerecht. Mit Walzern, Polkas und anderen Tanzstücken von Komponisten wie Tschaikowsky, Strauß und Gershwin wurde das neue Jahr lebhaft begrüßt.

Zu Gast war die Sopranistin Katrina Krumpane, die herrlich charmant drei Arien zum Besten gab. In der Pause hieß es unter einigen Zuschauern, die Lettin sei die beste Sängerin seit langem beim SSO gewesen. Mit ein bisschen Drama präsentierte sie sich mit einem wunderschönen Abendkleid. Für kurze Zeit entstand richtiges Operetten-Feeling. Bei der „Fledermaus“-Arie „Mein Herr Marquis“ ging sie vollkommen in die Rolle der Zofe Adele auf. Scheinbar mühelos schmetterte sie bravourös selbst die höchsten Töne.

Durch den Abend führte Fabian Struttmann, der ein bisschen wie Billy Crystal bei den Oscars humorvoll das Programm kommentierte: Johann Strauß sei wie der André Rieu seiner Zeit gewesen - nur in gut.

Das Programm war perfekt durchdacht. Gespielt wurden wahre Klassiker wie der Walzer aus „Schwanensee“, „An der schönen blauen Donau“, die „Tritsch-Tratsch-Polka“ und die Ouvertüre zu „La clemenza di Tito“. Daneben gab es auch unbekanntere Werke wie die Juwelenarie aus der Oper „Faust“ von Charles Gounod oder der Walzer aus der „Masquerade“-Suite von Aram Chatschaturjan, die seiner Schauspielmusik entstammt.

Die Auswahl war so wunderschön fröhlich, munter und beschwingt, dass das Publikum nicht stillhalten konnte. Spätestens beim Donauwalzer sah man in der Stadthalle viele Köpfe mitschwingen. Ein schönes Bild, wie Moderator Fabian Struttmann berichtete, der den ganzen Abend auf seinem Sessel auf der Bühne saß. Richtig mitgehen konnte man dann bei der zweiten Zugabe, dem „Radetzsky-Marsch“ von Johann Strauß sen., mit dem die Wiener Philharmoniker traditionell ihr Neujahrskonzert beenden. Hier klatschte das Publikum beim berühmten Thema des Marsches freudig im Takt mit.

Zwar ist das SSO ein reines Laienorchester. Mit ihrer Leistung können sich die knapp 75 Musiker aber durchaus mit kleineren Profi-Orchestern messen lassen. Vor allem bei den moderneren Werken von Leonard Bernstein und George Gershwin nahmen sie nochmal richtig Fahrt auf. Die Tondichtung „An American in Paris“ komponierte Gershwin 1928 als Auftragswerk für die New Yorker Philharmoniker. Diesen Anspruch hört man dem Stück wahrlich an. Die Musiker des SSO meisterten die schnellen Wechsel grandios und sorgten mit Xylophon und Saxophon für die gewünschte Pariser Straßenstimmung. Das kräftige Finale ging dann nochmal besonders unter die Haut.

Allein die sonst so feurige „Tritsch-Tratsch-Polka“ plätscherte etwas vor sich hin und ließ feine, punktierte Akzente vermissen. Auch die Streicher hatten hier und da kleinere Probleme. Bei der Polonaise aus Tschaikowskys „Eugene Onegin“ waren die Geigen etwas quietschig, beim „Schwanensee“-Walzer etwas hölzern. Doch der tolle Klang des Orchesters überwog bei diesem Konzerterlebnis bei Weitem.

Das Publikum feierte das SSO mit langem, kräftigen Applaus und viel Jubel. Wenn das Jahr 2013 so freudig und beschwingt wird wie das Neujahrskonzert des SSO, dann braucht keiner Angst vor der angeblichen Unglückszahl 13 zu haben.

Von Mareike Bader

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