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Schwedische Entdeckung mit großer Stimme

Frida Hyvönen Schwedische Entdeckung mit großer Stimme

In Deutschland ist sie kaum bekannt, könnte noch unter Geheimtipp laufen. In ihrer Heimat Schweden hat Frida Hyvönen dagegen schon mehrere Alben in den Charts platziert. Jetzt stellte sie sich im KFZ vor.

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Frida Hyvönen hockt am Klavier. Links hinter ihr sieht man die Schlagzeugerin, vor ihr auf dem Klavier liegt der Apfel für ihre Stimme.Foto: Jan Bosch

Quelle: Jan Bosch - www.janbosch.de

Marburg. Frida Hyvönen tritt mit wallendem buntem Umhang auf die Bühne, ihre Mitstreiterinnen haben sich vorsorglich neonfarbene Frottee-Schweißbänder über die blonden Haare gezogen. Wird es etwa eine schweißtreibende Popnummer aus den 80ern?

Doch weit gefehlt, Frida Hyvönen entpuppt sich schnell als brillante Musikerin mit Hang zum trockenen Humor. Mit kristallklarer Stimme entführt sie die Zuschauer im Marburger KFZ in die Tiefen ihrer Seele. Reduziert auf das Wesentliche, schwebt ihre Stimme, begleitet vom Piano, durch den Raum. Immer wiederkehrende Melodien, die sich mit den Höhen und Tiefen ihres Gesangs vereinen. Die Klarheit erinnert manchmal an Tori Amos, die Texte behandeln Themen vom Tod der Großmutter bis zum Kirschkernweitspucken in den frühen Kindertagen.

Fast fragmentarische Trompeten- und Synthesizerklänge geben vielen Stücken oft die nötige Note Pop. Hyvönen ist nicht nur melancholisch. Fliegen die Jazzbesen dezent über die Snare-Drum, werden die Akkorde lauter, zeigt sich die Vielschichtigkeit der Künstlerin. Stürmisch schlägt sie zum groovenden Beat in die Tasten. Manche Songs könnten sogar tanzbar sein. Stets wird das Klanggebilde von ihrer kraftvollen Stimme zusammengehalten. Es folgt ein kurzes Stück, nur Stimme und Klavier. Abruptes Ende, langsam, fast schon avantgardistisch, neigt sich der Oberkörper nach hinten. Ende.

Genüsslich beißt die Sängerin zwischen den Liedern in den Apfel, der den Flügel schmückt. „Das soll gut für die Stimme sein, hat mir mal jemand erzählt“, schmatzt sie lachend ins Mikro. Heitere Geschichten und musikalische Kaufanimationen leiten zum nächsten Lied über.

Hyvönen lässt, ganz nach dem Titel ihrer zweiten CD, die Stille wild werden. Mal selbstvergessen, mal emotionsgeladen, zieht sie die Zuschauer vollends in ihren Bann. Obwohl die meisten Lieder eher ruhig wirken, singt die Künstlerin sie mit solcher Kraft, das sie jeden vollends mitreißen.

Mit ihrer aktuellen Scheibe „To the Soul“ tourt sie gerade durch Deutschland. Frida Hyvönens vielschichtiger Sound ist nicht immer einfach, aber einfach gut. Eine weitere hervorragende Stimme aus dem hohen Norden, die man auch zukünftig auf dem Schirm haben sollte.

von Jan Bosch

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