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Schwanger mit 14 - und dann?

Schulvorstellung Schwanger mit 14 - und dann?

Wie ist es, als Teenager schwanger zu sein? Mit diesem Thema befasst sich der Film „Vierzehn“. Porträtiert wird auch die ehemalige Marburgerin Lisa. 300 Schüler sahen eine Schulvorstellung.

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Regisseurin Cornelia Grünberg (links) hat eine Dokumentation über vier schwangere Mädchen gedreht. Laura (oben) mit ihrem Baby Stella ist eine von ihnen. Foto: Sophia Hedderich / Farbfilm

Quelle: Kinderfilm GmbH

Marburg. Die Dokumentation begleitet vier 14-jährige, schwangere Mädchen von der Entscheidung, nicht abzutreiben, über die Geburt, bis hin zum Leben mit Baby. Steffi, Laura, Fabienne und Lisa meistern ihre Leben auf ganz unterschiedliche Weise und machen im Laufe der Zeit eine erstaunliche Entwicklung durch.

Obwohl die Kamera immer ganz nah am Geschehen ist, zeigt „Vierzehn“ mit einer erstaunlichen Objektivität schonungslos und wertfrei die schlaflosen Nächte, das Unverständnis der Freunde ebenso wie das Glück oder die Schmerzen bei der Geburt: „Diese Panik und diese ganzen verschiedenen Emotionen, die da aufeinander prallten – das war sehr bewegend, aber auch abschreckend“, sagte die 15-jährige Karoline Zech. Die Schülerin der Martin-Luther-Schule hat gemeinsam mit rund 300 anderen Jugendlichen eine Schülervorstellung im Cineplex gesehen. Sie kann sich nicht vorstellen, jetzt schon schwanger zu werden. Für den Großteil der jungen Zuschauer, war das Thema ohnehin sehr befremdlich.

Die Dokumentation von Cornelia Grünberg berührt und nimmt das Publikum mit auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Man erlebt neben zu Tränen gerührten Müttern auch Schicksalsschläge mit, wie zum Beispiel die Komplikationen bei Fabiennes Baby.

Die Mädchen, die inzwischen alle von den Vätern ihrer Kinder getrennt leben, wurden während ihrer Schwangerschaft und auch danach sehr von ihren Familien unterstützt.

Auf die Frage, wie sie auf die Idee zu dem Film gekommen sei, sagte die 53-jährige Grünberg: „Vor längerer Zeit habe ich den Roman ,Rückwärts ist kein Weg‘ von Jana Frey gelesen. Die Geschichte, bei der es um ein 14-jähriges Mädchen geht, dass schwanger ist und sich gegen alle Einflüsse von außen für ihr Kind entscheidet, hat mich zutiefst berührt. Ich selber bin mit 20 ungewollt schwanger geworden und das Buch hat mich an die damalige Zeit erinnert und die Gefühle, Sorgen und Ängste – alles kam auf einmal wieder hoch.“

Sie hofft, dass mithilfe der Dokumentation die gesellschaftliche Ausgrenzung von Teeniemüttern aufhört. „Letztendlich gibt es nie einen richtigen Zeitpunkt für eine Frau schwanger zu werden. Deshalb muss es endlich eine gesellschaftliche Anerkennung für junge Familien, egal welchen Alters, geben“, fordert die Regisseurin.

„Vierzehn“ ist der erste von insgesamt drei Filmen über die vier jungen Mütter. Anfang Januar 2014 soll der zweite Teil mit dem Titel „Achtzehn“ herauskommen. Er ist bereits abgedreht und dokumentiert die Leben der mittlerweile volljährigen jungen Frauen, die sich unter anderem mit dem Thema Sorgerecht auseinander setzen müssen.

Für den zweiten Teil musste Grünberg mit ihrer gesamten Filmcrew auch nach Hawaii fliegen. Denn dort lebt Lisa, die mittlerweile drei Kinder hat und eine Ausbildung zur Hebamme macht, seit ein paar Jahren mit ihrer Familie. Der letzte Teil der Trilogie wird das Leben der Protagonistinnen mit 28 Jahren zeigen. Denn dann sind die Kinder genauso alt, wie ihre Mütter, als sie mit ihnen schwanger waren.

Auf die Frage, ob sie einen Rat für schwangere Mädchen habe, antwortete Cornelia Grünberg: „Nein. Das ist eine ganz persönliche Entscheidung. Das muss jede Frau für sich wissen. Die Mädchen im Film haben die richtige Entscheidung für sich selbst getroffen. Ich möchte nur, dass jeder weiß, dass es nicht immer gleich zu einer Abtreibung führen muss. Mutter zu werden ist kein Zuckerschlecken, aber es ist auch wahrlich kein Weltuntergang.“

Der Film „Vierzehn“ läuft bis 5. Juni um 17:45 Uhr im Capitol, danach für Gruppen auf Anfrage.

von Sophia Hedderich

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