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Schubert-Messe krönt den Abend

Konzerterlebnis Schubert-Messe krönt den Abend

Mit einem eindrucksvollen Konzerterlebnis erfreute die Chorgemeinschaft der Stiftskirche St. Johann Amöneburg am Samstagabend die Zuhörer.

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Freude an der Musik: Die Chorgemeinschaft der Stiftsschule St. Johann Amöneburg sang Werke von Mendelssohn-Bartholdy und Schubert.

Quelle: Michael Hoffsteter

Amöneburg. Musik aus Klassik und Romantik stand am Samstagabend auf dem Programm in der Stiftskirche. Den Auftakt machte der Chor, der zusammen mit dem Marburger Kammerorchester musizierte, mit einem fröhlich gestimmten Stück von Antonio Salieri (1750-1825). Die Chorgemeinschaft verstand es, einen runden und geschlossenen Klang zu zaubern. Die einzelnen Stimmen waren gut hörbar, die Dynamik ausgefeilt, die Textverständlichkeit sehr gut. Da fiel es nicht weiter ins Gewicht, dass die Intonation nicht immer sicher gelang.

Im Mittelpunkt der ersten Hälfte des Konzertes stand Felix Mendelssohn-Bartholdys Choralkantate „Wer nur den lieben Gott lässt walten“. Das Werk entstand 1829 und basiert auf Text und Melodie des bekannten, vielfach vertonten Kirchenlieds. Beeindruckend war hier vor allem der Schlusschoral, der unisono gesungen wird. Zuversicht und Glaubensstärke sprachen aus dem Stück, das der Chor mit viel Überzeugungskraft gestaltete.

Begleitet wurden die Choristen durch das Marburger Kammerorchester. Mit viel Feingefühl war das Orchester stets verlässlich an der Seite der Sängerinnen und Sänger, kleine Unebenheiten im Zusammenspiel fielen nicht weiter auf. Dirigent Jürgen Pöschl setzte mal mit zarten, mal mit deutlichen Gesten Akzente.

Es folgte das „Ave Maria“ von Franz Lachner (1803-1890). Hier glänzte Sopranistin Dorith Neumeyer mit ihrer klaren und hellen Stimme. Der Komponist des folgenden Werkes ist in der Musikgeschichte wohl eine besondere Erscheinung: Robert Führer (1807-1861) war Organist in Prag und versuchte, unter seinem Namen eine Messe von Franz Schubert herauszugeben. Man kam ihm aber auf die Schliche. Obwohl er wegen anderer Betrügereien mehrfach im Gefängnis saß, war er dennoch ein bekannter Komponist und Organist. Im Konzert erklangen zwei Sätze aus seinen Landmessen, die trotz ihrer Schlichtheit sehr ansprechend wirkten.

Zum Abschluss des rund einstündigen Konzertabends erklang Franz Schuberts Messe Nr. 2 in G-Dur. Mit gerade mal 18 Jahren schrieb Schubert (1797-1828) dieses Werk, er soll weniger als eine Woche daran gearbeitet haben. Mit dem eindrucksvollen Kyrie begann die Messe, besonders schön war hier der Dialog zwischen Chor und Sopranistin. Beim strahlenden „Gloria“, das der Chor sehr ausdrucksstark sang, stellte sich Gänsehaut-Feeling ein. Hier hatte auch Bassist Hartmut Raatz mit seiner schönen vollen Stimme seinen Einsatz. Im Credo fehlte interessanterweise das Bekenntnis zur katholischen Kirche. Schubert hat dies absichtlich weggelassen, um seine ganz persönlichen Zweifel an der Kirche zum Ausdruck zu bringen.

Im Benedictus sangen die drei Solisten dann ein sehr gelungenes Terzett, Tenor Michael Brauer überzeugte mit seinem angenehmen Timbre. Im wunderschönen Agnus Dei am Schluss bewies der Chor einmal mehr, dass er auch leise Stellen sehr klangvoll singen kann.

Als der letzte Ton verklungen war, gab es minutenlangen, begeisterten Beifall in der Stiftskirche.

Als Zugabe sang der Chor noch einmal das heitere „Confirma Hoc, Deus“ von Salieri, und die Zuschauer traten zufrieden den Heimweg an.

von Bettina Preussner

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