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Schuke-Orgel erklingt wieder mit vollem Klang

Renovierung Schuke-Orgel erklingt wieder mit vollem Klang

Beim Festkonzert in der Lutherischen Pfarrkirche ertönte zum ersten Mal die frisch renovierte ­Schuke-Orgel. Voll besetzt war der Kirchenraum, gespannte Erwartung lag auf den Gesichtern: Es galt, eine Regentin zu empfangen. Wie würde sie klingen?

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Die Schuke-Orgel ist renoviert worden. Jetzt erklingt sie wieder in der Lutherischen Pfarrkirche.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Mit der 1969 eingeweihten Orgel des Orgelbauers Karl Schuke ist in der Lutherischen Pfarrkirche ein Schatz beheimatet, zu dem es immer wieder Musiker aus nah und fern hinzieht. Bei der Gestaltung von Gottesdiensten, bei der Begleitung von Konzerten oder als glanzvolles Solo-Instrument – die Schuke-Orgel zeigt ihren besonderen musikalischen Charakter. Sie ist ein Beispiel bester Handwerkskunst im neo-barocken Stil.

Glanzvoll fülliges Klangspektrum, Strahlen und kraftvolle Dynamik waren ihr möglich, doch galt es, sie durch eine grundlegende Renovierung neu zu beleben. Dafür war die Orgel-Diva seit Oktober letzten Jahres ausgezogen zur Kur: Generalüberholung in der Orgelwerkstatt Späth bei Freiburg.

Jede einzelne der über 2800 Pfeifen wurde einer intensiven Überarbeitung und Neustimmung unterzogen. Mit teilweise eigens gefertigtem Werkzeug bog, glättete und feilte man die metallenen Körper der Pfeifen. Akribisch und mit musikalischem Feingefühl kümmerte sich der Intonateur um die Klangfarbe und Tonreinheit jeder einzelnen Pfeife. Und beim Einbau der großen Pfeifenschar sorgten die Orgelbauer aus Freiburg dafür, dass alles wieder „zügig“ läuft.

Nebengeräusche beseitigt

Martin Weyer machte beim Festkonzert mit Fanfaren-Klängen des erneuerten Instruments den Auftakt. Alle Register zog der Musiker und ließ die Orgel mit ihren Farben und Klangeffekten hören. Auf frisch sprudelnde Läufe in Bruhns Präludium folgte die Fantasie von Johann Sebastian Bach, fast dissonant und wie befreit.

Die Stufen der Fuge drängten zum Kirchengewölbe empor. Leiseste Echo-Effekte in Regers Choralvorspielen verdeutlichten die nun hörbaren dynamischen Spannungsbögen – von den stillen und zarten Tönen geht es bis zu tief brummenden, vibrierenden und sehr lauten Effekten.

Und dass ohne Nebengeräusche, die vor der Renovierung manchmal wie ein Ächzen oder lautes Atmen des alten Instruments zu hören waren. In Sowerbys Toccata meinte man, zwitschernde Vogelstimmen zu vernehmen, die sich später zu einem rauschenden Schwarm verdichteten – ein Bild herbstlichen Aufbruchs in den Süden? Weyer entlockte der Orgel ihr ganzes Potenzial und zeigte sein Können. Das Publikum klatschte begeistert.

Orgel erklingt künftig wieder regelmäßig

Auch die Kurhessische Kantorei ließ sich von orchestralen Orgelklängen tragen. Im „Kyrie“ und „Gloria“ von Alexander Gretschaninow überzeugte der Chor mit strahlend-festlicher Dynamik und innig-leiser Interpretation des Mitleidens im Miserere-Teil. Sensibel und kraftvoll erklang dazu die Stimme der Orgel, meisterlich gespielt von Ka Young Lee. Benjamin Brittens „Te Deum“ sang der Chor mit lebendigem Temperament, ganz im Sinne des Komponisten aus dem 20. Jahrhundert, mit der Orgel als Rhythmusinstrument.

Der begeisterte Beifall des Publikums galt schließlich Francis Poulencs Konzert für Orgel, Orchester und Pauke – eine Glanzleistung, die sich unter der Leitung von Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum das Marburger Kammerorchester mit Bezirkskantor Nils Kuppe an der Orgel und Olaf Pyras an den Pauken teilten. Der Solist beeindruckte mit virtuosem Spiel, musikalischer Entschlossenheit und großartiger Energie.

Nach den Sommerferien wird die Orgel-Königin weiterhin für jedermann Hof halten: bei der Stunde der Orgel samstags um 18 Uhr, bei Martin Weyers Gesprächskonzerten und weiteren Anlässen. Kirchengemeinde und Orgelbauer, die Musiker und vor allem der Förderkreis „Orgelmusik in der Lutherischen Pfarrkirche“ haben dafür gemeinsam mit vielen Spendern gesorgt. Über die Festmusik zum Auftakt schwärmte Orgelbauer Tilmann Späth: „So ein vielschichtiges Begrüßungskonzert habe ich noch nicht erlebt!“

von Almuth Westecker

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