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„Die Menschen in Vietnam haben viel zu leiden“

Le Minh Khue „Die Menschen in Vietnam haben viel zu leiden“

Le Minh Khue schreibt in ihren spannenden Erzählungen von Krieg und Machtmissbrauch in Vietnam. Nun war sie im Technologie- und Tagungszentrum (TTZ) zu Gast.

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Die Schriftstellerin Le Minh Khue (rechts, mit Übersetzerin Marianne Ngo) sprach im Technologie- und Tagungszentrum (TTZ).

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Die vietnamesische Autorin Le Minh Khue ist ­eine kleine, höfliche Frau, die auf den ersten Blick sehr ernst wirkt. Aber wenn sie erzählt, lebt sie auf und zeigt sogar eine humorvolle Seite. Nach Marburg ist sie unter anderem auf Einladung der Freundschaftsgesellschaft Vietnam und des Weltladens ­gekommen.

Ihre Übersetzerin Marianne Ngo trug den Anfang der Geschichte „Eine kleine Tragödie“ vor, die in dem neuen Erzählband „Nach der Schlacht“ erschienen ist. In der Novelle geht es um zwei junge Menschen, die sich ineinander verlieben und heiraten wollen. Aber die geplante Hochzeit scheitert, weil sich die Verbrechen der Vergangenheit ins Bewusstsein drängen. Nach und nach wird klar, dass die Folgen von Krieg und Landreform in Vietnam bis heute nachwirken.

Mit 16 zur Armee

Sehr eindringlich sind die Schilderungen aus dem Vietnamkrieg: die grausamen Bombardements durch die Amerikaner, aber auch das Ausgeliefertsein an die ­vietnamesischen Befehlshaber. Eine zentrale ­Rolle spielt dabei ein Onkel der Ich-Erzählerin, der die eigenen Leute ohne Deckung ins Verderben schickt. Dieser Mann ist ­einer, der „gerne Menschen sterben sieht“, wie es im Text heißt. Und er ist ein Machtmensch, der auch später in Friedenszeiten keine Rücksicht auf Menschenleben nimmt.

Le Minh Khue gehört zu den führenden Schriftstellern ­ihres Landes, ihre Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt. Die Autorin, Jahrgang 1949, verlor in den Wirren der Landreform ihre Eltern und erlebte den Vietnamkrieg hautnah mit, wie Günter Giesenfeld von der Vietnamesischen Freundschaftsgesellschaft darstellte.

Mit 16 Jahren meldete sie sich zur Armee und lebte viele Jahre im Dschungel. Später wurde sie Kriegsberichterstatterin, nach dem Krieg arbeitete sie als Journalistin und Schriftstellerin. In der Fragerunde nach der Lesung sprach die Autorin über das Leben in Vietnam und ihre schriftstellerische Tätigkeit. Die junge Übersetzerin Aurora Ngo stand ihr dabei zur Seite. Sie denke, dass viele vietnamesische Autoren Wunden und Schmerzen erlebt haben und diese in ihren Erzählungen verarbeiten, erklärte Le Minh Khue.

von Bettina Preussner

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