Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Schwerstarbeit bei gefühlten 100 Grad

Karamelo Santo im KFZ Schwerstarbeit bei gefühlten 100 Grad

Wem der Freitag noch nicht heiß genug war, der konnte am Abend noch einen drauflegen. Die Zuschauer brachten schnell ihren Flüssigkeitshaushalt in Ordnung. Die Ruhe vor dem Sturm namens Karamelo Santo.

Voriger Artikel
Michael Thalheimer seziert Schillers „Jungfrau von Orleans“
Nächster Artikel
Kölner Band spielt ihren Hip-Funk im Knubbel

Schweißtreibende Beats vom „Heiligen Bonbon“: Beim Reggae-Ska-Latin-Punk-Mix von Karamelo Santo blieb im Kulturladen KFZ kein Bein ruhig. Foto: Jan Bosch

Quelle: Jan Bosch - www.janbosch.de

Marburg. Und der Sturm baut sich langsam auf. Die zehn Musiker von Karamelo Santo geben den Zuschauern die Chance, sich an die steigenden Temperaturen zu gewöhnen, bevor sie das „heilige Bonbon“, so die deutsche Übersetzung des spanischen Idioms, endgültig platzen lassen. Ein bisschen Reggae hier, etwas langsamen Ska dort. Es soll ja nichts anbrennen bei den Argentiniern.

Die Jungs aus Mendoza und Buenos Aires sind eine der bekanntesten Mestizo-Formationen Südamerikas und machen seit 20 Jahren die Bühnen der Welt unsicher - politisch, fröhlich und mitreißend. Kontinuierlich drehen die Musiker die Temperatur nach oben.

Ihre Mischung aus groovigem Reggae, Ska, dem Feuer Lateinamerikas und Einflüssen von Punk ist explosiv und ziemlich tanzbar.

Nach den ersten Liedern auf Schmusekurs legt Karamelo Santo richtig los und bringt den Kessel KFZ zum Kochen. Gleich zwei Frontmänner heizen der Menge mit schnellen Rap-Einlagen ein und springen mit ihrem Bassisten zu schnellen Ska-Rhythmen kreuz und quer über die kleine Bühne. Die nasse Fangemeinde ist begeistert. Bei gefühlten 100 Grad wird im ganzen Saal gesprungen und getanzt, was das Zeug hält. Stillstehen geht nicht.

Zwischen schnellen Drums und Bässen brillieren die Musiker stets mit Soloeinlagen. Immer wieder wechseln sich harte Gitarrenriffs mit der unglaublich eindringlichen Bläser- und Percussion-Sektion ab.

Ein krachendes Soundgewitter, welches die Zuschauer vor sich her treibt. Karamelo Santo bleiben nicht nur auf der Bühne, sondern auch musikalisch stets in Bewegung. Wo die Double-Base mit Punk anfängt, hört der Bass mit gemütlichem Reggae auf. Die quietschende E-Gitarre paart sich mit Akkordeon-Folklore. Und alles ist stets unterlegt mit den treibenden Beats und Samples aus Richtung DJ-Pult. Ihr Stilmix wirkt nie beliebig und ihre energiegeladene Live-Show ist einfach nur mitreißend. Das sie auch inhaltlich was zu sagen haben, macht das Bon Bon erst richtig rund.

Nach eineinhalb Stunden Dauerbewegung und dem Verlust von fünf Liter Flüssigkeit schieben die Latinos noch ein paar Zugaben hinterher. Ein musikalischer Leckerbissen vom Feinsten, der garantiert Muskelkater in den Beinen verursacht.

von Jan Bosch

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr