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Schwedenkrimis und der „Björn-Borg-Effekt“

Camilla Grebe las im Szenario Schwedenkrimis und der „Björn-Borg-Effekt“

Wie schreiben zwei Autoren ein gemeinsames Buch? Warum gibt es so viele Schweden-Krimis? Antworten auf diese Fragen und dazu Kostproben aus „Bevor Du stirbst“ gab es im Szenario.

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Fabienne Quennet (links)und Manfred Fenner unterstützten die schwedische Autorin Camilla Grebe bei ihrer Lesung im Szenario.Foto: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Als Camilla Grebe noch in ihrem Hörbuchverlag arbeitete, las sie jede Menge Manuskripte und sie traf jede Menge Autoren. Da kam sie auf die Idee, es selbst einmal mit dem Schreiben zu versuchen. Per Mail schickte sie ihrer jüngeren Schwester Asa Träff ein erstes Kapitel und bat diese, weiterzuschreiben. Was als Spiel begann, ist zu einer Karriere geworden. Aus der Idee ist die Figur der Siri Bergmann entstanden und eine Krimi-Reihe, deren dritter Band gerade erschienen ist: „Bevor Du stirbst“. Mit ihm im Gepäck war Camilla Grebe am Dienstag im „Szenario“ in Marburg zu Gast.

Ihre Schwester sei erkrankt, entschuldigte sich Camilla Grebe. Auf der Bühne hatte sie aber noch zwei Menschen an ihrer Seite: Fabienne Quennet moderierte und übersetzte - obwohl die Schwedin Deutsch versteht und die Mehrzahl der drei Dutzend Gäste den auf Englisch geführten Gespräche problemlos folgen konnte - und Manfred Fenner übernahm das Lesen des deutschen Textes. Ihre eigenen Worte in einer anderen Sprache zu hören - das sei toll, so Camilla Grebe. Um dem Publikum wiederum ein Gefühl für die Sprache zu geben, in der die beiden Autorinnen schreiben, las Grebe zu Beginn eine Passage auf Schwedisch.

Im dritten Buch muss sich die Protagonistin Siri Bergmann, die wie Asa Träff im richtigen Leben Therapeutin ist, mit der Frage auseinandersetzen: Was passiert, wenn jemand, der uns nahesteht, ein ganz anderer ist als der, der wir glaubten? Siri stößt durch Zufall auf die Todesanzeige eines Mannes, der starb, kurz bevor ihr Mann sich umbrachte. Sie nimmt die Spur auf und verfolgt sie fast schon obsessiv - mit weit reichenden Folgen.

Autor zu sein, das klänge so einfach, erfordere aber ein hohes Maß an Disziplin, erklärte Camilla Grebe. Die studierte Betriebswirtin kann vom Schreiben allein nicht leben und arbeitet auch als Unternehmensberaterin. Und wie genau funktioniert es nun, wenn zwei Autoren gemeinsam ein Buch schreiben? Wirklich gemeinsam bewältigen sie und Asa nur das „brainstorming“ und das Strukturieren der Bücher: Erst werden Ideen diskutiert, dann entsteht eine Zusammenfassung und die Handlung wird in Kapitel eingeteilt. Diese abwechselnd zu schreiben, das leistet dann jeder für sich allein.

Dass es trotzdem ein Werk ohne erkennbare Brüche wird, ist laut Camilla Grebe auch dem Umstand geschuldet, dass sie Schwestern seien. Sie haben eine gemeinsame Sprache und sie mögen dieselben Bücher, erklärt Grebe. Dass es so viele schwedische Krimis gibt, führt sie auf den „Björn Borg-Effekt“ zurück: Wenn der Erfolg für einen da ist, folgen andere. Und dann waren da noch die Schuhe. Grebe trug Stiefel mit einem roten Stern auf schwarzem Leder - dem Logo der Buchhandlung, die an diesem Abend für den Büchertisch zuständig war. „Ein toller Zufall“, freute sie sich.

von Nadja Schwarzwäller

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