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Schweißtreibender „Sturm der Hiebe“

Jamaram im KFZ Schweißtreibender „Sturm der Hiebe“

Tom Lugo und seine Kollegen von „Jamaram“ waren nur kurz skeptisch, ob auch im neuen, großen Kulturladen der Funke überspringen würde.

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Die Band Jamaram spielten im Marburger KFZ. Foto: Miriam Pruessner

Quelle: Miriam Prüßner

Marburg. Schon als Mellow Mark die rund 250 KFZ-Besucher eingroovt, zeigt sich deutlich, mit welchem Plan die sich in die Biegenstraße aufgemacht hatten: Tanzen und Feiern. Kein dezentes Vorband-Set also, sondern eine starke Performance, die die Betriebstemperatur für den Abend einstellt: heiß bis zum Anschlag.

Mit Feinripphemd und Bowlerhat

„Jamaram“ setzen kompromisslos auf Ska, Reggae und HipHop - und das seit mittlerweile 17 Jahren. Wer Sänger Tom Lugo bei der Arbeit zusieht, hat - die Bartpracht macht’s - erst einmal Super-Mario oder Horst Lichter vor Augen. Doch der Vollblut-Entertainer ist außerhalb des Bandgeschäfts weder Comic-Held noch Kochbuch-Autor - der Mann schreibt erfolgreich Kinderlieder und bringt Montessori-Schülern den Spaß an der Musik nahe. Ein noch extremerer Grenzgänger ist der Mann, der da hinter Lugo mit Feinripp-Hemd und Bowlerhat auf dem Drumpodest sitzt: Max Alberti, den zumindest die Elterngeneration der „Jamaram“-Fans als Hotelchef Adrian Lechner aus der gerade abgelaufenen Staffel der ARD-Telenovela „Sturm der Liebe“ kennt.

Mit seinem - Achtung: superschlechtes Wortspiel - Sturm der Hiebe treibt „Murxen“ seine Kollegen durch die Songs, flankiert von Perkussionist Nik Thäle und Bassmann Benni Beblo. Über die beiden gibt’s weitaus weniger Gossip zu verbreiten - doch sie sind umso verlässlichere Taktgeber für die 250 schwitzenden Leiber vor der Bühne. Die bekommen von Bennis Bruder Hannes eine wunderschöne Choreo vorgetanzt - selten war Massen-Zumba lockerer und unterhaltsamer!

Ein Satz wie „Marburg - ich will eure Hände sehen!“ löst ja nicht selten den Reflex zum Fremdschämen aus - bei den sympathischen Ska-Brüdern von der Isar wirkt der Winkbefehl authentisch. Authentisch wie der Umstand, dass sie ohne salbungsvolle Appelle und große Gutmenschgeste Spendenbüchsen durchs Publikum wandern lassen, um Aidswaisen in Südafrika zu unterstützen. Authentisch sind auch Konzertmomente wie jener, in dem sich Gitarrist Samy Danger nicht zu schade dafür ist, selbst auf der Bühne mitten im Song eine neue Saite durch den Tele-Body zu fädeln, anstatt sich vom Roadie das nächste Instrument reichen zu lassen - drei Minuten hingebungsvolle Fummelei, während der Rest der Band souverän weiterschiebt.

Aufforderungzum Paartanz

Herunterschalten auf weichen Walzer mit Aufforderung zum Paartanz, prasselndes Percussion-Finale im Publikum, Selfies am Merchandising-Tisch - „Jamaram“ ist dicht beim Publikum. Da wollen sie sein, und vielleicht war das auch der Grund, warum die Band bei ihrem ersten Gig im „neuen KFZ“ mit Wehmut an das alte gedacht haben mag.

von Carsten Beckmann

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Von Redakteur Carsten Beckmann

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